Der kleine Drache Hab-mich-lieb – Ein Märchen für große Leute (Andrea Schwarz / Alexandra Maria Lara)

Titel:   Der kleine Drache Hab-mich-lieb  – Ein Märchen für große Leute / Verlag:   Herder Verlag / Laufzeit:   ca. 71 min / 19 Tracks / Buch:   Andrea Schwarz / gelesen von:   Alexandra Maria Lara

Inhalt:   Es war einmal… So beginnt die Geschichte vom kleinen Drachen Hab-mich-lieb und vom Zauberer Moya, der auch ein guter Koch ist.
Es ist ein Märchen und deshalb ist es wahr.


Der kleine Drache Hab-mich-lieb ist ein Hörbuch, unter dem ich mir etwas ganz anderes vorgestellt hatte als es wirklich ist, das mich deshalb sehr überrascht und auch sehr berührt hat.
Das Märchen handelt von einem kleinen Drachen, der alleine in einer Felsenhöhle lebt und genau das tut, was Drachen eben so tun. Sie bewachen ihre Höhle, schnauben Rauchwolken und jagen anderen Lebewesen Angst ein
Doch dieser kleine Drache möchte gar nicht furchteinflößend sein und fühlt sich entsetzlich einsam. Sämtliche Versuche, Kontakt und Freundschaft mit anderen Lebewesen, z.B. der nachbarlichen Igelfamilie, zu schließen, schlagen fehl.
Und dann träumt der kleine Drache von einer wunderschönen Wiese, voller Tiere, die ihn mögen und mit ihm spielen.
Der kleine Drache beschließt, sich auf die Suche nach dieser Wiese zu machen. Er ignoriert das Verbot seines „Vorgesetzten“ und macht sich auf die Reise.
Unterwegs trifft er viele verschiedene Tiere, mit denen er Freundschaft schließen möchte und von denen er sich Ratschläge verspricht, wie er zu seiner Wiese gelangen kann.
Doch egal, wie sehr er sich abmüht…ob er schlaue Bücher liest, sich als Strauch verkleidet um nicht mehr beängstigend zu wirken, oder ob er röhrt wie ein Hirsch…nichts wirkt wie er es sich vorstellt.
Dann trifft er den Zauberer Moya und der hat ihm dann endlich eine Menge zu sagen: über das Leben und die Kunst, sich selbst als das anzunehmen und zu mögen, was man eben ist um seine Sehnsüchte und Träume Wirklichkeit werden zu lassen

Genau diese Botschaft vermittelt die Geschichte auf sehr liebevolle und empfindsame Art.
Der kleinen Drachen, der so traurig ist, weil ihn scheinbar niemand mag, wächst einem schnell ans Herz und man fühlt stets mit ihm.
Man kann seine Gedankengänge sehr leicht nachvollziehen und findet sich immer mal wieder auch selbst darin. Denn sicher hat jeder irgendwann schon einmal versucht, jemandem zu gefallen, irgendwo dazu zu gehören und feststellen müssen, dass es trotz aller Anstrengungen einfach nicht klappt. Und wer hat nicht auch schon mal an sich gezweifelt?
Insbesondere für Hörer, die gerade in einer solchen Phase stecken, ist Der kleine Drache Hab-mich-lieb bestimmt eine sehr schöne Hilfe dabei, aus ihrer Situation herauszufinden.
Spätestens als der kluge Moya seinen Auftritt hat, ertappt man sich manches Mal dabei, wie man zustimmend nickt und denkt, wie Recht er doch hat und wie leicht man vergisst, dass Glücklichsein etwas ist, das sich nicht erarbeiten bzw erzwingen lässt.
Im Grunde ist die Geschichte schon sehr philosophisch und psychologisch. Genau diese Themen sind sicher schon unzählige Male wissenschaftlich behandelt worden, aber komplizierte Formulierungen und weit ausholende Abhandlungen sucht man im Hörbuch glücklicherweise vergebens. Alles Aspekte sind in dieser Geschichte säuberlich so verpackt, dass sie sogar von Kindern erfasst werden kann.
Der kleine Drache Hab-mich-lieb trägt zwar den Untertitel Ein Märchen für große Leute, aber Kinder werden das Wesentliche bestimmt auch schon erfassen können.
Wenn man dann mal daran denkt, wie leicht es heute ist als Kind zum Außenseiter zu werden nur weil man vielleicht keine Markenturnschuhe trägt oder nicht mit der coolsten Frisur unterwegs ist, dann kann der kleine Drache auch hier schon eine Hilfe sein.

Gelesen wird Der kleine Drache Hab-mich-lieb von Alexandra Maria Lara, die die Geschichte sehr einfühlsam erzählt.
Ihre weiche, eher leise Stimme passt ausgezeichnet zum kleinen Drachen, der oft sehr nachdenklich und selten selbstbewusst ist.
Sie fängt genau die Stimmungen des kleinen Drachen ein, ob er gerade voller Hoffnung, voller Sorgen oder tieftraurig ist.
Aber es ist auch manche lustige Szene dabei, die sie passend humorig zu Gehör bringt.
Hier hat man eine sehr gute Wahl getroffen.

Das Cover war maßgeblich Schuld daran, dass ich mir von dem Hörbuch eine völlig falsche Vorstellung gemacht hatte.
Denn die Darstellung von dem niedlichen, kleinen Drachen lässt nun wirklich nicht auf ein solch tiefsinniges Hörbuch schließen.
Aber andererseits, vielleicht greifen ja noch mehr Leute so ahnungslos zu wie ich und sind hinterher genauso begeistert wie ich.
Dafür wird das Hörbuch aber mit diesem Bild bestimmt auch jüngere Hörer ansprechen, was wiederum ein großer Vorteil ist.

Fazit:   Oft sehr traurig, aber immer auch voller Hoffnung ist dieses Hörbuch, das einem noch lange im Gedächtnis bleiben wird und aus dem man viel für sich mitnehmen kann.
Wer allerdings manchmal recht nah am Wasser gebaut hat und dies peinlich findet (Moya würde nun sagen, dass das völlig falsch ist), der sollte es lieber alleine anhören.

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