Endlich frei

Titel:   Endlich frei / Verlag Mindcrusher Studios / Laufzeit:   ca. 10 min / Sprecher:  Rene Wagner, Hauke Sandmann

Inhalt:   Da stand er nun, ca. 40 Meter über der Stadt. Die dünnen abgemagerten Hände hielten ihn von einem langen, befreienden Sprung ab. So wollte er sein Leben beenden. Gäbe es einen besseren Zeitpunkt als Mitternacht? Zumindest würde niemand da sein, der ihn von seinem Vorhaben abhielt. Wer blickte schon um Mitternacht ein großes Bürogebäude hoch? Und wer es dennoch tut, der wird sicherlich nicht mehr als die dunkle Nacht erkennen. Noch ein Schritt, dann der befreiende Fall, dann ein kurzer Schmerz und endlich Ruhe. Aber wie ist es überhaupt soweit gekommen?


HTML clipboardDieses Hörspiel hat mich ein wenig überrascht. Da steht also jemand auf einem hohen Bürogebäude und ist im Begriff, sich von dort hinunter in den Tod zu stürzen um endlich frei zu sein. Zuvor geht er im Kopf noch einmal durch, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Und was er da schildert, das regt irgendwo zum Nachdenken an. Über besondere Situationen oder Gefühle wie z.B. Liebeskummer und seine Folgen, über Zwänge, die von anderen wie Freunden oder der Familie, auferlegt werden oder auch über eigene Gedanken, die einen unter Druck setzen…da kann man diesen Wunsch danach, einfach frei zu sein, schon verstehen. Dieser Monolog fesselt einen sofort. Und das, obwohl man im Hintergrund Geräusche hört und auch der Erzähler gelegentlich Bemerkungen macht, die schon andeuten, dass das Vorhaben des Lebensmüden vereitelt werden könnte. Da könnte man als Hörer ja eigentlich beruhigt sein, aber trotzdem hört man ihm gespannt weiter zu.

Man ahnt es sicher schon, es sind gerade mal zwei Sprecher am Werk. Als Springer ist Rene Wagner zu hören, der ihn passend verzweifelt, oft nachdenklich und manchmal -wenn er von der Freiheit schwärmt- sogar etwas träumerisch klingen lässt. Dadurch wirkt der Text immer abwechslungsreich und nie langweilig, so dass man ihm gespannt über die ganze Zeit hinweg folgt. Hauke Sandmann als Erzähler klingt meist distanziert, auf den Springer blickend, oft gibt er aber auch quasi Anregungen für Erklärungen des Springers zu dessen Situation.

Eine weiche Melodie leitet das Hörspiel ein, danach gibt es an Musik weiter nichts zu hören. Das lässt allerdings zwangsläufig den Geräuschen den Vortritt und diese haben hier -wie schon gesagt- eine ganz spezielle Funktion. Sie sind sehr gut gewählt und eindeutig genug, so dass man sich vom Geschehen um den Springer und das Hochhaus und dem vermeintlichen Himmel ein deutliches  Bild machen und daraus klare Schlüsse ziehen kann.

Ich finde, das Cover bringt die Einsamkeit des Springers sehr gut rüber und passt entsprechend prima zur Geschichte.

Fazit:   Trotz der kurzen Spielzeit und nur zwei Sprechern ein und spannendes Hörspiel, das ich gleich mehrmals gehört habe. Mir hat die Idee gefallen, mal die letzten Minuten eines Lebensmüden als Thema zu wählen.

Den Gratis Download findet ihr hier:   Endlich frei

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