Benjamin Blümchen (41) – …als Pirat

Titel: Benjamin Blümchen (41) – …als Pirat  / VerlagKiddinx / Laufzeit: ca. 40 min   / Sprecher:   Edgar Ott, Katja Primel, Engelbert von Nordhausen, Hermann Ebeling, Gisela Fritsch u.A:

Inhalt:  Benjamin Blümchen und sein Freund Otto sind nicht mehr anzusprechen. Seit Tagen lesen sie Piratenbücher und träumen davon, selbst über die Meere zu segeln und Kisten mit Gold und Edelsteinen zu erbeuten.
„Pirat müsste man sein“, seufzt Benjamin.
„Aber das geht doch nicht“, meint Otto.
Doch plötzlich hat Benjamin eine Idee und ist nicht mehr zu bremsen.


Eine Schwäche für altertümliche und ausgefallene „Berufe“ hatten Benjamin und Otto ja schon immer. Sei es dass sie als in Erbsendosen gewandete Ritter durch die Lande ziehen, als pferdelose Sheriffs die Prärie bewachen oder eben als Piraten die Nordsee unsicher machen.
Was mich bei dieser Folge immer wieder wundert ist, dass Piraten hier quasi als die Robin Hoods der Weltmeere dargestellt werden. Sie rauben um es dann den Bedürftigen zu geben.
Aha. Also die Piraten, die mir so bekannt sind, die haben stets fleißig in die eigene Tasche „gewirtschaftet“, waren überaus trinkfest und sind nach ihrem Tod mitunter noch kopflos an ihren Mannen vorbeimarschiert um diese zu befreien (damit die ordentlich weiter kapern konnten).
Nun sehe ich ein, dass man Benjamin und Otto nicht so darstellen konnte, das hätte nicht zu den beiden friedliebenden Charakteren gepasst, aber eine Erwähnung wäre es schon wert gewesen. In Benjamin als Ritter werden die bösen Raubritter schließlich auch zumindest erwähnt. Was Störtebeker und Co. sicher auch prima drauf hatten, das war das Verhalten der Natur auf den Meeren. Im Gegensatz zu Benjamin wussten die sicher genau, was es mit Ebbe und Flut auf sich hat und was das für weiße „Plastiktüten“ sind, die da im Schlick liegen.
Otto versucht zu erklären, was es mit Ebbe und Flut auf sich hat, aber auch er muss passen und weiß nicht mehr, als dass das irgendwie mit dem Mond zusammenhängt. Hier können die jungen Hörer wieder eine Kleinigkeit lernen.
Etwas bedenklich finde ich ja, dass hier den Kleinen erzählt wird, dass man sich einfach ein Boot nehmen und hinaus aufs Meer segeln kann. Da kann wohl jede Familie froh sein, die nicht gerade Nord- oder Ostsee in erreichbarer Nähe hat.

Werfen dir doch mal einen näheren Blick auf die Sprecher der Charaktere im Ort am Meer, von dem aus die Aushilfs-Piraten ihre Tour starten.
Erwin, ein alter Bekannter von Benjamin (wieso kennt man den als Hörer übrigens nicht?), leiht ihnen sein Boot. Gesprochen wird er von Hermann Ebeling und mit der tiefen, rauhen Stimme klingt er für mich genau wie ein alter Seebär, mit gebogener Pfeife im Mund und Vollbart.
Als Kurdirektor, der die frisch eingefangenen „Piraten“ schließlich als Attraktion für seinen Kurort bucht, ist Engelbert von Nordhausen zu hören und auch in dieser Rolle brillant. Er ist einfach ein Sprecher, dem jede Rolle steht.
Manfred Rahn übernimmt die Rolle der Chefs der Küstenwache, die Benjamin und Otto schließlich aus dem Seeverkehr zieht. Er hat hier einen äußerst lustigen, hamburgischen Akzent.

Wind, Wasserplätschern, das Tuten von Schiffen, Möwengeschrei, ja doch, die Geräusche vermitteln in dieser Folge durchaus maritime Atmosphäre. Auf Geschichten am und um das Meer scheint man sich bei Kiosk verstanden zu haben, die können in Sachen Effekte noch am meisten punkten.

Zwei Dinge erstaunen mich auf allen Covers quer durch die Auflagen immer wieder.
Zum einen ist das die Größe des Piratenschiffs. Erwin spricht zumindest von einem Segelboot und darunter stelle ich mir schon etwas Größeres vor als die hölzerne Jolle von Benjamin und Otto. Wie schafft es diese Nussschale bloß, einen ausgewachsenen Elefanten umher zu schippern und dabei noch eine richtige Bugwelle vor sich her zu treiben? Da ist das Cover der Erstauflage noch am authentischsten mit dem recht stillen Meer.
Zweitens frage ich mich oft: Benjamin wurden ab Folge 54 die Stoßzähne genommen, unter Anderem mit der Begründung, sie sähen zu brutal für die junge Hörerschaft aus.
Gut, für ältere Hörer zwar doof, aber immerhin einigermaßen nachvollziehbar.
Aber wieso gehen dann Krummsäbel in Ordnung? Zumindest auf den Covers sehen die nicht nach Spielzeug aus.

Fazit:   Zu drei Vierteln eine sehr charmante Folge, wenn auch mit völlig verklärter Vorstellung von der Piraterie. Leider geht der Charme gegen Ende verloren als Benjamin und Otto für den Kurort Schauspieler-Piraten werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: