Die Hexerin

Titel:   Die Hexerin / VerlagCocomico Records / Laufzeit:   ca. 64 min / 10 Tracks / Sprecher:  Suzan Erentok, Michael-Che Koch, Kai Helm, Reinhard Schulat-Rademacher u.A.

Inhalt: Fünf männliche Leichen, die in London aufgefunden werden, geben Ermittler Mason Flint Rätsel auf. Alle fünf Toten haben Bisswunden am Hals, keinen Tropfen Blut mehr in sich und eine silberne Hutnadel im Herzen stecken. Flint nimmt die Spur des Täters auf und gerät dabei in höchste Gefahr…


„Jason Dark – Die Hexerin“ so prangt es auf dem Cover des Hörspiels und jedem Grusel-Horror-Fan dürfte bei diesem Namen zunächst das Herz vor Freude hüpfen.
Immerhin hat Jason Dark auch John Sinclair erdacht und mit dieser Figur großen Erfolg.
Dass der Hexerin ein ebensolcher Erfolg zuteil werden wird, wage ich zu bezweifeln.
Vampire beißen ihre Opfer, Vampire trinken Blut, Vampire sehen phantastisch aus, Vampire sind unwiderstehlich und können durch einen Stich ins Herz getötet werden…
Das kommt einem doch schon sehr bekannt vor, diese Eigenschaften werden Vampiren in unzähligen Geschichten zugeschrieben, das weiß man also alles schon.
In dieser Hinsicht bietet das Hörspiel schon mal nichts Neues.
Die Geschichte an sich, daraus hätte man vielleicht trotzdem noch etwas Ordentliches machen können.
Schließlich kann nicht jedes Hörspiel das Rad neu erfinden, viele Themen –wie auch das Thema Vampire- wurden schon unzählige Male umgesetzt und trotzdem sind immer wieder gute Hörspiele unter diesen Umsetzungen gewesen.
Ich bin mir sicher, auch aus Die Hexerin hätte ein gutes Hörspiel werden können.
Leider scheitert dies aber an zu vielen Punkten.
zunächst mal bietet die Geschichte nichts Neues auf dem Vampir-Grusel-Sektor, wie oben schon erwähnt.
Außerdem zieht sich die Geschichte unendlich hin, dabei ist das Hörspiel kaum länger als eine Stunde.
Ein wesentlicher Grund für diese gefühlte Unendlichkeit, ist der Anteil des Erzählers, der einfach zu groß ist. Es gibt so lange Passagen, dass man glatt meinen könnte, man höre eine Lesung, und das nimmt dem Hörspiel doch einiges an Fahrt.
Dabei hätten die Erzähl-Abschnitte problemlos kürzer ausfallen können.
Der Geschichte hätte z.B. nichts Wichtiges gefehlt, wenn man die detailreichen Beschreibungen der weiblichen Charaktere – äußerlich und vom Hals an abwärts- rausgelassen oder eingekürzt hätte.

Weiterhin wären da die Sprecher.
An den männlichen Sprechern gibt es nichts aussetzen.
Michael-Che Koch spricht die Rolle des Inspektors Mason Flint sehr souverän, da gibt es gar nichts.
Den Inspektor habe ich ihm sofort abgenommen.
Auch die Sprecher der kleineren Rollen wie z.B. Reinhard Schulat-Rademacher und Holger Schulz können sich durchweg hören lassen.
Wenn das nur auf die Sprecherinnen auch zuträfe…
Zunächst haben wir da Annika Wichmann alias Frenchy Davis, Flints Freundin.
Ihrer Stimme fehlt leider jede Kraft und die hätte selbst in der Rolle des recht naiven Blondchen Frenchy an manchen Stellen des Hörspiels nicht geschadet.
Dann ist da natürlich noch die Hexerin persönlich, gesprochen von Suzan Erentok.
Bisher habe ich sowieso das Gefühl, dieser Charakter wird nahezu komplett auf sein sexy Äußeres reduziert, aber etwas weniger Erotik zumindest in der Stimme hätte es auch getan…und wäre dann wenigstens glaubhaft gewesen, statt überzogen bis albern.
Furchteinflößend hört sie sich so jedenfalls nicht an, dabei wäre das doch eigentlich ganz wichtig in einem Grusel-Hörspiel…

Nun aber zu einem Aspekt des Hörspiels, der mir sehr gut gefallen hat: die Musik.
Hier ist alles richtig gemacht worden.
Musikalisch steckt Die Hexerin nicht, wie so viele Vampir-Geschichten, in der Vergangenheit fest, die Klänge sind modern und sorgen an entscheidenden Stellen für eine passige, oft düstere Atmosphäre.
So gehört sich das für ein Hörspiel dieses Genres.

Das Cover hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, es ist wirklich sehr schön gezeichnet.
Insgesamt ist es in düsteren Farben gehalten, der blutrote Schriftzug erzeugt einen tollen Kontrast, und Blutrot ist auch eine sehr passende Farbe für ein Vampir-Hörspiel.
Doriana Gray sieht zwar eher sehr gut als gefährlich aus, aber das geht schon in Ordnung.
Da ihre dem Hörspiel nach überzeugendsten Argumente nicht zu sehen sind, ist der Darstellung immerhin etwas Geheimnisvolles geblieben.
Doch, das Cover kann sich sehen lassen und wird im Verkaufsregal wohl auch auffallen.

Fazit: Wer eingefleischter Vampir- oder Jason Dark – Fan ist, wird an der Hexerin nicht vorbeikommen.
Wer aber generell an unheimlichen Hörspielen interessiert ist und sich demzufolge auch mal gruseln möchte, der sollte lieber die Finger davon lassen.

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