Nichts – Was im Leben wichtig ist (Janne Teller / Laura Maire)

Titel:   Nichts – Was im Leben wichtig ist / Verlag:   Silberfisch / Laufzeit:   ca. 178  min (ungekürzt) / Buch:   Janne Teller /gelesen von:   Laura Maire

InhaltNichts bedeutet irgendetwas, das weiß ich seit Langem. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“
Auf das Leben folgt der Tod. Auf die Bedeutung das Vergessen. Auf den Anfang das Ende. Als Pierre Anthon das erkennt, steigt er auf einem Pflaumenbaum und verbringt dort seine Tage. Gerda, Elise, Jan-Johan und all die anderen Kinder in der Stadt finden Pierre Anthon Verhalten nicht nur provozierend, es macht ihnen auch Angst schließlich liegt die Zukunft verheißungsvoll vor ihnen. In einer verlassenen Sägemühle beginnen sie Dinge zusammenzutragen, die ihnen etwas bedeuten. Doch die Aktion, die beweisen soll, dass sich Pierre Anthon irrt, läuft bald aus dem Ruder …


Ich bin durch einen Hinweis auf dieses Hörbuch aufmerksam geworden und hatte erst meine Zweifel ob das etwas für mich sein würde. Inzwischen bin ich froh, dem Tip nachgegangen zu sein, denn „Nichts“ ist eine ganz außergewöhnliche Geschichte, die einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht. Dabei ist sie nicht einmal sonderlich komplex, eher im Gegenteil, der Verlauf ist absolut geradlinig und die handelnden Personen hat man sich schnell zu eigen gemacht. Da hat also ein 13jährige Schüler erkennt, dass nichts von Bedeutung ist und es sich somit nicht lohnt, irgendetwas zu tun. Seine Mitschüler sehen das anders, für sie gibt es Dinge von Bedeutung und sie machen sich daran, solche Dinge zusammenutragen um Pierre Anthon zu zeigen, was alles von Bedeutung ist. Doch diese „Sammelaktion“ beschränkt sich bald nicht mehr nur auf harmlose Sachen wie alte Fotos. Die Forderungen der Kinder, was der nächste dem „Berg von Bedeutung“ opfern muss, werden immer drastischer.

Da denkt man beim Hören oft: das können sie doch nicht machen! Und es ist erschreckend mit welcher Verbissenheit und Überzeugung sie es eben doch machen. Die Frage, wie weit die Kinder gehen werden hält die Story ebenso spannend wie die, wohin das Unternehmen jemals führen wird. Ich muss sagen, mich hat der Wendepunkt der Geschichte überrascht, denn damit hatte ich ganz sicher nicht gerechnet. Andererseits heimsen Geschmacklosigkeiten und Grausamkeiten ja schnell Aufmerksamkeit ein, das heutige TV-Programm zeugt ja nur zu gerne davon. Also ist diese Wende doch ziemlich logisch und vor allem notwendig, denn sie bestimmt über den weiteren Verlauf und den habe ich als absolut folgerichtig empfunden.
Natürlich habe ich mich auch gefragt, wie realistisch es ist, dass 13jährige wegen einer solchen Aktion Hunde köpfen und einem Freund einen Finger abschneiden, aber ich denke, die Frage nach dem Wirklichkeitsgehalt ist nicht der Knackpunkt von „Nichts“. Hier sind andere Fragen und Erkenntnisse von Belang, über die man beim und nach dem Hören sicher noch eine Weile nachdenkt.

Laura Maire liest dieses Hörbuch und hat mir wirklich ausgezeichnet gefallen. Die 13jährige Agnes erzählt „Nichts“ aus ihrer Sicht und Laura Maire klingt hier -und das ist ein Kompliment- tatsächlich wie ein Mädchen dieses Alters, was die Erzählung authentisch wirken lässt. Außerdem bringt sie diese verblüffende und erschreckende  Abgebrühtheit und Kaltschnäuzigkeit der Kinder sehr überzeugend rüber. Aber auch in den gefühlvollen und nachdenklichen Momenten weiß sie zu überzeugen.

An Untermalung bekommt der Hörer nichts geboten, was ich überaus passend finde 😉

Ebenso passend wirkt auch die Aufmachung des Hörbuchs. Ein einfaches Digipak, auf weißem Hintergrund lediglich der Titel und die Namen der Autorin und der Sprecherin. Kein Covermotiv im eigentlichen Sinne, das Innere der Hülle ist ebenfalls absolut schlicht gehalten und auch die CDs machen da keine Ausnahme. Und doch wirkt das mindestens ebenso gut wie eine Aufmerksamkeit heischende Optik, eben weil es so aus dem Rahmen fällt.

Fazit:   „Nichts“ ist eine geradlinige, unkomplizierte, ja, sogar unterhaltsame Geschichte, der es aber in dieser Schlichtheit gelingt, den Hörer zu packen und zu erschrecken. Und das nicht zu knapp! „Nichts“ bleibt einem auch nach dem Hören noch im Kopf und ich halte es für eine reife Leistung, wenn es eine solche Geschichte schafft, die Leute zum Nachdenken anzuregen. „Nichts“ gelingt das spielend.

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