Plan B

Titel:   Plan B / Verlag:   Lauscher Lounge / Laufzeit:   ca. 65 min / Sprecher:   Hans-Werner Bussinger, Simon Jäger, Gerrit Schmidt-Foß, Udo Schenk, Katja Brügger, Luise Helm

Inhalt:  „Ich hab’s tatsächlich geschafft – den perfekten Mord!“

Finn Jorgensen, ein junger Student, plant den perfekten Mord. Dafür hat er alles bis ins kleinste Detail vorbereitet. Und zum Beweis seiner Perfektion will er seine Tat auf Video dokumentieren. Doch dann trifft sein Opfer ein und alles läuft plötzlich völlig anders als geplant.


Mit Plan B kommt man als Hörspiel-Fan nun in den Genuss eines weiteren Thriller-Hörspiels aus der Feder von Ivar Leon Menger. Nach Der Prinzessin und dem Darkside Park bürgt dieser Name mittlerweile für spannende und oft auch düstere Geschichten.
Plan B präsentiert sich im Stil eines Kammerspiels, will heißen mit wenigen -fünfen an der Zahl plus Erzähler- Charakteren und lediglich einem, eigentlich sehr unspektakulären Handlungsort.
Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen, denn der Geschichte gelingt es von ersten Moment an, einen zu fesseln. Schon in den ersten Minuten ist unterschwellig die Anspannung der Charaktere zu spüren und man ahnt hier bereits, dass da noch etwas ganz Schreckliches auf die kleine Gruppe wartet.
Eine sehr spannende Handlung, die mit einer Reihe absolut unerwarteter Wendungen aufwartet, zwar grundverschiedene, aber allesamt recht undurchschaubare Charaktere, deren Handlungen und Reaktionen sich nie voraussagen lassen, eine Prise schwarzen Humors und schließlich ein absolut überraschendes Ende, das alles macht Plan B zu einem reinen Hörvergnügen.
Wie es dem Booklet zu entnehmen ist, lag das Manuskript zu Plan B zehn Jahre in Mengers Schreibtisch ehe es als Hörspiel zu neuen Ehren kam. In dieser Zeit hat sich in Sachen Technik schon eine Menge getan und so hat man das Ende ein wenig „aufgepeppt“. Mir hat gerade das ganz besonders gefallen, dass man heute nach dem Hören zu einer bestimmten Internetseite gehen und dort nach Finns perfektem Mord suchen kann. Der Bogen aus der Geschichte heraus und in die Realität hinein ist hier gekonnt geschlagen worden, und das ganz ohne aufdringlich oder bemüht zu wirken.

Wie bereits erwähnt, sind hier nur wenige Sprecher am Werke. Als Erzähler führt Hans-Werner Bussinger durch die Geschichte, der leider noch vor der VÖ von Plan B verstarb. Mit seiner ruhigen, weichen Stimme versteht er es wunderbar die Spannung der Geschichte und die allgegenwärtige Gefahr einzufangen und an den Hörer „weiterzureichen“.
Als Student Finn Jorgensen ist Simon Jäger zu hören, ein Sprecher also, der bereits reichlich Erfahrung auf dem Thriller-Sektor hat, und das hört man hier deutlich. Mal spricht er Finn ruhig und abgeklärt, dann wieder bedrohlich unstet und gefährlich. Der Wechsel dazwischen gelingt ihm binnen Sekunden.
Seinen Gegenspieler, seinen Stiefvater und Innenminister, spricht Udo Schenk, ein Garant für herrlich böse Charaktere. Auch hier schafft er es, dass man bei jedem seiner Sätze angespannt da sitzt und wartet, welche Gemeinheit er nun wieder auf Lager hat.
Finns Kumpel „Mad“ wird von Gerrit Schmidt-Foß gesprochen und für mich ist er der heimliche Star der Geschichte. Gerrit Schmidt-Foß haucht Mad, der stets zwischen nervöser Ruhe und Hysterie schwankt, sehr glaubhaft Leben ein.
Abgerundet wird die Besetzung durch Luise Helm in der Rolle der Maja Breuer und Katja Brügger alias Maria Jorgensen, Finns Mutter und Arnolds Ehefrau. Auch die Damen können hier überzeugen.

Die musikalische Untermalung fällt mager, aber sehr eindrucksvoll aus. Hier sind nur wenige Gitarrenklänge zu hören, die aber sehr gut zu der spannenden Geschichte mit der bedrohlichen Atmosphäre passen. Genau wie bei der Geschichte hat man auch bei der Musik stets das Gefühl, dass der große „Knall“ noch folgen wird und so harmoniert beides prima miteinander.
Geräusche gibt es wenige zu hören, was aber kein Wunder ist bei einer Geschichte, die sich in wenigen Räumen abspielt. Die nötigen „Allerweltsgeräusche“ sind aber selbstverständlich vorhanden und wirken sehr authentisch.
Als Abschlusssong ist der Titel Tree von Tobias Hundt zu hören, der nach der Geschichte unerwartet frisch und leicht daher kommt und einem im Ohr bleibt.

Die CD steckt in einem schicken Digipack. Im Inneren findet man noch ein mehrseitiges und sehr informatives Booklet. Somit ist das Hörspiel auch in Sachen Optik und Ausstattung rundum gelungen.

Fazit
:   Und es geht doch! Plan B ist eines dieser kleinen Wunder, die beweisen, dass spannende Geschichten kein wildes Gemetzel und Blutspritzen brauchen um zu funktionieren. Auf psychologischer Ebene -so könnte man das hier schon beinahe nennen- lässt sich mindestens ebenso viel Spannung aufbauen, die obendrein nachhaltiger wirkt als mancher Splatter. Thriller-Fans sollten hier unbedingt zugreifen, sie werden sicher nicht enttäuscht werden!

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