Was geschah in Echo Falls? (Peter Abrahams / Friedhelm Ptok)

Titel:   Was geschah in Echo Falls? / Verlag:   Igel Records / Laufzeit:   ca. 360 min. / 5 CDs / Buch:   Peter Abrahams / gelesen von:   Friedhelm Ptok

Inhalt:   Eigentlich hat die dreizehnjährige Ingríd schon genug um die Ohren mit dem Fußballtraining, der heißersehnten Hauptrolle in dem Theaterstück „Alice im Wunderland“, den in letzter Zeit ziemlich seltsamen Eltern und dem exzentrischen Großvater.
Doch dann geschieht ein Mord  in der sonst so beschaulichen Kleinstadt und wie es aussieht, ist Ingrid die letzte, die das Opfer lebend gesehen hat. Außer dem Mörder. Immer mehr Rätsel tun sich auf und die Polizei scheint im Dunklen zu tappen.
Ingrid sieht nur noch eine Möglichkeit: mit Hilfe ihres Idols Sherlock Holmes muss sie sich selbst auf die gefährliche Suche begeben und den Mordfall auf eigene Faust aufklären.


Ein Krimi aus Echo Falls, so wird die Reihe von Peter Abrahams untertitelt, die mittlerweile bereits auf den dritten Band zusteuert. Was geschah in Echo Falls ist der erste Teil und wer nach Lektüre des Klappentextes einen Kinderkrimi der sattsam bekannten, harmlosen Art erwartet, der wird sich schnell umgucken.
Denn dieser Kinder- bzw Jugendkrimi ist in jeder Hinsicht etwas ganz Spezielles.
Zunächst ist da der Fall an sich. Kein Diebstahl, keine Prügelei, nein, die dreizehnjährige Ingrid bekommt es gleich mit einem handfesten und heimtückischen Mord zu tun, was für dieses Genre ja doch eher ungewöhnlich ist.
Der Fall selber ist ausgesprochen spannend, bietet mehrere unerwartet Wendungen, die dem Hörer jeden voreilig ausgesprochenen Verdacht wieder zunichte machen und einer Vielzahl Szenen, bei denen man unwillkürlich beginnt an den Fingernägeln zu knabbern. Hinzu kommen noch eine beachtliche Anzahl Personen, die sich irgendwie seltsam oder verdächtig benehmen und schon hat man alles zusammen, was einen „echten“ Krimi ausmacht.
Die Charaktere sind ein weiterer besonderer Aspekt der Geschichte, denn auch wenn sie alle eigentlich normale Menschen sind, so haben doch alle ihren ganz speziellen und oft sonderbaren Eigenheiten. Da macht selbst Ingrid keine Ausnahme und doch…es dauert gar nicht lange, da sind einem sie und die meisten der übrigen Bewohner von Echo Falls schon richtig ans Herz gewachsen.
Was mir besonders gefallen hat ist, dass Ingrid trotz des Mordfalles, in den sie geraten ist und in dem sie auf eigene Faust ermittelt, immer genau das bleibt, was sie ist: eine zwar mutiges und cleveres Kind, aber eben ein Kind.
Sie ermittelt zwar fleißig und findet auch eine Menge heraus, doch sie behält es für sich, weil sie fürchtet, die Erwachsenen würden ihr nicht glauben oder sie gar für ihre Neugier bestrafen.
Das läuft nicht nach dem Motto: Mama, Papa, ich weiß was…und sofort glauben Mama und Papa jedes Wort, gehen mit Töchterlein zur Polizei, wo Töchterleins Kenntnisse hocherfreut aufgenommen werden und helfen, den Fall augenblicklich aufzulösen.
Nein, so einfach sind Echo Falls – Krimis wirklich nicht gestrickt.

Gelesen wird Was geschah in Echo Falls von Friedhelm Ptok und ich war zunächst skeptisch und dachte, eine Frau würde viel besser zur Geschichte passen, deren Protagonisten schließlich ein Mädchen ist. Doch da habe ich mich getäuscht, denn Friedhelm Ptok trifft genau den richtigen Ton für diesen Krimi und auch für Ingrid und die übrigen Bewohner von Echo Falls. Und da hat er es bei den skurrilen Charakteren wahrlich nicht einfach. Spannende Szenen liest er ebenso überzeugend wie die Dialoge, die ebenfalls sehr ungewöhnlich sind. Die Leute auch Echo Falls scheinen nicht sehr redefreudig zu sein und so bestehen die Unterhaltungen oft nur aus wenigen und recht kurzen Sätzen. Da die richtige Betonung zu treffen, stelle ich mir schon schwierig vor.
Ebenso schwierig wie den Humor der Geschichte in jedem Satz mitschwingen zu lassen, denn auch der zeichnet die Echo Falls Krimis aus. Er kommt meist hintergründig daher, ist oft ausgesprochen schwarz und lässt einen an vielen Stellen spontan laut auflachen.

An Musik gibt es ein paar lustige, lockere Melodien, die beispielsweise Schauplatzwechsel markieren, aber auch Stücke im Stil von Sherlock Holmes.  Außerdem sind einige wenige, aber gut gemacht Effekte eingestreut, zum Beispiel klingt Ptoks Stimme gedämpfter, wenn er ein Telefongespräch liest, eben so, wie Telefonstimmen klingen.

Das Cover ist recht schlicht gehalten, aber schon alleine durch den leuchtend roten Theatervorhang fällt er einem leicht ins Auge. Rot ist Ingrid Lieblingsfarbe und das Theater ihre Leidenschaft, so ist der Bezug zur Geschichte gewährt. Doch auch Katzen, die Herz-Königin und eine Tasse spielen eine Rolle. Und der Schatten sorgt dafür, dass man weiß, über allem liegt eine unbekannte Bedrohung.

Fazit:   Ein sehr spannender Krimi keineswegs nur für Kinder oder Teenies, hier sollten auch erwachsene Krimi-Fans ein Ohr riskieren. Aufgrund der ungewöhnlichen Eigenarten der Charaktere und der Geschichte an sich, hat die Echo Falls – Reihe Suchtpotenzial.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: