Harry Potter (01) – und der Stein der Weisen (J.K. Rowling / Fleix von Manteuffel)

Titel:   Harry Potter (01) –  und der Stein der Weisen / Verlag:   Der Hörverlag / Laufzeit:   ca. 642 min. / 9 CDs / Buch:   Joanne K. Rowling / gelesen von:   Felix von Manteuffel

Mit „Harry Potter – Der Stein des Weisen“ legte Joanne K. Rowling 1999 den Grundstein für ein Phänomen, das sich bald wie ein Lauffeuer ausbreitete.

Harry, dessen Eltern vom mächtigsten bösen Zauberer ihrer Zeit Voldemort getötet wurden, kommt nach ihrem Tod als Baby zu Onkel und Tante.
Die ziehen ihn mehr schlecht als recht auf und sind stets darum bemüht, dass Harry nichts von seiner Herkunft erfährt.
Doch an seinem 11. Geburtstag erhält er eine Einladung nach Hogwarts, der besten Schule für Zauberei. So erfährt er zum einen, dass seine Eltern Hexe und Zauberer waren und er selber ebenfalls ein Zauberer ist, zum anderen aber auch, dass sie von Voldemort getötet wurden und dass dieser, beim Versuch auch Harry zu töten, all seine Macht verloren hat.
Mancher glaubt, er sei tot, mancher glaubt, er lebe versteckt und versuche, wieder zu seiner alten Kraft zurückzufinden.
Harry jedenfalls geht nach Hogwarts, wo er sich schnell einlebt und Freunde findet.
Doch dann geschehen seltsame und gefährliche Dinge an der Schule…

Joanne K. Rowling hat diese magische Welt mit so viel Phantasie und Liebe zum Detail und zu den Charakteren erdacht, dass man es glatt als ein Wunderwerk bezeichnen kann.
Dabei sind Helden aus eher armseligen Verhältnissen, die später gegen das Böse kämpfen um die Welt zu retten, gar nichts so Neues. Das kennt man eigentlich.
Auch Internatsgeschichten sind an sich nicht sehr innovativ, denkt man nur an Geschichten wie Hanni & Nanni oder Dolly.
Was Harry Potter jedoch abhebt, das ist eben der Phantasiereichtum, der feine Humor und die Spannung.
Alle diese drei Aspekte sind einmalig ausgearbeitet und umgesetzt. So etwas war vorher noch nie da.

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Für Harry Potter-Fans sind die Hörbücher zur Reihe untrennbar mit Rufus Beck verbunden und das ist nach 10 Jahren auch gar kein Wunder.
Und eben nach diesen 10 Jahren bringt Der Hörverlag, bei dem auch die Beck-Potters erscheinen, eine neue Auflage heraus, dieses Mal mit dem bekannten Schauspieler Felix von Manteuffel als Sprecher.
Kann das funktionieren? Wird diese Ausgabe die Fans von Rufus Beck überzeugen können, oder wird die Manteuffel-Ausgabe doch eher -wie es sich Der Hörverlag verspricht- eine neue Zielgruppe im Hörbuchbereich ansprechen?
Dieser Punkt scheint mit der wichtigste Aspekt an der neuen Ausgabe zu sein. Sieht man sich in den Onlineshops um, in denen man die Hörbücher kaufen kann, so wird sie dort als „Ausgabe für Erwachsene“ bezeichnet.
Das Cover gleicht tatsächlich mehr den Erwachsenenausgaben bei den Büchern: in dunklen Farben gehalten und die von den Büchern und Beck-Hörbüchern vertraute Darstellung von Harry im Comic-Stil wurde auch verzichtet.
Insgesamt kann man sagen, dass die Manteuffel-Ausgabe ruhiger, seriöser anzuhören ist.
Wer jetzt meint, dann müsse sie automatisch auch langweiliger sein, dem rate ich, einfach mal reinzuhören.
Denn Manteuffels Lesung ist alles, aber nicht langweilig.
Aber es gibt -jedenfalls in meinen Augen- einen ganz wesentlichen Unterschied zwischen der Art wie Rufus Beck die Geschichte liest und wie Felix von Manteuffel sie liest:  Rufus Beck erzählt die Geschichte nicht einfach nur, nein, er spielt sie. Wenn ich ihm zuhöre, dann stelle ich mir vor, wie er vor dem Mikro wahre „Action“ macht, wie er je nach Charakter krächzt, quiekt und mit Dialekten experimentiert, wie er sich zu schnellen Stellen wie beispielsweise einem Quidditch-Spiel auch entsprechend bewegt…
Felix von Manteuffel dagegen liest die Geschichte. Dabei bleibt er seiner Stimme zu jeder Stelle absolut treu. Zwar verstellt er sie auch ein wenig, je nachdem welchen Charakter er gerade spricht, aber eben nur ein wenig. Statt beinahe gewaltsam markante Stimmen zu kreieren, macht er die Unterschiede durch feine Variationen in Klang und Betonung deutlich.
Dadurch ist es zwar manchmal schwieriger zu erkennen, wen er gerade spricht, aber es ist angenehmer anzuhören. Rufus Beck verfällt für meinen Geschmack zu oft ins Overacting.
Auch was das Tempo an besagten schnellen Stellen angeht, steht Manteuffel Beck in nichts nach. Er klingt dabei halt nur nicht wie ein Sportkommentator, sondern beschränkt sich darauf, schneller zu lesen. Schneller, aber eben nicht rasant.
Weniger kann halt manchmal wirklich mehr sein. Das gilt auch dafür, wie der Humor der Geschichte an den Hörer gebracht wird. Ob offensiv wie bei Rufus Beck, oder augenzwinkernd und hintergründig wie bei Felix von Manteuffel.
Mir persönlich sagt die Manteuffel-Ausgabe mehr zu, da ich von Überzogenheit grundsätzlich nicht viel halte, und Beck übertreibt es in meinen Augen so manches Mal mit seiner Leseart.
Außerdem fällt es mir schwer, mich bei Becks lebendiger Erzählweise zu entspannen. Aber ein Hörbuch zu hören, das darf für mich nicht in Anstrengung ausarten. Da kommt es mir sehr entgegen, dass man sich zu Manteuffels ruhiger Stimme herrlich entspannen und dieser wunderbaren Geschichte lauschen kann.

Noch ein paar Worte zur Aufmachung des Hörbuchs, denn davon war ich zum Teil doch etwas enttäuscht.
Rein äußerlich wird die Box dem Anspruch gerecht, sich eher an die erwachsene Hörerschaft zu richten. Hochglänzend, schwarz, lediglich mit dem kontrastreichen Motiv des Steins, ja, edel sieht die Box fraglos aus.
Ein kleines Booklet gehört ebenfalls dazu. Darin findet man die Kapitelverteilung auf den CDs, aber auch je einen informativen Text zur Autorin Joanne K. Rowling und zum Sprecher Felix von Manteuffel.
Die CDs sind im Stil des Box-Deckels gehalten, stecken allerdings in schlichten, transparenten Kunststoffsleeves.
Es gibt Hörbücher zu weniger „prominenten“ Figuren, bei denen die CDs ebenfalls in solchen Sleeves oder in Papphüllen stecken, nur sind die dann wenigstens dem Layout der Hülle angepasst. Ich fand diese Sleeves jedenfalls etwa sehr einfach, das wäre bestimmt schicker gegangen.
Außerdem hätte die Box ruhig etwas schmaler sein dürfen, dann würden die CDs in ihren Hüllen nicht so darin herum rutschen.

Fazit:  Ob Felix von Manteuffel oder Rufus Beck: eine Unterteilung in „gut“ und „schlecht“ gibt es nicht, beide Lesungen sind auf ihre Art wunderbar
Beide Sprecher haben ihre Stärken und jeder Hörer muss letztlich für sich selbst entscheiden, welche Lesung ihm besser gefällt.
Felix von Manteuffel ist jedenfalls eine ganz neue Interpretation der Geschichte gelungen, von der ich nicht glaube, dass sich nur Erwachsene dafür begeistern können.
Eine Hör-Empfehlung auf ganzer Linie!

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