Lilienblut (Elisabeth Herrmann)

Titel:   Lilienblut / Verlag:   Random House Audio / cbj Audio / Laufzeit:   ca. 368 min / 5 CDs / Buch:   Elisabeth Herrmann / gelesen von:   Elisabeth Herrmann

Inhalt:   Es ist Sommer und der Rhein glitzert besonders silbern und verführerisch. Sabrina und ihre beste Freundin Amelie können stundenlang am Fluss sitzen, voller Fernweh und Hunger auf das, was Amelie „das Leben“ nennt. Aber während Amelie vom Abhauen und der großen Freiheit träumt, scheint Sabrinas Zukunft festgelegt zu sein. Da taucht der 19jährige Kilian auf, der mit seinem Schiff am geheimnisvollen „toten Fluss“ ankert. Amelie und Sabrina fühlen sich beide sofort von ihm angezogen – doch nur Amelie schleicht sich nachts davon. Am nächsten Morgen wird ihre Leiche gefunden und Sabrina muss sich entscheiden, was und vor allem wem sie glauben soll…


Auf Lilienblut bin ich zufällig gestoßen und schon alleine das schöne Cover hat mein Interesse geweckt. Hinzu kam noch der Klappentext, bei dem ich unsicher war, ob ich hier wieder ein Hörbuch mit übersinnlichem Einschlag in Händen halte oder ob es sich tatsächlich um einen richtigen Thriller handelt. Irgendwie war ich mir aber vom ersten Sehen an sicher, dass Lilienblut meinen Geschmack treffen würde. Ich bin nicht enttäuscht worden. Zunächst muss man sagen, dass es sich hier um einen Jugend-Thriller handelt, die Hauptcharaktere sind  Teenager. Da ich seit eh und je eher für Jugend-Literatur zu begeistern bin, kam mir das sehr entgegen. Ich bin mir aber völlig sicher, dass hier auch erwachsene Thriller-Fans auf ihre Kosten kommen. Gefreut hat es mich auch, dass Lilienblut in Deutschland spielt. Ich habe oft den Eindruck, als ginge ein Großteil der Autoren davon aus, in Deutschland könne man keinen spannenden Roman spielen lassen.
Genauer gesagt spielt Lilienblut in Rheinland-Pfalz, hauptsächlich in den beiden Orten Leutesdorf und Neuwied, die es tatsächlich gibt. Auch so etwas gefällt mir immer sehr, wenn reale Orte als Schauplatz gewählt werden. Die Gegend dort, die Weinberge, der Rhein…ich kann nicht sagen, dass mich die Gegend sonderlich interessiert hätte, wenn ich dort mal hingekommen wäre. Doch Elisabeth Herrmann beschreibt die Gegend so detailreich und auf solch liebevolle Art, dass es ihr damit wirklich gelungen ist, mich zu verzaubern. Plötzlich war die Gegend doch interessant, aufregend und manchmal auch sehr düster.
Ebenso interessant hat Elisabeth Herrmann auch ihre Charaktere gestaltet, sie alle sind wunderbar ausgearbeitet und man wird sehr schnell mit ihnen warm. Im Mittelpunkt steht natürlich Sabrina, die sich nach dem Mord an ihrer Freundin daran macht, den Täter zu finden. Dabei hat sie mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen, denn Sabrina wird nicht als die Super- Detektivin dargestellt wie man das sonst aus Jugendromanen kennt, sondern sie ist ein ganz normales Mädchen, dem sich die Polizei immer wieder in den Weg stellt, auf die ihre Mutter aufpasst und ihr auch schon mal Hausarrest verordnet, wenn Sabrina etwas angestellt hat.
Bei ihren Nachforschungen kommt Sabrina einem gut gehüteten Geheimnis um den toten Fluss auf die Spur, über das die ganze Stadt schweigt, das aber der Schlüssel zu Amelies Tod sein könnte. Sabrina lässt nicht locker und begibt sich in zahlreiche Gefahren. Dabei weiß sie manches Mal nicht mehr, wem sie überhaupt noch trauen kann und als Hörer geht es einem ebenso. Das sorgt durchgängig für Spannung. Dazu kommt noch, dass man als Hörer gelegentlich Szenen nur mit Kilian zu hören bekommt und die lassen einen stets im Zweifel darüber ob er der Mörder ist oder nicht.
Natürlich darf eine Lovestory in solch einer Geschichte nicht fehlen. Verkitschte Szenen sucht man allerdings vergebens. Aber auch wenn sie auf diese Weise nur ganz, ganz selten im Vordergrund steht, so hatte ich doch das Gefühl, dass Liebe ein recht zentrales Thema ist, da sie einer der wesentlichen Antriebe für Sabrina ist, den Mord an Amelie aufzuklären.

Elisabeth Herrmann hat das Hörbuch selber eingelesen und so war Lilienblut meine erste Autorenlesung überhaupt. Bisher hatte ich über Autorenlesungen wenig Gutes gehört, aber Elisabeth Herrmann hat mich absolut positiv überrascht. Ich glaube, als Autorin hat man einen ganz speziellen Zugang zu seiner Erzählung, man weiß genau, wie man sich die Charaktere vom Wesen her vorstellt und wie die beschreibenden Passagen gelesen werden sollten um die gewünschte Wirkung beim Hörer zu erzielen. Jedenfalls hat mir Elisabeth Herrmann diesen Eindruck vermittelt. Gerade in den beschreibenden und erzählenden Passagen liefert sie eine ganz starke Leistung ab und sorgt beim Hörer vom ersten Moment an für Spannung und eben auch für diesen „Zauber“ von Lilienblut. In Dialogen verrutscht ab und zu die Betonung , ansonsten gibt es aber auch hier nichts zu bemängeln. Soweit ich weiß, ist es ihre erste Lesung und dafür macht sie ihre Sache wirklich sehr gut.

Die weiße Lilie, die Totenblume, vor dem düsteren Hintergrund, der mit etwas Phantasie gut als Bordwand eines Lastkahns durchgehen kann, der Blutstropfen und die blutrote Schrift bilden ein Cover, das zwar schlicht, aber wirkungsvoll ist. Dem Hörbuch liegt ein zweiseitiges Booklet bei. Darin finden sich ein weiterer Ausblick auf die Geschichte, einige Informationen zur Autorin und -was ich ganz besonders toll finde- ein Landkartenausschnitt der Gegend, in der Lilienblut spielt.

Fazit:   Lilienblut ist ein absolut gelungener, bis ins Detail durchdachter Thriller mit einer einzigartigen und sagenhaft dichten Atmosphäre. Hochspannend und zauberhaft gleichzeitig. Wie gesagt: nicht nur für Jugendliche!

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