Hörgespinste (3) – Auf dem Campus mit Ctulhu

Titel:   Hörgespinste (3) – Auf dem Campus mit Ctulhu / Verlag Pandoras Play / Laufzeit:   ca. 73 min / 24 Tracks / Sprecher:  Nils Hensel, Katja König, Uwe Schönpflug, Stephan Globisch, Horst Kurth

Inhalt: Als Simon Zann sein Auslandsseminar an der Miskatonic University in Arkham, Massachusetts antritt, freut er sich in erster Linie auf Parties und den American Way of Life. Jedoch muss er sehr schnell feststellen, dass hinter der düsteren Fassade der Universität ein noch düsteres Geheimnis lauert.
Und noch bevor das Semester richtig begonnen hat, steckt Simon mittendrin in einer Geschichte um verbotene Bücher, zyklopische Städte auf dem Grund des Ozeans und uralte Götter mit unaussprechlichen Namen, die jenseits von Raum und Zeit darauf warten, in unsere Welt zurückzukehren.


Lange angekündigt, nun endlich im CD-Player: der dritte Teil der Hörgespinste.
Wie der Titel es vermuten lässt, hat man sich für diese Folge kräftig beim Cthulhu-Mythos bzw Lovecrafts Geschichten bedient und versucht, dies mit einer College-Story zu kombinieren.
Grundsätzlich hat mir diese Idee ganz gut gefallen, wobei ich zugeben muss, dass ich mich mit Lovecraft kaum auskenne und mit seinen Geschichten noch viel weniger. Nachdem seine Werke jedoch überall gelobt werden, war ich sehr gespannt.
Das Hörspiel lässt sich ganz gut an, Simon trifft in Arkham ein und wird von seinem Kommilitonen Randolph Carter III. in Empfang genommen, mit dem er zur Universität fährt.
Dort angekommen staunt Simon nicht schlecht über die unheimlich wirkenden Gebäude und so wie er den Campus beschreibt, taucht vor dem Auge des Hörers auch ein ziemlich genaues Bild davon auf, passenderweise tobt oben drüber ein Gewitter, das klingt insgesamt schon sehr unheimlich. Und genau da liegt mein Problem: es klingt gespenstisch, es „fühlt“ sich aber leider nicht so an, da fehlt einfach die entsprechende Atmosphäre.
Und das bleibt bedauerlicherweise auch über das gesamte Hörspiel hinweg so. Dabei hat man sich hörbar Mühe gegeben, solch ein Atmosphäre zu erzeugen. Mit Gewittern, der kleinen Hexengeschichte, den undurchsichtigen Charakteren Helen und Randolph, dem Necronomicon, dem Zombie und erst recht beim dramatischen Ende.
Ein wesentlicher Grund dafür, dass eine Gänsehaut einfach nicht aufkommen will, sehe ich in dem bemerkenswert ahnungslosen, ja oft geradezu trotteligen Simon Zann. Da schreibt sich jemand für ein Semester an der Miskatonic Universität in Arkham ein und ahnt nicht ansatzweise, was davon zu halten ist? Soweit sollte man seinen Lovecraft nun doch schon kennen.
Da Simon als Erzähler durch das Hörspiel führt und wie gesagt nicht den Hauch einer Ahnung hat, erzählt er die Geschichte auch genau so. Locker, lässig, mit vielen Sprüchen und zig Versprechern beim Wort Cthulhu (nach dem dritten Versprecher ist das nicht mehr lustig!).
Ein außenstehender Erzähler hätte dem Hörspiel viel besser zu Gesicht gestanden, einer, der beim Erzählen für etwas Atmosphäre hätte sorgen können…Simon geht das viel zu flapsig an.
Gefallen haben mir dagegen die Traum-Szenen, hier stimmt die Atmosphäre. Simon schildert seinen Traum sehr anschaulich, in bildhaften Worten und in einem Ton als wäre er in Trance, darüber liegt der dumpfe Klang von Geräuschen unter Wasser. Doch, diese Szenen sind klasse.

Die Sprecherliste ist kurz, gerade mal mit fünf Sprechern hat man es in diesem Hörspiel zu tun.
Im Vordergrund steht ein Sprechergespann, das Fans von Pandora’s Play bereits aus der Serie Grüße aus Gehenna kennen: Nils Hensel in der Rolle des Simon Zann und Katja König alias Helen Armitage.
Nils Hensel macht seine Sache prima, da gibt es nichts. Den jungen, lässigen und ahnungslosen Studenten nimmt man ihm sofort ab, aber auch wenn er die Szenen seiner schaurigen Träume beschreibt, kann er überzeugen.
Katja König gefällt mir seit je her, sie kann noch so lockere Passagen sprechen, ihre Stimme klingt trotzdem auch immer undurchsichtig und mysteriös. Dieses Talent wird auch in Auf dem Campus mit Cthulhu deutlich.
Stephan Globisch übernimmt die Rolle des Randolph Carter III. Er ist mein Favorit unter den Sprechern, man weiß tatsächlich bis zum Ende hin nicht, was von Carter zu halten ist, er spricht ihn herrlich kühl und unnahbar, beinahe schon abweisend.
Uwe Schönpflug als Kyle Danforth konnte mich dagegen nicht sonderlich überzeugen, am ehesten noch als bekiffter Student, aber z.B. in der Szene als er auf dem Dach eines Gebäudes steht und vor Angst durchgedreht zu sein scheint, da fehlt einfach die entsprechende Panik in der Stimme
Die eher kleinere Rolle des Wachmanns Legrasse spricht Horst Kurth von der Hörfabrik.

Über die Musikkulisse kann man nichts Schlechtes sagen, sie kommt düster und bedrohlich daher, so muss das klingen in einem gruseligen Hörspiel. Leider kann auch eine noch so gelungene Musik nicht alleine alles an Atmosphäre rausreißen, für sich alleine gesehen ist sie aber top. Wäre die Handlung gespenstischer, wäre die Musik das Tüpfelchen auf dem i.
Auch die Effekte gehen in Ordnung, besonders gelungen sind hier die schon erwähnten Traum-Szenen, aber auch sonst können sie sich hören lassen.

Das Cover bleibt dem vertrauten Hörgespinste-Stil treu und weiß mit dem düsteren Motiv zugefallen. Jeder Lovecraft-Fan wird sich bei diesem Anblick heimisch fühlen.
Solche Leute wie ich, die von Lovecraft nicht viel Ahnung haben, macht es aber auf jeden Fall neugierig auf das Hörspiel.

Fazit:   Bislang hat mir die Reihe Hörgespinste immer den Eindruck vermittelt, eine gruselige, unheimliche Serie zu sein, doch bei Auf dem Campus mit Cthulhu bin ich nun ins Zweifeln gekommen. Unterhaltsam ist die Folge zweifellos, aber gruselig eben nicht. Dabei hatte man mit dem Cthulhu-Mythos dafür wirklich das beste Handwerkszeug zur Verfügung. Man hat das Potenzial darin nur leider quasi an den flapsigen College-Aspekt verschenkt. Lovecraft-Verehrer werden sich freuen, Bekanntes wieder zu treffen, doch wer sich gruseln möchte, der halte sich besser an Hörgespinste 1.

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