Im Jenseits ist die Hölle los (Arto Paasilinna / Jürgen von der Lippe)

Titel:   Im Jenseits ist die Hölle los / Verlag:   Lübbe Audio / Laufzeit:   ca. 294 min. / 4 CDs / Buch:   Arto Paasilinna / gelesen von:   Jürgen von der Lippe

Inhalt: „Man Tod kam für mich völlig überraschend.“ So kann es gehen, wenn „Mann“ beim Überqueren einer Straße allzu intensiv einer jungen Frau hinterher schaut und von einem Auto erfasst wird. Doch überraschender ist für den soeben verstorbenen Journalisten, dass er fortan als Geist über den Dingen schweben und andere Tote treffen kann. Doch Vorsicht: kein Geist lebt ewig und Dummheiten bleiben nie ohne Folgen…


Der Name des Autoren sagte mir bei diesem Hörbuch gar nichts, aber Titel und Klappentext sprachen mich sofort an. Als Bonus noch Jürgen von der Lippe als Sprecher obendrauf und schon war ich mir ziemlich sicher, dass ich hier nichts falsch machen kann.
Ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte ist herrlich schräg und ich habe wirklich manches Mal laut lachen müssen. Denn im Jenseits ist tatsächlich die Hölle los. Da gibt es Lese- und Diskussionsrunden mit berühmten toten Dichtern, aber auch wilde Saufgelage, da sind Päpste anzutreffen, die zwar einiges über die Vergangenheit der Kirche zu berichten wissen, aber auch unbedingt mal eine finnische Damensauna besichtigen möchte.
Dann trifft jeder Geist unweigerlich eines Tages auf einen Menschen, der ebenfalls bald sterben wird, freiwillig oder auch nicht. Unser frisch Verstorbener bekommt so einen Selbstmörder „an die Hand“, der ins Jenseits eingeführt werden muss. Nur sind einige just Verstorbene plötzlich gar nicht mehr so zufrieden mit der neuen Situation.
Sehr amüsant fand ich auch die persönlichen Erfahrungen des frisch verstorbenen Journalisten, dem es doch zu denken gibt, dass seine frisch gebackene Witwe so gar keine echte Trauer aufbringt und sich schon nach -in seinen Augen- unangemessen kurzer Zeit neu orientiert. Dann spürt er einiges Tages ein Kribbeln im ganzen Körper und muss sich erklären lassen, das sei das Anzeichen dafür, dass sein begrabener Körper nun zu verfaulen beginne. Sehr erbaulich ist auch die Erkenntnis, dass die Geister dummer Menschen sich recht schnell verflüchtigen, während die etwas gebildeteren Zeitgenossen deutlich länger durchhalten.
Hier und da schlägt das Buch auch ernste Töne an und auch das passt, aber schon bald danach wird es wieder unterhaltsam. Das darf man der Geschichte nicht übel nehmen, wer ernste Abhandlungen z.B. über das Christentum, Stalin oder die Steinzeit hören bzw lesen möchte, der muss sich an Sachbücher halten. Ein solches ist Im Jenseits ist die Hölle los sicher nicht und will es auch gar nicht sein.

Ich glaube, man hätte keinen besseren Sprecher als Jürgen von der Lippe für dieses Hörbuch finden können. In jedem seiner Worte hört man das Augenzwinkern der Geschichte heraus und so gelangt der feinsinnige Humor direkt an den Hörer. Er verleiht den Charakteren Akzente und Dialekte, die einem sofort ein Bild der Personen vor Augen ruft. Wobei er dabei schon sehr kreativ ist, denn die Person, die da so unverfälschtes Kölsch spricht, dürfte das zu Lebzeiten wohl eher nicht getan haben.
Ich kenne das Buch nicht und kann so nicht sagen, ob ich es ebenso lustig gefunden hätte. Doch das, was Jürgen von der Lippe daraus macht, das ist eben einfach zum Totlachen, ohne dass es je in platten Schenkelklopfer-Humor ausartet.  Und das dürfte wohl schon alles über seine Sprecherleistung aussagen.

Keine Geräusche, keine Musik, von einer Titelmelodie mal abgesehen. Mir hat aber nichts gefehlt. Die knappen fünf Stunden waren auch so im Nullkommanichts herum, alleine aufgrund der Geschichte und Jürgen von der Lippes Darbietung.

Das Hörbuch kommt in einem schönen Digipack daher. Im Inneren gibt es einige Informationen zu Arto Paasilinna und Jürgen von der Lippe. Außerdem Hinweise auf weitere Hörbücher von Lübbe.
Das Cover gefällt mir ebenfalls, nichts Großartiges mit der Szene aus der skandinavischen Landschaft, aber dafür mit zwei sehr lustigen Teufelchen.

Fazit:  Knappe fünf Stunden Unterhaltung vom Feinsten. Die Geschichte ist wunderbar schräg, die Charaktere oftmals sehr skurril und dargeboten bekommt man alles von dem hier wirklich genialen Jürgen von der Lippe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: