Die Werwölfe (Christoph Hardebusch / Simon Jäger)

Titel:   Die Werwölfe / Verlag:   D.A.V / Laufzeit:   ca. 471  min / 6 CDs / Buch:   Christoph Hardebusch / gelesen von:   Simon Jäger

Inhalt:   Europa, Anfang des 19. Jahrhunderts: dunkle Wesen streifen durch die Wälder und versetzen die Menschen in Angst und Schrecken. Zur gleichen Zeit befindet sich der junge Adlige Niccolo Viviani auf Reise. Nahe Genf trifft er auf einen mysteriösen Dichterkreis. Gibt es eine Verbindung zwischen diesem Geheimbund und den finsteren Geschöpfen, die Werwölfe zu sein scheinen? Der junge Niccolo schwebt in tödlicher Gefahr.


Ich bekanntermaßen kein Fan von historischen Geschichten, aber als mir Die Werwölfe zum ersten Mal in die Hände geriet, war ich sofort neugierig. Für mich gliedert sich die Geschichte grob in vier Teile.
Anfangs lernt man Niccolo kennen, seinen Charakter und seine Familie und Bekanntenkreis. Die Personen werden einem schnell vertraut und sympathisch und der Schauplatz in der Toskana und in Niccolos Haus wird anschaulich und detailreich beschrieben, so dass man sich alles gut vorstellen und sofort in die altertümliche Atmosphäre dieser Geschichte eintauchen kann. Die Bedrohung in den Wäldern ist hier noch kaum ein Thema, aber es wird angedeutet und lauert quasi am Rand der Geschichte. Man weiß, da ist etwas, aber noch ist es so weit weg, dass man es nicht als Bedrohung empfindet. Niccolos Vater will seinen Sohn zum Militär schicken, allerdings nicht als unbedarften Adelsbengel. Deshalb schickt er ihn auf eine Reise durch Europa, auf der Niccolo erwachsener, weltmännischer werden soll. Niccolo ist begeistert, nicht von der Aussicht aufs Militär, aber von der Reise. Und noch mehr freut er sich, dass Valentine, für die er heimlich schwärmt, ihn bis in ihre Heimat, die Schweiz, begleiten wird.
Dort wird auch er Station machen und dort nimmt dann auch der zweite Teil der Geschichte ihren Anfang, denn hier lernt Niccolo Lord Byron kennen, der in der Gegend lebt. Schnell gerät Niccolo in den Bann des Dichters und seiner exotischen Freunde, mit denen er nicht nur interessante Abende verbringt, sondern die auch ein dunkles Geheimnis hüten, dem Niccolo auf die Spur kommt. Mir hat es sehr gut gefallen, dass Christoph Hardebusch diese berühmten und realen Personen in die Geschichte eingebunden hat: Lord Byron, seinen Leibarzt Dr. Polidory und seinen Freund Percy Shelley, den Ehemann von Mary Shelley. Das macht die Story authentisch und da man mit diesen Namen automatisch Grusel- bzw Schauergeschichten verbindet, sorgt es für die passende Stimmung.
Nach einer unheilvollen Nacht, muss Niccolo fliehen und nimmt seine Reise wieder auf. Er ist nun besessen davon, mehr über die Werwölfe herauszufinden und unternimmt zahlreiche Versuche, dem Rätsel auf die Spur zu kommen, Erklärungen zu finden. So führt ihn sein Weg u.a. zu den Brüdern von Humboldt, die bewandert in Natur- und Kulturwissenschaften sind, aber auch nach Frankreich zu Jean Baptiste, dem bekannten Ethnologen. Allerdings ist nicht mehr zu übersehen, dass man Jagd auf Niccolo macht. Die Kirche wütet seit Anfang her in ihrem Kampf gegen die Kreaturen der Nacht und da Niccolo mit ihnen zu tun hatte, gerät auch er ins Visier. Christoph Hardebusch schont seine Hörer wahrlich nicht, wenn er die blutigen Kämpfe schildert und deutlich macht, mit welcher Verbohrtheit und Brutalität die so genannten Kämpfer im Namen Gottes zu Werke gehen. Doch da sind auch noch andere, dunkle Kreaturen, denen Niccolo eines Nachts begegnet.
Im Kampf offenbart sich ihm eine erschreckende Erkenntnis über sich selbst und fortan ist er erneut auf der Flucht. An Spannung mangelt es hier also wirklich nicht. Zahlreiche unerwartete Wendungen, interessante Charaktere und eine wunderbar düstere Atmosphäre sorgen dafür, dass man von der Geschichte nicht mehr loskommt.

Mit Simon Jäger hat man einen Sprecher gewählt, der die Herausforderung der Story scheinbar spielend meistert. Mit wenigen Sätzen zaubert er das Flair der Zeit des frühen 19. Jahrhunderts herauf und fängt später ebenso leicht die bedrohliche, düstere Atmosphäre ein. Den Charakteren verleiht er eindeutige Stimmen, die sofort etwas über das Wesen der Personen aussagen. Sei es der neugierige, wagemutige Niccolo, die sanfte, aber kluge Valentine, der hintergründige Ludovico, dem etwas Finsteres anhängt, die rebellische, magisch talentierte Esmeralda oder auch die hasserfüllte Gianna. Und insbesondere Lord Byron und seinen Freundeskreis lässt er so wunderbar geheimnisvoll und schillernd klingen, dass man ebenso fasziniert von ihnen ist wie Niccolo. Ebenso kann er in den temporeichen und aggressiven Kampfszenen überzeugen, da sitzt man quasi atemlos vor den Lautsprechern und wenn er die Verwandlung in einen Wolf schildert, bekommt man eine Gänsehaut. Ganz gleich, welche Personen, Ereignisse oder Stimmungen Die Werwölfe aufbietet, Simon Jäger liest so anschaulich und dynamisch, dass man es wie einen Film vor den Augen ablaufen sieht.

Das Covermotiv wurde von der Buchvorlage übernommen und passt einwandfrei zur Geschichte. Schön düster, mit dem Schattenriss der Wolfes im Vordergrund, der Stadt mit den Bergen dahinter und dem Vollmond am Himmel. Einerseits recht schlicht, andererseits aber auch sehr detailverliebt. Im Inneren des Cases findet man ein weiteres sehr schöne Bild einer Berglandschaft und außerdem einen kurzen Text über Christoph Hardebusch.

Fazit:   Hier sind Werwölfe mal keine zahmen Schoßhündchen, denen die Damenwelt zu Füßen liegt. Sehr erfrischend zum aktuelle Trend. Mir hat Die Werwölfe sehr gefallen. Eine spannende und abwechslungsreiche Geschichte, ausstaffiert mit illustren historischen Personen und Ereignissen, die einen nicht mehr loslässt.

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