Der Bund der Wölfe (Nina Blazon / Simon Jäger)

Titel:   Der Bund der Wölfe / Verlag:   Patmos Audio / Laufzeit:   ca. 268 min. / 4 CDs / Buch Nina Blazon / gelesen von:   Simon Jäger

Inhalt:   In einer Schule, die auf den Grundmauern eines mittelalterlichen Klosters erbaut wurde, geschehen seltsame Dinge. Blanka findet in der Bibliothek eine Frauenleiche, der ein Hautstück entfernt wurde. Die Polizei will den Mord vertuschen, und niemand will Blanka glauben. Sie macht sich selbst auf die Suche nach dem Täter und stößt auf den grausamen Bund der Wölfe und eine unheimliche Kreatur tief in den Katakomben der Schule.


Nina Blazon kannte ich bis zu diesem Hörbuch nur dem Namen nach und verband damit eigentlich nur Fantasy-Bücher und / oder historische Romane.
Fantasy schätze ich inzwischen nur noch in sehr engen Grenzen, historische Geschichten liegen mir seit jeher nicht.
Entsprechend lange habe ich mich vor Der Bund der Wölfe gedrückt, obwohl mir der Klappentext durchaus zusagte.

Kurz: ich habe es zu keiner Minute dieses Hörbuchs bereut.
Die Geschichte hält sich mit Vorreden erst gar nicht auf, schon gleich am Anfang erlebt man eine ausgesprochen spannende Szene, die man aber zunächst nicht einordnen kann.
Man hört zwar, was da passiert, aber natürlich versteht man hier noch nicht, inwiefern es mit der Geschichte zu tun hat.
Und auch danach geht es über die ganze Länge des Hörbuchs hinweg so spannend zu, dass man den Player am liebsten gar nicht mehr ausschalten möchte ehe man nicht das Ende kennt.
Genau wie Blanka fragt man sich, wer diese Tote ist, die sie auf dem Schulflur findet, man grübelt, was es wohl mit dem geheimnisvollen „Bund der Wölfe“ auf sich hat und nach und nach traut man kaum noch einer Person aus der Geschichte.
Die Geschichte bleibt stets unvorhersehbar. Jedes Mal, wenn man denkt, man würde einen Aspekt oder ansatzweise einen Zusammenhang begreifen, geschieht im nächsten Kapitel bereits wieder etwas, das sämtliche Theorien über den Haufen wirft.
Dennoch ist die Handlung logisch aufgebaut, sie verliert sich nicht in ihren Wendungen und bleibt immer logisch nachvollziehbar.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, nicht zu oberflächlich, nicht zu tiefgründig, hier ist exakt die Mitte getroffen worden. Man baut leicht ein Verhältnis zu ihnen auf, findet sie sympathisch (oder eben auch nicht), bedrohlich oder auch undurchsichtig und geheimnisvoll.
Vom Fantasy-Genre hat Nina Blazon sich mit diesem Roman gänzlich gelöst. Der Bund der Wölfe ist eine Mischung aus Krimi und Mystery-Thriller, wobei Letzteres überwiegt.
Die Altersempfehlung, die auf der Patmos Seite mit 9 Jahren angegeben ist, halte ich für zu niedrig angesetzt. Ich würde das Hörbuch eher ab 13 Jahren empfehlen, denn zimperlich geht es in der Geschichte nun wirklich nicht zu. Da Blanka selber 16 Jahre alt ist, dürften sich außerdem auch eher Teenager mit ihr identifizieren können.

Gelesen wird Der Bund der Wölfe von Simon Jäger, dessen Stimme mir seit jeher sehr gut gefällt.
Aber mit einer solch genialen Darbietung habe ich dann doch nicht gerechnet.
Es hat mir sehr gefallen, dass ich immer genau wusste, wen er gerade spricht und dass er jeden Wesenszug und jede Laune der Personen stimmlich absolut deutlich macht. Ganz egal, ob es die Bedrohlichkeit in Joaquins Stimme ist, Blankas oft eher kühle Art, das Verschmitzte in Niklas Stimme, Simon Nemecz‘ Trunkenheit oder oder oder…Jäger bringt es glaubhaft zu Gehör.
Nicht mal der französische Akzent der Direktorin klingt unecht oder aufgesetzt, was gerade bei dieser Sprache leider oft passiert.
Und trotz allem liest Jäger die Geschichte so locker weg als würde er sie frei erzählen.

„Gekürzte Lesung mit Soundeffekten“. So steht es meist in den Beschreibungen des Hörbuchs und auch was diese Soundeffekte angeht ist es rundum gelungen. Je nachdem was in der Geschichte gerade passiert, werden immer mal wieder Geräusche eingesetzt: das Knistern von Feuer, Schnüffeln, das Pfeifen eines Wasserkochers, selbstverständlich auch Wolfsgeheul und noch viele Effekte mehr. Oft trennen sie die Kapitel, aber sie sind auch häufig während der Erzählpassagen zu hören, spielen sogar hinein.
Was die Kürzungen angeht, kann ich nur sagen, dass ich das Buch (noch) nicht gelesen habe, die Geschichte aber verstanden habe und nachvollziehen konnte. Dem Hörbuch scheint also nichts Wesentliches zu fehlen.

Das Hörbuch präsentiert sich in einem schönen Digipack, in dem man je einen kurzen und informativen Text über Nina Blazon und über Simon Jäger findet.
Auf dem unteren Teil der 4 CD-Steckfächer sind jeweils die Titel der Kapitel zu lesen, sehr aufschlussreich sind sie aber nicht. Schon hier ist man gespannt, was es damit wohl auf sich hat, denn sie klingen spannend und geheimnisvoll.
Das Mädchen auf dem Cover soll sicher Blanka darstellen, den Kopf mit einer Kapuze aus Wolfsfell (?) bedeckt. Über die Handlung lässt sich hiervon nichts ableiten, aber das Bild wirkt auf jeden Fall ebenso mysteriös wie es die Geschichte ist.

Fazit:   Für Teenager, die es gerne mysteriös und gruselig mögen, ist Der Bund der Wölfe absolut empfehlenswert. Aber auch Erwachsene, die diese Genres mögen, können hier unbesorgt zugreifen, denn die Geschichte ist nicht jugendlich oder gar kindisch, weder von der Handlung noch von der Erzählweise her. Dazu noch toll gelesen von Simon Jäger…Hörer-Herz, was willst du mehr?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: