Kommissar Kluftingers erster Fall – Milchgeld

Titel:   Milchgeld – Kluftingers erster Fall

Verlag:   Der Audio Verlag

Laufzeit:   ca. 229  min / 3 CDs

Buch:   Volker Klüpfel / Michael Kobr

gelesen von:   Volker Klüpfel / Michael Kobr

Inhalt:   Ein Mord in Kommissar Kluftingers beschaulichem Allgäuer Heimatort Altusried – jäh verdirbt diese Nacht sein gemütliches Kässpatzen-Essen: Ein Lebensmittel-Chemiker des örtlichen Milchwerks ist stranguliert worde. Mit eigenwilligen Ermittlungsmethoden riskiert der liebenswert-kantige Kommissar einen Blick hinter die Fassade der Allgäuer Postkartenidylle – und entdeckt einen scheinbar vergessenen Verrat, dunkle Machenschaften und einen handfesten Skandal.

Ich bin vor Längerem mit Seegrund quer in die Reihe um den kauzigen Kommissar aus dem Allgäu eingestiegen. Und mir hat es so gut gefallen, dass ich mir auch die anderen Teile vorgenommen habe, dieses Mal schön der Reihe nach. Und auch bei Milchgeld bin ich nicht enttäuscht worden.
Der Fall um den Mord in Altusried ist interessant und spannend. Vor allem hat mir daran gefallen, dass die Ermittlungsarbeit des Kommissars und seiner Kollegen so realistisch-bodenständig beschrieben wird. Da gibt es keinen Vorzeige-Kommissar, der sämtliche Zusammenhänge in Nu erkennt und die Sache aufklärt. Hier ist man bei jedem Schritt der Ermittlungsarbeit dabei, erlebt zusammen mit der Polizei die Freude über neue Erkenntnisse, erlebt aber auch, wie sich manche Spur scheinbar im Nicht verliert oder neue Erkenntnisse sofort wieder auch neue Fragen aufwerfen. Genauso ist es bei Verhören oder Gesprächen mit Verdächtigen. Auch hier gibt es niemanden, der jeden sofort durchschaut. Nein, hier darf man gerne mit dem Kommissar und seinen Kollegen mitknobeln. So ergeben sich nach und nach Erkenntnisse und es tun sich Zusammenhänge auf bis schließlich die Aufklärung des Falles ansteht. Auch wenn ich von Chemie wenig verstehe, von Lebensmittel-Chemie schon mal gar nichts, habe ich die Erklärungen am Ende als logisch und nachvollziehbar empfunden. Ich kann mir schon vorstellen, dass in dieser Richtung geforscht wird und mancher Forscher bei ersten positiven Ergebnissen schon vom großen Geld träumt und auf Abwege gerät.
Einen wesentlichen Teil des Romans nimmt neben dem Fall auch Kluftinger selber ein bzw sein Privatleben. Er wird so liebenswert-schrullig beschrieben, dass er mir im Nu sympathisch war. Klar, er hat ein paar seltsame Eigenschaften und Ansichten, aber da muss man sich halt immer vor Augen führen, dass er eben eine Romanfigur ist. Man muss ja nicht im realen Leben mit ihm auskommen. Aber diese Ansichten und Eigenschaften sind es, die das Bild dieser Person ausmachen und da harmonieren sie mit der Beschreibung seines Äußeren ganz prima. Außerdem werden alle Charakterzüge und Sichtweisen des Kommissars mit einem deutlichen Augenzwinkern beschrieben, so dass sie letztlich sogar Spaß machen. Ich habe mich jedenfalls oft beim Schmunzeln und manchmal sogar beim Lachen ertappt. Eine Witzfigur ist er aber ganz und gar nicht. Während seiner Ermittlungen stellt er manches Mal seine Cleverness unter Beweis. Da ist den beiden Autoren bei der Schöpfung dieses Charakters eine sehr ausgewogene Mischung gelungen.

Die Kluftiger-Hörbücher werden vom Autoren-Duo Volker Klüpfl und Michael Kobr höchstpersönlich gelesen. Das ist einerseits deshalb toll, weil sie auch vom Dialekt her für Lokalkolorit sorgen. Zudem teilen sie sich den Text, was die Lesung abwechslungsreich und dynamisch hält. So fällt es einem leicht, ihnen auch über längere Zeit hinweg zu folgen. Man muss allerdings auch sagen, dass Hörbuch-Lesen nicht unbedingt ihr größtes Talent ist. In den erzählenden Passagen verrutscht die Betonung gerne mal, dafür können sich Dialoge wiederum gut hören lassen. Eine durchwachsene, aber anhörbare Sache also.

Keine Untermalung oder Geräusche irgendwelcher Art und irgendwie bin ich froh darüber. Was hätte man hier schon nehmen sollen? Das Läuten von Kuhglocken oder das Scheppern von Milchkannen? Allgäuer Heimatmelodien? Nee, muss nicht sein.

Ich finde die Idee mit den Verkehrsschildern jedes Mal aufs Neue genial. Dass sich da immer ein passendes Schild findet, ist schon toll. Hier ist es also das für Viehtrieb, dahinter die Idylle des Allgäus mit saftig grünen Wiesen und hohen Bergen…das alles passt wunderbar zur Geschichte.

Fazit:   Mir hat Milchgeld Spaß gemacht. Ein spannender und interessanter Fall, ein kauziger Kommissar, quasi der Columbo des Allgäu, und ganz viel Charme, weil es immer auch sehr “menschelt”.

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