Ohne Netz – Mein halbes Jahr offline (Alex Rühle / Heikko Deutschmann)

Titel:   Ohne Netz – Mein halbes Jahr offline / Verlag:   Der Audio Verlag / Laufzeit:   ca. 301 min / 4 CDs / Buch:   Alex Rühle / gelesen von:   Heikko Deutschmann

InhaltAlex Rühle ist ein Netzjunkie. Als SZ-Redakteur surft er durchs Netz, wo er geht und steht. Doch jetzt will er das größtmögliche Abenteuer: Netzentzug. Entschleunigung. Keine e-Mails, keine SMS – und das bei laufendem Redaktionsbetrieb. In Tagebuchform berichtet er vom kalten Entzug, von mitleidigen Kommentaren seiner Kollegen und steinzeitlichen Dialogen mit der Telefonauskunft.


Ein halbes Jahr ohne Handy und Internet. Wer kann sich das heute noch tatsächlich vorstellen? Und wer würde sich darauf heute noch einlassen? Alex Rühle hat es gewagt, was umso verrückter scheint, wenn man sich vor Augen hält, dass er schon von Berufs wegen täglich mit dem Netz zu tun hat. Es ist schon interessant seinen Tagebuchaufzeichnungen zu lauschen, und es ist erschreckend, wie oft man sich selbst darin wiedererkennt. Das regt zum Nachdenken an. Über das eigene Verhalten in Sachen Internet und Handy, aber auch darüber, ob Rühles Experiment tatsächlich eine solche Schnapsidee ist, wie man anfangs sicher dachte. Denn irgendwo ist scheinbar noch genug Erinnerung an die Zeit vor dem „Internet für Jedermann“ vorhanden, dass der Gedanke durchaus seinen Reiz hat. Größtenteils ist das Hörbuch wirklich interessant und auch unterhaltsam, amüsant oder gar witzig möchte ich es aber nicht nennen. Hier und da kann man schon mal schmunzeln, mehr ist es aber nicht. Vor allem gibt es auch immer wieder Abschnitte, in denen Rühle seinen Gedanken zu lange nachhängt oder zu sehr philosophiert. Die bremsen den Unterhaltungswert dann ziemlich aus.

Heikko Deutschmann liest locker weg, so dass es oft tatsächlich so klingt als erzähle er frei von Alex Rühles Experiment. Mir gefällt er eigentlich auch sehr, dass seine tiefe und ruhige Stimme etwas Seröses ausstrahlt, immerhin ich „Ohne Netz“ ja keine Comedy, aber an den amüsanten Stellen in Rühles Text hätte ich mir auch in seiner Stimme einen Funken mehr Humor gewüscht.

Was könnte als Covermotiv passender sein als ein Handy mit schwarzem Display, leerem Akku und keinerlei Netz? Noch viel besser gefällt mir aber die Gestaltung im Inneren des Digipaks. Dort gibt es einen mit einer dicken Kette samt Vorhängeschloss gesicherten PC zu sehen und solche Relikte wie echte Briefe

Fazit:   Eine Spur mehr Humor hätte die Geschichte sicher auch nicht in platter Comedy enden lassen. Das hat mir nach der Ankündigung eines „amüsanten“ Hörbuchs etas gefehlt. Davon abgesehen ist „Ohne Netz“ aber wirklich jedem zu empfehlen, der täglich mit dem Internet beschäftigt ist. Alex Rühles Tagebuch gibt einem zu denken…und das ist gut so!

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