Point Whitmark (26) – Die Diener der Pest

Titel:   Point Whitmark (26) – Die Diener der Pest / VerlagUniversal / Laufzeit:   ca. 54 min / Sprecher:  Sven Plate, Kim Hasper, Gerrit Schmidt-Foss, Sonja Spuhl, Karin Buchholz, Engelbert von Nordhausen, Marius Götze-Claren u.A.

Inhalt:   Victoria Thornton ist -in Dereks Augen- das schönste Mädchen der High School. Als sie von einer Gruppe mittelalterlicher Spielleute an ein düsteres Familienkapitel erinnert wird, stehen ihr Jay, Tom und Derek zur Seite.
Die Karte des Brandanio führt die Jungen nach Amberville und Jahrhunderte zurück in der Zeit. Gepanzerte Waffenknechte und der unheimliche Pestträger stellen sich ihnen in den Weg. Als das Krächzen der hungrigen Raben ertönt, werden Jay und Tom an den Pranger gestellt….
Das Urteil ist verhängnisvoll…


Wohl kaum ein anderes Zeitalter bietet mehr Spielraum für düstere Geschichten voll Aberglaube und seltsamer Rituale als das Mittelalter.
Die Folge hält sich mit langen Vorreden gar nicht groß auf, schon gleich am Anfang hält das Mittelalter in Gestalt einer Gruppe Spielleute Einzug in die Geschichte.
Wenige Minuten später tauchen die drei Jungs und Victoria im Städtchen Amberville vollends in dieses Zeitalter ein und es ist beeindruckend, wie konstant die Folge die mittelalterliche Atmosphäre aufrecht erhält. Von leisesten Geräusch bis hin zu den einzelnen Personen fügt sich alles harmonisch in dieses Flair ein.
Der Höhepunkt der Folge ist zweifellos der Prozess, der Jay und Tom gemacht wird, so richtig typisch mittelalter- und hexenverfolgungsmäßig mit Badeprobe und Feuerprobe  und allem, was die Geschichte der Zeit in dieser Hinsicht hergibt. Das heißt zwar einerseits auch, dass in dieser Richtung nichts Neues geboten wird, andererseits passt es aber prima in die übrige Handlung. Denn hier wird „typisches“ Mittelalter geboten, so wie man sich das heute -oftmals recht verklärt- vorstellt.
Erwähnenswert ist das Mitwirken von Mitgliedern der Mittelalter-Band Corvus Corax, die sich in der Geschichte selbst spielen.
Ich hatte anfangs Zweifel, ob es mich überzeugen kann, dass eine deutsche Band in einem Hörspiel mitwirkt, das in den USA spielt, denn bislang war mir nicht bekannt, dass Corvus Corax auch dort populär sind. Inzwischen habe ich mich eines Besseren belehren lassen, Corvus Corax kennt man tatsächlich auch dort. Einen solchen Schnitzer hätte sich Herr Sassenberg sicher auch nicht erlaubt.
Damit aber auch der Radiosender in dieser Folge nicht zu kurz kommt, wird die genaue Auflösung des Falles am Ende in einem Radioreport an den Hörer gebracht, eine schöne Abwechslung zu den Auflösungs-Dialogen, die man sonst von der Serie kennt.
Hier wird noch mal deutlich, wie logisch durchdacht die Geschichte ist, hier gibt es keine unglaubwürdigen, hanebüchenen Wendungen, die Geschichte ist aus sich heraus spannend.

In der Rolle der Victoria Thornton hören wir Sonja Spuhl, die ihre Rolle zu Anfang wunderbar hochmütig und arrogant spricht ohne dabei auch nur in einem Satz aufgesetzt zu wirken. Gleichzeitig hört man aber auch, dass Victoria Charakter hat, selbstbewusst und mutig ist.
Lady Valkya, eines der Oberhäupter des mittelalterlichen Ortes, wird von Karin Buchholz gesprochen. Ihren S-Fehler finde ich nun nicht sonderlich amüsant, ob das sein musste, das lasse ich mal dahingestellt. Dafür gefällt sie mir umso besser, wenn sie die grausame Seite ihres Charakters herauskehrt. Wenn sie dann aufgeregt, fast hysterisch kreischt, dann klingt sie passenderweise einem krächzenden Raben gar nicht so unähnlich.

Die Effekte, die Musik, sie sind es, die den Hauptteil dazu beitragen, dass sich schon nach wenigen Minuten Mittelalter-Feeling beim Hörer einstellt, da wurde -wie schon gesagt- auf jede noch so kleine Kleinigkeit geachtet.
Corvus Corax steuern dabei eigene Melodien bei, mal im Stil mittelalterlicher Spielleute, mal eher in Richtung gregorianischer Klänge. Das ist eine nette Abwechslung zu den sonst üblichen Musiken und sorgt außerdem nachhaltig für Mittelalter-Atmosphäre.
Ich muss aber sagen, dass sich diese Musik arg mit der vertrauten Point Whitmark – Musik „beißt“, das ist mir gerade am Ende des Hörspiels aufgefallen als der Handlungsort von Amberville abrupt ins Sendestudio wechselt. Mir wäre es lieber gewesen, man wäre dem altertümlichen Stil über das gesamte Hörspiel hinweg treu geblieben, so sehr ich auch sonst die Point Whitmark – Musik mag.

Das Cover ist wie gewohnt in kräftigen, kontrastierenden Farben gehalten. Dennoch gelingt es mit der Darstellung des Pestträgers mit seinem dunklen Kapuzenmantel und der bizarren Maske ebenso, die Bedrohung in der Geschichte rüberzubringen. Sehr sympathisch wirkt die Gestalt nicht.
Allerdings vermisse ich den einen oder anderen Raben, denn diese Vögel sind im ganzen Hörspiel zu hören und spielen eine recht wichtige Rolle darin.

Fazit:   Raus aus dem kleinen Küstenstädtchen, raus aus unserer Zeit, hinein in ein mittelalterliches Dorf, Spielmannsleut ans Mikro gesetzt, da hat man eine ganze Menge gewagt, denn außer Jay, Tom und Derek ist hier kaum etwas Vertrautes anzutreffen. Aber der Schritt ist gelungen, hier wird von der Idee her etwas ganz Neues geboten.
Die Story ist spannend und atmosphärisch, Sprecher, Musik und Effekte top…und dennoch: mir gefällt Point Whitmark besser, wenn es auch genau dort bzw in dieser Gegend spielt.

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