Bibi Blocksberg (01) – Hexen gibt es doch!

Titel: Bibi Blocksberg (01) – Hexen gibt es doch! / VerlagKiddinx / Laufzeit: ca. 33 min / Sprecher: Susanna Bonasewicz, Hallgerd Bruckhaus, Guido Weber, Frank Schaff-Langhans, Manfred  Schuster, Otto Czarski u.A.

Inhalt: Seit zwei Wochen wohnen Blocksbergs in Neustadt im 20. Stück eines Hochhauses. Doch irgendwas scheint mit ihnen nicht zu stimmen. Ein Nachbar will gesehen haben, dass die Tochter, Bibi Blocksberg, auf einem Besen reitet. Es wird sogar gemunkelt, die Blocksbergs seien Hexen. Da geht Herr Müller zur Polizei.


Was den zahlreichen Serien im Fernsehen ihr Pilot-Film ist, das ist diese Folge für die Bibi Blocksberg – Reihe.
Eine zusammenhängende Geschichte findet man im eigentlichen Sinne hier nicht.
Es ist eher so, dass die Folge Familie Blocksberg vorstellt: wie sie heißen, wo sie wohnen, wie sie aussehen, was die Nachbarn von ihnen halten und was es mit der Hexerei auf sich hat.
Außerdem werden in Hexen gibt es doch (bzw Können Blocksbergs hexen?) viele der Running Gags eingeführt, die Fans der ersten Stunde sicher im Schlaf aufzählen könnten.
Um hier nur einige zu nennen: Mama Blocksbergs Kochkünste und die angeekelte Einstellung der lieben Familie, der Schwefelgeruch und nicht zuletzt Bernhards verzweifelter Ausruf: „Ich lass‘ mich scheiden!“ Irgendwie habe ich beim Hören dieser Folge immer das Gefühl, dass die Serie damals 1980 noch ein wenig anders geplant war als sie schließlich geworden ist. Als bestes Beispiel haben wir hier Bibis Bruder Boris, von der ersten Folge an dabei, aber dann verschwindet er acht Folgen später ohne viel Aufhebens darum.
Bibi und Barbara hexen in Folge 1 zum Teil auch noch mit anderen Sprüchen, die eben nicht mit „Eene Meene“ beginnen, sondern mit so seltsamen Worten wie Amdamdeibeldei. Das habe ich noch nie verstanden, denn am Anfang hieß die Serie schließlich sogar Eene Meene Hexerei. Wie kommt man dann darauf, die Sprüche anders klingen zu lassen?
Dennoch soll das alles keine Kritik sein, die erste Bibi – Folge ist genau so wie sie ist eine der besten der Serie.
Alleine schon der Humor als der Polizist bei Blocksbergs auf der Matte steht und Boris‘ Sprüche und absolut nicht kindgerechtes Fluchen, man muss es gehört haben.

Da sie hier ihren ersten Auftritt haben, seien sie ausnahmsweise auch mal erwähnt, die Sprecher der Familie Blocksberg.
Hallgerd Bruckhaus (Mutter Barbara), Vater Bernhard (Guido Weber), Bibi (Susanna Bonasewicz) und Bruder Boris (Frank Schaff-Langhans), ich kann mir keine bessere Sprecher-Zusammenstellung für die Rollen dieser Familie vorstellen.
In den Nebenrollen hört man Sprecher, die einem immer wieder begegnen, wenn man Kiosk-Hörer ist, der Wiedererkennungs-Wert ist sehr hoch und man fühlt sich sofort heimisch.

Die Folge 1 einer Kiosk-Serie lehrte uns auch sehr nachhaltig, dass Hörspiel auch ohne viel Musik funktionieren kann. Aus heutiger Sicht, wo Musik ein unerlässliches Stilmittel ist um ein Hörspiel quasi „komplett“ zu machen, kaum vorstellbar. Aber scheinbar funktioniert es, wenn die Handlung genug hergibt um sich unterhalten zu fühlen.
Kurz und gar nicht mal schlecht: in den ersten beiden Auflagen gab es nicht mal ein Titellied, sondern nur eine Melodie, die man in Teilen auch während des Hörspiels hört.
An Effekten wird auch nichts Bombastisches geboten: das Muh einer Kuh, eine miauende Katze, eine arg heisere Feuersbrunst und allerlei Haushaltsgeräusche. Schwach, sehr schwach, ja, aber es reicht bis heute.

Bei  der Eene Meene – Folge sah das Cover noch ganz anders aus. Es zeigt Barbara Blocksberg und hinter ihr das brennende Haus. Bei den beiden folgenden Auflagen wurde Bibi aufs Cover gesetzt, was für mich am besten passt, denn schließlich heißt die Serie ja auch Bibi Blocksberg. Bei der zweiten Auflage hat man dann auch die Hochhäuser aus der Siedlung der Blocksbergs wieder mit aufs Cover genommen, scheinbar wirkte die erste Auflage etwas sehr nackt was den Hintergrund anging. Seit der dritten Auflage ist Bibi zusammen mit Mutter Barbara auf dem Cover. Vielleicht um dem Titel Hexen gibt es doch! gerecht zu werden, vielleicht auch, weil ja auch Barbara maßgeblich an der Kinderrettung beteiligt ist…man weiß es nicht. Dafür sind die Hochhäuser verschwunden, eventuell um das Cover attraktiver wirken zu lassen.

Fazit: Keine durchgängige Geschichte, ziemlich „zusammengewürfelt“ wirkende Szenen, kaum Musik und Spannung erst in den letzten paar Minuten. Jeder, der der Hörspiel-Fan-Gemeinde heute ein so gestaltetes Hörspiel präsentieren würde, würde mit entsetzten Aufschreien und Kopfschütteln bedacht werden, kein Zweifel.
Hexen gibt es doch ist genau so legendär geworden und wird es auch immer bleiben. Es war eine schöne Zeit als solche Hörspiele noch funktionierten.

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