Vanessa, die Freundin der Geister (01) – Die Burg der grünen Ungeheuer

Titel: Vanessa, die Freundin der Geister (01) – Die Burg der grünen Ungeheuer / VerlagTonstudio Braun / Laufzeit: ca. 55 min . / Sprecher:   Nina Danzeisen, Helmut Winkelmann, Erwin Scherschel u.A

Inhalt:  Patty ist verschwunden. Vanessa macht sich auf die Suche nach ihr. Die Spur führt in ein halb verfallenes Schloß. Sind es die Menschen oder Geister von Verstorbenen, die ihre Freundin gefangen halten? Plötzlich merkt Vanessa, dass auch sie in höchster Lebensgefahr schwebt. In ihrer Not ruft sie ihren Geisterfreund Harold zu Hilfe, aber da überstürzen sich die Ereignisse schon…


Von 1982 bis 1990 erschienen im Bastei-Verlag die Comics von Vanessa, die Freundin der Geister.
12 Comics wurden dann vom Tonstudio Braun ausgewählt und als Hörspiel umgesetzt. Man könnte fast meinen, man sei dort der Meinung gewesen, man müsse neben der „Jungs“-Serie John Sinclair auch eine Reihe solcher Art für Mädchen rausbringen. Und scheinbar war man weiterhin der Ansicht, für Mädchen sei die teilweise doch sehr harte Gangart Sinclairs nicht geeignet, denn Vanessa lässt es deutlich ruhiger angehen.
Die Geschichte hat den wunderbaren Stil und Charme alter, romantischer Gruselgeschichten. Große Schreckmomente, Blutvergießen, das sucht man hier vergebens, es wird mehr auf die unheimliche Atmosphäre gesetzt, die oft geradezu märchenhaft wirkt.
Zu Beginn der Folge hört man eine Art Intro, in dem Vanessa selber von sich und ihrer Familie erzählt, von ihren Hausangestellten, dem Schloss, in dem sie alle wohnen, und auch von ihrer Begabung, Geister sehen und mit ihnen sprechen zu können.
Die anschließende Geschichte hat ihre unheimlichen Stellen, ist spannend und zu meiner Freude auch nicht vohersehbar. Diese Befürchtung hatte ich nämlich, als ich von dieser „Mädchen“-Gruselserie erfuhr. Wenn man offenbar beim TSB auch davon ausging, dass Mädchen zart besaitet sind, so hielt man sie wenigstens nicht für dumm.
Vanessa selber ist sehr sympathisch, clever und mutig und es macht Spaß, ihre Abenteuer mitzuerleben. Auch das werte ich als großen Pluspunkt, dass die Titelheldin keine ängstliche Bangebüx ist, die beim kleinsten Geräusch in der Nacht schreiend davon rennt.

Leider lassen sich kaum Angaben über die Sprecher des Hörspiels finden, im Cover gibt es dazu keinerlei Angaben. Einige Namen konnte ich aber in Erfahrung bringen. Da sie aber von Leuten stammen, die bei der Produktion auch nicht gerade daneben gesessen haben, sind die folgenden Angaben ohne Gewähr.
In der Rolle der Vanessa ist Nina Danzeisen zu hören. Viel habe ich über sie nicht erfahren, was ich etwas verwunderlich finde, denn sie macht ihre Sache sehr gut und spricht die Vanessa wirklich klasse, lässt sie tapfer und couragiert auf den Hörer wirken. Gleichzeitig klingt sie aber auch wie ein normaler, fröhlicher Teenager, der Vanessa ja schließlich auch ist.
Als Butler Brady ist Erwin Scherschel zu hören, leider haben er und die Haushälterin Mrs. Hagglon in dieser Folge nur am Anfang einen kurzen Auftritt. Während Erwin Scherschel bei John Sinclair meist die „bösen“ Rollen spricht, so übernimmt er in Vanessa die Rolle des etwas trotteligen, aber netten Butlers, der unter Mrs. Hagglons Fuchtel steht.
Helmut Winkelmann führt als Erzähler durch das Hörspiel. Er hat vergleichsweise wenig zu tun, aber seine Stimme passt einwandfrei zum spukigen, altertümlichen Charme der Geschichte.
Auch alle anderen Sprecher liefern eine sehr ordentliche Leistung ab, da gibt es nichts zum Meckern. Niemand leistet sich auch nur den kleinsten Aussetzer.

Was die Musik angeht, setzt man in diesem Hörspiel meist auf eher ruhige Klänge, aber an spannenden Stellen kann es auch schon mal etwas lauter zugehen. Hier bekommt man Klänge von einer Orgel, einem Spinnett (?) und Blasinstrumenten zu hören, die sich harmonisch in die altmodische Szenerie und Atmosphäre einfügen.  Sehr schön gemacht.
Geister, wie zum Beispiel Vanessas Freund Harold, sprechen mit einem hallenden Klang und sind so leicht von den übrigen Charakteren zu unterscheiden.

Das Cover wurde von der Comicvorlage übernommen und hat mit dem Hörspiel an sich rein gar nichts zu tun. Im Hörspiel geht Vanessa weder Pilze sammeln, noch wird sie von einem Wolf oder Bären angegriffen oder verfolgt und auch die Burg im Hintergrund kommt nicht vor, stattdessen spielt die Handlung in einem Schloss.
Selbst der Titel ist eigentlich völliger Unsinn, denn grüne Ungeheuer kommen gar nicht vor. Es gibt zwar grün leuchtende Geschöpfe in der Geschichte, aber die sind meilenweit davon entfernt, Ungeheuer zu sein.
Dennoch mag ich das Cover sehr. Die düsteren, intensiven Farben passen gut zu einem unheimlichen Hörspiel und auch der gemalte Stil weiß zu gefallen, erinnert er doch an alte Ölbilder.

Fazit:   Die Burg der grünen Ungeheuer ist ein märchenhaftes schönes und spannendes Hörspiel ganz im Stil antiker Gruselgeschichten. Und ganz sicher ist es nicht nur etwas für Mädchen. Wer sich auf die zauberhafte Atmosphäre einlassen kann, der wird seine Freude an dem Hörspiel haben.

1 Comment

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  1. Wunderschön gestaltetes Hörspiel, eine sehr märchenhafte und leichte Unterhaltung für alle, die in dieses Reich der Menschen und der Geister hereinhören wollen 🙂

    Eine zeitlose Perle…

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