Die Wellenläufer – Trilogie (Die Wellenläufer / Die Muschelmagier / Die Wasserweber)

Titel:   Die Wellenläufer – Trilogie (Die Wellenläufer / Die Muschelmagier / Die Wasserweber) / Verlag:   Lübbe Audio / Laufzeit:   ca. 425 min. / 6 CDs / Sprecher:   David Turba, Anne Helm, Simon Jäger, Stefan Kaminski, Udo Schenk, Klaus Dieter Klebsch, Michael Mendl ua.

Inhalt: Die Karibik am Anfang des 18. Jahrhunderts: Ein magisches Beben erschüttert die Küsten. Und in finsteren Piratenhäfen werden Kinder geboren, die über Wasser gehen können. Jahre später glaubt Jolly, dass außer ihr keine anderen Wellenläufer mehr am Leben sind. Bis sie Munk begegnet. Auch er versinkt nicht im Wasser – und kann aus Muscheln einen uralten Zauber beschwören. Ein rätselhafter Fremder schickt die beiden auf eine fantastische Reise. Gejagt von Klabautern, Ungeheuern und Seeräubern stellen sie sich einer tückischen Gefahr: dem Mahlstrom, einem dunklen Strudel, der die Barriere zwischen den Welten niederreißt.


Kai Meyers Wellenläufer-Trilogie nahm als Buch bereits 2003 ihren Anfang, doch nun liegt sie erstmals als Hörspiel vor.
Und auch wenn die Geschichte schon 5 – 6 Jahre „auf dem Buckel“ hat, so habe ich die Geschichte (ich kannte die Bücher nicht) als erfrischend anders  empfunden.
Denn Fantasy abseits von Mittelerde, Hogwarts bzw deren Fahrwasser, findet man heute leider nur noch selten. Da ist alleine die Kombination aus Fantasy und einem Piratenabenteuer schon etwas ganz Außergewöhnliches. Und wenn diese Kombination obendrein noch ausgeschmückt wird mit einer überaus eindrucksvollen Szenerie, die man beim Hören sofort klar vor sich sieht, mit außergewöhnlichen Ungeheuern, wie man sie noch in keiner anderen Geschichte angetroffen hat und einer Schar schillernder Charaktere, ganz gleich ob gut oder böse, dann hat man schon mal das „Gerüst“ dieses Hörspiels.
Die Geschichte an sich lässt zwar phantasievoll, aber doch recht unspektakulär  an, doch sie wird nach und nach immer interessanter, vielschichtiger und komplexer. Ich hatte mir gedacht, ein Hörspiel auf sechs CDs, das wird in höchstens zwei Tagen zu schaffen sein…ich habe vier Tage dafür gebraucht und werde es mir sicher noch mehrmals anhören, da ich mir sicher bin, dass ich trotzdem noch so Manches überhört habe. Was man hier geboten bekommt, das kann man nicht nebenbei „verkonsumieren“ und das sollte man auch nicht, das wäre schlichtweg respektlos dieser Produktion gegenüber.
Allerdings habe ich an mir selber festgestellt, dass das sowieso so gut wie unmöglich ist. Denn auch wenn mir schnell klar war, dass es Sinn macht, die Wellenläufer-Trilogie mit Pausen zu hören, so hatte ich trotzdem keine Lust dazu. Die Geschichte nimmt einen innerhalb von Minuten schnell gefangen, die Kulisse schlägt einen so schnell in Bann und man schließt die Hauptcharaktere so sehr ins Herz und fiebert mit ihnen mit, freut sich und trauert mit ihnen, dass man eigentlich alle sechs CDs hintereinander weg hören möchte.
Ich habe gelesen, dass Kai Meyers Der Klabauterkrieg wohl so eine Art „Vorläufer“ der Wellenläufer – Trilogie ist, in der man -hört oder liest man sie zuvor- schon mal einige Charaktere antrifft und etwas über ihr Leben erfährt. Da ich den Klabauterkrieg nicht kenne und trotzdem keinerlei Probleme hatte, die Geschichte zu verstehen oder mich an die Charaktere zu gewöhnen, kann ich sagen, dass man diesen Vorläufer nicht zwingend kennen muss. Die Wellenläufer-Trilogie funktioniert auch als eigenständige Geschichte einwandfrei.

Wo soll man bei dieser Sprecherriege anfangen? Im Grunde würde es reichen, lediglich die Namen aufzuzählen und jeder, der nur einen Hauch von Hörspielen und ihren Sprechern hat, würde mit dem Satz „Da KANN gar nichts schief gehen!“ abwinken und sich genüsslich zum Hören zurücklehnen.
In den Hauptrollen hört man Anne Helm (Jolly) und David Turba (Munk). Anne Helm hat mir hier ganz besonders gefallen. Sie spricht Jolly so rau, rotzig und doch liebenswert, dass man ihr das verwegene Piratenmädchen mit dem eigentlich guten Herzen sofort abnimmt.
David Turba bringt sehr gut die Veränderung des Charakters Munk rüber. Anfangs der abenteuerlustige, aber arglose Junge, bis hin zu Munk, der kämpferische, ruhmverliebte Wasserläufer, bei dem man sich am Ende gar fragt, ob man ihm noch trauen kann.
Zu den Hauptcharakteren würde ich auch noch Griffin zählen, gesprochen von Simon Jäger. Griffin ist zwar nicht von Anfang an dabei, später aber von großer Bedeutung für die Geschichte. Er ist ein nicht allzu begabter Dieb, aber wenigstens mutig, hat eine sehr große Klappe, über die ich manches Mal gelacht habe, und außerdem eine Schwäche für Jolly. All diese Eigenschaften bringt Simon Jäger wunderbar rüber.
Gelacht habe ich auch über den hexametrischen Holzwurm, gesprochen von Stefan Kaminski, der hier wirklich alle Register seines Könnens zieht. Es ist zum Schreien komisch, wenn er seine Gedichte zum Besten gibt oder über seinen gewaltigen Hunger lamentiert.
Weitere Rollen übernehmen u.a: Ingo Albrecht, Jürgen und Tobias Kluckert, Michael Mendl, Klaus Dieter Klebsch, Udo Schenk, Lutz Riedel und Yara Blümel-Meyers.

Für die Musik hat man ein ganzes Orchester verpflichtet, das lässt schon ahnen, welch beeindruckender Soundtrack einen bei diesem Hörspiel erwartet. Violine, Flöte, Trompete, Dudelsack, so etwas ist mir in Sachen Hörspiel noch nicht zu Ohren gekommen. Das ist nicht mehr weit weg von einem Film-Soundtrack: imposant, unglaublich dicht und immer so exakt auf die Szenen abgestimmt, dass man sich das Geschehen sofort vorstellen kann und auch gefühlsmäßig mittendrin ist.

Die sechs CDs stecken in einem sehr schönen, aufklappbaren Cover. Unter den CD-Fächern findet man Cover und Titel weiterer Kai Meyer – Hörbücher, hinter den CDs gibt es dann Texte mit näheren Informationen zu den Geschichten. Außerdem bringt die Trilogie noch ein mehrseitiges Booklet mit. Es enthält neben einem Glossar der wichtigsten Personen eine Art „Vorwort“ zur Geschichte von Kai Meyer.

Fazit:   Grandios! Unbedingt anhören! – Ich hätte noch seitenweise weiter darüber schreiben können, so gut hat es mir gefallen.

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