Ghosthunter (01) – Das Licht das tötet

Titel:   Ghosthunter (01) – Das Licht das tötet / Verlag:   Hörcompany / Laufzeit:   ca. 6 Std. 58 min. / 5 CDs / Buch:   Derek Meister / gelesen von:   Nicki von Tempelhoff

Inhalt:   Es gibt sie. Ian Boroughs weiß es. Er kann sie sehen. Geister. Sie tauchen aus dem Nichts auf. Sie verbrennen alles, was sie berühren. Sind diese Wesen Schuld am Tod seines Vaters? Sind sie der Grund, weshalb Ians Großvater seit über dreißig Jahren verschollen ist? Gemeinsam mit seinem besten Freund bpm beschließt der 17-jährige Ian, das Geheimnis zu lüften. Nicht ahnend, wie gefährlich die Geister wirklich sind…


Dieser kurze Text auf dem Rücken des CD-Box umreißt lediglich grob die Fragen, die sich Ian nach seinen Begegnungen mit den Geistern stellt.
Der Geschichte im Ganzen wird diese Inhaltsangabe nicht annähernd gerecht.
Denn man erlebt anfangs zwar Ians erstes Zusammentreffen mit den Geistern, aber schnell stellt sich heraus, dass die Fragen, was es mit den Geistern auf sich hat, woher sie kommen und was sie bezwecken, nicht so leicht zu beantworten sind. So begibt sich Ian zusammen mit seinem Freund BPM  (der eigentlich Benjamin heißt) an die Nachforschungen, die sie in ungeahnte Gefahren bringen.
Doch besteht die Geschichte nicht alleine aus diesem Handlungsstrang. Beinahe in jedem Kapitel erlebt man einen Ortswechsel. Mal ist man zusammen mit Ian und BPM in England unterwegs, mal trifft man auf die junge, rebellische Chiyo in Japan, dann wieder reist man zu einer Forschungsstation in der Antarktis und gelegentlich begleitet man die undurchsichtigen Kollegen Zachary und Tan, die für einen bislang unbekannten Chef arbeiten.
Das mag nun unendlich komplex klingen, doch das ist es nicht. Die Geschichte lässt einem genügend Zeit, sich mit allen Charakteren, ihren Arbeiten, ihren Lebensgewohnheiten und den Orten, an denen sie leben, vertraut zu machen.  Schon nach wenigen Kapiteln findet man sich nach den Ortswechseln sehr gut zurecht.
An jedem dieser Orte spielt sich ein eingeständig wirkender weiterer Handlungsstrang ab, doch bald merkt man, dass sie alle im Zusammenhang stehen und sicher später zusammenfließen werden. Aber es sind stets nur kleine Aspekte, die diese Zusammenhänge vermuten lassen. Viel verraten sie nicht und so hat man reichlich Gelegenheit darüber zu grübeln, was die Handlungsstränge verbindet.
Es ist quasi, als wolle man ein Puzzle zusammensetzen, dessen Bild man gar nicht kennt: man hat eine Vielzahl an Teilen, hin und wieder lassen sich einige zusammensetzen, doch das große Ganze erschließt sich einem noch nicht, nur hier und da blitzt eine Ahnung vom Motiv auf.
Das macht Ghosthunter (01) – Das Licht, das tötet unglaublich spannend, man kommt von dem Hörbuch wirklich kaum los.
Was mich zusätzlich beeindruckt hat, das sind die Recherchen, die Derek Meister für diese Geschichte betrieben haben muss. Beispielsweise um die Arbeit der Forscher am Südpol zu beschreiben und zu erklären, um physikalische Vorgänge verständlich zu machen und nicht zuletzt dafür, sich auf überlieferte Ereignisse in der Geschichte stützen zu können.
Natürlich ist die Geschichte an sich reine Fiktion, aber die Fakten darin sind immer realistisch, man bekommt keine hanebüchenen physikalischen Erläuterungen geboten, die erwähnten Ereignisse sind nachzulesen, die Beschreibungen der Handlungsorte sind authentisch usw.

Nicki von Tempelhoff sagte mir als Hörbuch-Sprecher bislang gar nichts und wenn dies sein erstes Hörbuch ist, dann kann ich ihm nur meine Hochachtung aussprechen. Denn eine leichte Aufgabe ist dies sicher nicht. Verschiedener könnten die Charaktere gar nicht sein, die er zu sprechen hat: normale Teenager, eine widerspenstige junge Japanerin, Wissenschaftler und und und.
Aber er meistert diese Aufgabe wahrlich mit Bravour, allerdings ohne sich für die jeweiligen Rollen stimmlich groß zu verstellen. Bei ihm bleibt die Geschichte im Vordergrund, sie vermittelt dem Hörer eine Vorstellung der Charaktere, sie bestimmt das Tempo, sie sorgt im Wesentlichen für Spannung, Action und Gänsehaut.
Er unterstreicht diese Wirkung der Geschichte lediglich, indem er z.B. mal schneller spricht, mal flüstert.
Dabei bleibt er stimmlich aber immer er selber. Da man zu Beginn eines jeden Kapitels informiert wird, wo die Handlung von nun an spielt, weiß man ja bereits, mit welchen Personen man es zu tun hat, da ist die Erkennbarkeit anhand der Stimme gar nicht mehr allzu wichtig.

Zwei Effekte gibt es im Hörbuch zu hören: das Pfeifen, das die Geistererscheinungen begleitet und das Rauschen und Knacksen eines Funkgerätes, wenn sich zwei Personen darüber verständigen. Beides ist sparsam eingesetzt, aber es lockert auf und gibt dem Hörbuch noch zusätzlich einen besonderen Anstrich.

Das Cover wirkt auf den ersten Blick verwirrend, doch schon nachdem man die ersten Kapitel gehört hat, ergibt es einen Sinn.
Die Tentakel und Flammen , die nach der Stadt zu greifen scheinen, machen einen bedrohlichen Eindruck.
Im Booklet findet man die Kapitelaufteilung, allerdings nicht mit Titeln, sondern mit den Orten, an denen die Handlung in den jeweiligen Kapiteln spielt.
Außerdem findet man eine Zusammenstellung der Charaktere mit kurzen Beschreibungen -sehr praktisch, so kann man leicht mal nachschlagen, mit wem man es beim Hören gerade zu tun hat-  und je einen informativen Text über Derek Meister und Nicki von Tempelhoff.

Fazit:   Für mich ist Ghosthunter (01) – Das Licht, das tötet bisher die Hörbuch-Entdeckung des Jahres. Derek Meister hat hier ein beeindruckendes Jugendbuch geschrieben, in dem er Genres wie Mystery, Science Fiction und Grusel auf außergewöhnliche, aber überaus gekonnte Art mischt. Die Geschichte ist vom Anfang bis zum Ende hochspannend, sehr düster und unheimlich.
Nicki von Tempelhoff macht seine Sache ausgezeichnet und seine Stimme klingt frisch und locker genug, so dass ich mir gut vorstellen kann, dass Jugendliche ihren Spaß beim Hören haben werden. Aber auch erwachsenen Fans dieser Genres kann ich das Hörbuch nur wärmstens empfehlen.

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