Ein Fisch namens Aalbert (F.G. Klimmek / Ingo Naujoks)

Titel:   Ein Fisch namens Aalbert – Schuppen, Schüsse, scharfe Sprotten / Verlag:   Radioropa / Laufzeit:   ca. 265 min / 5 CDs + 1 mp3-CD / Buch:   F.G. Klimmek / gelesen von:   Ingo Naujoks

Inhalt:   Aalbert lebt im Rhein-Herne-Kanals, wo er sich als Privatdetektiv mit harmlosen Beschattungsaufträgen ganz gut unter Wasser hält.
Mit dem geruhsamen Leben ist es vorbei, als ihm zufällig der gerade aus dem Knast entlassene Riesenhecht Harry über den Weg schwimmt, der auf der Suche nach seiner Wilma ist. In seinem Kielwasser trifft Aalbert auf den dicken Fisch Liebeskind und dessen Partner Konstantin Opelos, die dem guatemaltekischen Leviathan, einer wertvollen schwarzen Statuette, auf der Spur sind.


Tierische Detektive gibt es ja bereits einige, man denke nur an die ermittelnden Schafe aus Glennkill, aber ein Fisch, das war mir neu. Immerhin denkt man doch leicht, dass unter Wasser der Raum für Verbrechen stark eingeschränkt ist…
Doch Ein Fisch namens Aalbert beweist eindrucksvoll, dass das nicht stimmt. Denn Detektiv Aalbert sieht sich unversehens mit gleich drei Fällen konfrontiert: Hecht Harry sucht nach einem längeren Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen seine verschollene, geliebte Wilma, dann findet man seit einiger Zeit immer wieder Flossenreste im Kanal, was auf eine brutale Mordserie hindeutet und nicht zuletzt sind da noch zwei sehr suspekte Kollegen, die hinter einer seltsamen Statuette her sind.
Aalbert, der seiner Körperform entsprechend in einem Auspuffrohr lebt und sein Büro in einer Waschmaschine hat, die jemand im Kanal versenkt hat, wird ganz schön gefordert, ist er doch sonst hauptsächlich mit Beschattungen beschäftigt, oder damit, ausgerissene Kinder (wenn man daran denkt, wie umfangreich der Laich eines Fisches ist, dann ist leicht vorstellbar, dass man da mit dem Einfangen gut beschäftigt ist) wieder zurück nach Hause zu bringen.
Aber Aalbert ist schon lange im Geschäft, ihn erschreckt so leicht nichts und so geht er ausgesprochen cool an die Ermittlungen heran. Doch bald erlebt er Dinge, die selbst ihm die Schuppen zu Berge stehen lassen.
Ja, Aalbert ist ein Fisch, kalt und glitschig und kein Tier, das in das „Ach wie süüüüß“-Schma passt, aber spätestens nach drei Sätzen hat man ihn einfach nur gerne mit seiner lockeren Art, seinem bissigen, oft schwarzen Humor und seiner Vorliebe für Feierabende an der Theke einer nahegelegen Kneipe, wo sein Freund Toni der Frosch allabendlich Fingerhüte mit Alkoholika serviert.
Und was den vermeintlich eingeschränkten Raum unter Wasser angeht, da wird man ebenfalls schnell eines Besseren belehrt. Denn die Menschheit schmeißt wahrlich genug Abfall in den Kanal, so dass man sich als Wasserbewohner damit und darin leicht eine eigene Welt aufbauen kann. Aalberts Kanal hat alles, was auch eine Großstadt bietet: gute und schlechtere Gegenden, heruntergekommene Spelunken, Kliniken, Bordelle und und und. Da fehlt es an gar nichts.
Sehr lustig geraten sind die Namen der verschiedenen Wasserbewohner, denen Aalbert so im Laufe seiner Ermittlungen über den Weg schwimmt. Um nur einige zu nennen:   Alkali Renko (ein russischer Kollege), Ling Ting Tong (ein Koi-Karpfen), Don Vino Mascarpone (der Boss einer üblen Gang und außerdem Piranha), der Rausschmeißer Frank (ein Zander) und Dr. Meduse (ein mutierter Süßwasserpolyp, der Gesichter rekosntruieren will). Und das sind noch längst nicht alle…

Gelesen wird Ein Fisch namens Aalbert von Ingo Naujoks, den man entweder aus der Serie Tatort kennt, oder -wenn man hin und wieder auch mal Werbung guckt- als verwegenen Vater, dessen Tochter später unbedingt auch mal „Spießer“ werden will.
Ingo Naujoks wurde im Ruhrgebiet geboren und wuchs dort auch auf, hat manchmal eine recht „schnodderige“ Art an sich…das klingt doch schon alles so, als könnte kaum jemand Ein Fisch namens Aalbert besser lesen.
Und das stimmt. Den typischen Slang aus dem Pott bekommt er problemlos hin und die coole Art Aalberts nimmt man ihm sofort ab.
Aber auch den italienischen Akzent von Toni, den r-Fehler des asiatischen Kois und Harrys brutalen Ton trifft er exakt.
Immer auch mit dem nötigen augenzwinkernden Humor, der sich durch die Geschichte zieht. Man hört ihm richtig an, wie viel Spaß ihm diesem Aufnahme gemacht hat.
So vergeht die Zeit wie im Flug und ehe man es sich versieht ist die Geschichte bereits aus. Schade, ich hätte Ingo Naujoks noch eine ganze Weile lang zuhören können, wie er den Wasserbewohnern des Rhein-Herne-Kanals Leben und Charakter verleiht.

Das Hörbuch umfasst 5 Audio-CDs und eine mp3-CD mit dem kompletten Hörbuch. Diese Idee mit der mp3-CD hat mir ausgezeichnet gefallen, denn so liegt das Hörbuch gleich im passenden Format vor um es auf einen mp3-Player zu schieben. Außerdem kann man es sich zum Hören auf dem Sofa bequem machen und muss zum Wechseln der CDs nicht mehr aufstehen, kann das Hörbuch also ohne Unterbrechung genießen. Heute spielen ja die meisten Anlagen und DVD-Player bereits dieses Format ab.
Das Booklet zum Hörbuch gibt außer einem kurzen Text über F.G. Klimmek nur Werbung für anderen Hörbücher nicht viel her.
Zum Buch gibt es ein passendes Lesezeichen dazu, auf dem die wichtigsten Charaktere der Geschichte aufgeführt sind. Das hätte ich mir beim Hörbuch ebenfalls gewünscht, ist ein schönes Gimmick.

Auf dem Cover sehen wir Aalbert…und sieht er nicht wirklich aus wie ein Detektiv der alten Schule?
Na also!

Fazit:   Ein Fisch namens Aalbert kann von der Spannung her problemlos mit jedem anderen Krimi mithalten. Gewürzt mit viel schrägem und oftmals schwarzen Humor und einer Menge sehr skurriler Charaktere ist dieses Hörbuch eine absolute Empfehlung für alle, die mal einen Krimi der etwas andere Art hören möchten. Also taucht zusammen mit Ingo Naujoks ab in die unergründlichen und gefährlichen Tiefen des Rhein-Herne-Kanals…

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