Gruselkabinett (47) – Verhext

Titel:   Gruselkabinett (47) – Verhext / Verlag Titania Medien / Laufzeit:   ca. 63 min / Sprecher:  Frank Schaff, Reinhilt Schneider, Dagmar von Kurmin, Uli Krohm, Ernst Meincke u.a.

InhaltAmerika um 1890: Das ländliche New England liegt tief verschneit. Prudence Rutledge bittet einige ihrer Nachbarn trotz des gefährlichen Wetters zu sich in ihr Farmhaus. Weder sie, noch ihr Mann Saul Rutledge, hat man seit längerem in Hemlock County gesehen. Was kann die als eigenbrötlerisch bekannte Frau bloß von ihren Nachbarn wollen…?


Bisher kannte ich es von dieser Serie so, dass man meist Geschichten von recht bekannten Autoren zu hören bekam. Mit dem Namen Edith Wharton konnte ich dieses Mal so gar nichts anfangen. Aber man lässt sich ja gerne überraschen. Und die Überraschung ist auf ganzer Linie geglückt. Die Geschichte kommt ohne große Schreckmomente aus -abgesehen von der Kanarienvogel-Szene, bei der ich Cherissidora Cheney gerne die gleiche Bahndlung hätte zukommen lassen-, und entfaltet ihre gespenstische Atmosphäre eher auf zurückhaltende Art, die aber ebenso gut wirkt.

Vom ersten Moment an liegt eine gedrückte, düstere  Stimmung über der Erzählung und als Hörer ahnt man stets, dass da noch etwas ganz Schlimmes auf einen lauert und man wartet nur darauf, dass es endlich hervorspringt. Ein wenig habe ich mich ja über die Mischung Vampir – Verhextsein gewundert, denn zwischen Vampiren und Hexen liegen ja schließlich Welten. Ich denke aber, dass es um 1890 für die Menschen da keine großen Unterschiede gegeben hat.
Das Ende dann hat mir besonders gefallen, zumal ich Prudence Rutledges plötzlicher Offenheit nicht so recht über den Weg getraut habe.

Wow, solch einem umfangreichen Sprechercast bin ich bei dieser Serie auch noch nie begegnet. Insgesamt 14 Sprecher sind hier am Werk, auch wenn es mir rückblickend gar nicht so vorkommt. Susanne Uhlen bin ich hier zum ersten Mal in einem Hörspiel begegnet und es hat mich sehr beeindruckt, wie sie die Prudence Rutledge spricht. Energisch, herrisch und selbstbewusst. Kein Wunder, dass die Herren da keine Wiederworte gegeben haben. Uli Krohm übernimmt den Part des vom Schicksal gebeutelten Sylvester Brand, und bringt die Stimmungsschwankungen dieses Mannes sehr glaubhaft rüber. Jochen Schröder leiht Diakon Hibben seine Stimme und man hört ihm dessen Unsicherheit mit jedem Wort an, hin und her gerissen zwischen der Pflicht als Kirchenmann und dem Druck der anderen Männer.

Keine Minute Hörspiel, die nicht untermalt wäre. Dezente, leise Klänge begleiten die Geschichte und verleihen ihr eine traumartige Atmosphäre. Eine Geräuschkulisse vom Feinsten sorgt zusätzlich für eine Stimmung, die die Abgelegenheit des Ortes deutlich macht. Stapfende, knirschende Schritte im Schnee, der bei Szenen außerhalb der Häuser allgegenwärtige Wind, wirklich gelungen.

Das Covermotiv ist sehr wirkungsvoll. Die weiß gekleidete Frau scheint auf einen zugeschwebt zu kommen und der winterliche Hintergrund lässt einen frösteln.

Fazit:  Auf eine ruhige, intensive Art eine sehr gelungene, atmosphärische Folge der Serie. Mir hat sie besser gefallen als so manch bekannter Klassiker.

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