Horrorhaus (01) – Owls Creek

Titel:   Horrorhaus (01) – Owls Creek / Verlagfear4ears / Laufzeit:   ca. 69 min / 19 Tracks / Sprecher:   Jan Krogmann, Julia Guggenberger, Davia Dannenberg, Sönke Strohkark, Ismail Cümer, Kaya Guggenberger u.A.

Inhalt:   Es sollten für Patrick Gomez ein paar geruhsame Tage auf dem Land werden. Doch das, was sich hinter der idyllischen Fassade des kleinen Dörfchens Owls Creek verbirgt, wirft Patrick schnell wieder in seinen Alltag als Hüter des Gesetzes zurück.


Wie Phönix aus der Asche tauchte plötzlich der Titel dieses Hörspiels und sein Verlag in den Hörspiel-Foren auf und verbreitete sich innerhalb weniger Tage wie ein Lauffeuer.
Mit entsprechenden Erwartungen habe ich die CD dann also in den Player geschoben und war -zugegeben- auch ziemlich skeptisch. Noch nie etwas davon gehört, die Sprechernamen sagten mir gar nichts und aus dem Klappentext ließ sich auch nicht viel entnehmen.
Doch was ich dann gehört habe, das hat mich schwer beeindruckt. Gut, mysteriös-schaurige Geschichten spielen immer gerne im oder am Wald, in einem kleinen Dörfchen und Ferienanlagen sind ebenfalls gern genommen, wenn Grauen verbreitet werden soll. Doch sollte man bei Owls Creek nicht mit einem „kennt man doch alles schon“ abwinken, denn wieso sollte man denn nicht vertraute Szenerien benutzen, wenn dafür die Umsetzung voll punkten kann? Denn das tut sie hier auf jeden Fall. Owls Creek ist eine sehr spannende Geschichte, die zahlreiche gruselige Szenen hat, und die vor allem über eine sehr dichte Atmosphäre verfügt, die einen bis zum Ende nicht mehr los lässt. Dass die Geschichte kein Happy End haben wird (ein Markenzeichen der Serie!) war mir von Anfang an klar, allerdings habe ich mich recht schnell gefragt, wie denn alles noch schlimmer werden kann. Denn hier wird sich wahrlich nicht geschont was Grauen angeht. So dauert es keine fünf Minuten ehe man als Hörer mit dem ersten unheimlichen Ereignis konfrontiert wird und diese Schlagzahl hält man über das gesamte Hörspiel hinweg bei. So gehört sich das für ein Hörspiel dieses Genres.
Was mir nicht so sehr gefallen hat, das ist die Ausarbeitung des Charakters des Patch. Er ist zweifellos sympathisch wie alle anderen Charaktere, doch habe ich mir unter einem Polizisten aus der Großstadt doch etwas anderes vorgestellt. In einer Minuten erzählt er noch von Frauen mit abgetrennten Köpfen in Straßengräben, zehn Minuten später dreht er durch, weil er Atem im Nacken spürt und eine 19 aus Zweigen auf dem Waldboden entdeckt. Sorry, aber ich hätte ihn mir deutlich cooler und abgebrühter vorgestellt.

Wie bereits erwähnt sind die Sprecher durchweg unbekannt. Um Himmels Willen, bitte nicht, mag nun so mancher Hörspiel-Fan denken, doch in dieser Hinsicht wird man ebenfalls sehr positiv überrascht. Niemand klingt hier abgelesen oder hölzern, im Gegenteil, manchmal hatte ich gar das Gefühl, die Sprecher haben überhaupt keine Vorlage vor sich, so spontan und echt kommen die Dialoge rüber, so als würden sich die Personen tatsächlich einfach über die Vorkommnisse unterhalten.
Ein besonderes Lob gilt Kaya Guggenberger in der Rolle des kleine Culina Ramirez. Kinder als Hörspielsprecher -ich gebe es zu- sind mir meistens ein Greuel, obwohl sie sicher als Letztes etwas dafür kennen, wenn sie nicht professionell klingen. Mir tut es trotzdem in den Ohren weh. Doch in Owls Creek war ich jedes Mal hin und weg, wenn Kaya das Wort ergriff. Sowas von locker und ist doch alles ganz easy ist mir bei einer Kindersprecherin noch nicht untergekommen, herrlich!

Musikalisch bewegt sich Owls Creek ganz im gruselig-mysteriösen Stil. Die Musik hält sich meist dezent im Hintergrund, unterstreicht spannende Szenen und sorgt maßgeblich für die unheimliche Atmosphäre, die über dem gesamten Hörspiel liegt. Hier wurde alles richtig gemacht und so manches schon recht populäre Label kann sich hier für seine Produktionen gerne eine dicke Scheibe abschneiden.
Die Geräusche, eines meiner Highlights von Owls Creek. Der Homepage von fear4ears ist zu entnehmen, dass das Label sämtliche Geräusche selber einspielt…und das hört man! Egal ob es ein brechender Ast ist, das Klirren eines zerbrechenden Fensters, das Rauschen eines Fernsehers, authentischer habe ich es in noch keinem Hörspiel gehört.

Das Cover ist zweifellos ein Hingucker mit dem kräftigen Grün und der posterisierten Darstellung des Waldes. Es wirkt trotz des Grüns ausgesprochen düster und unheimlich.
An diesen Stil hat man sich beim kompletten Layout gehalten, was allerdings bei der Sprecherliste auf Kosten des Lesbarkeit geht.

Fazit:   Fast täglich drängen neue Hörspielproduktionen auf den Markt, die sich für das Nonplusultra halten. Gleichzeitig schraubt da ein kleines Label aus Wedel still und leise an einer neuen Serie und kommt dann plötzlich mit solch einem Knaller um die Ecke! Bitte macht unbedingt so weiter. Für Fans von Grusel und Mystery ist dieser Erstling Pflicht!

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