Gruselkabinett (48) – Die Squaw

Titel:   Gruselkabinett (48) – Die Squaw/ Verlag Titania Medien / Laufzeit:   ca. 51 min / Sprecher:  Reinhilt Schneider, Viktor Neumann, Axel Lutter, Bettina Weiß, Boris Tessmann, Frank Gustavus

InhaltFrankfurt am Main um 1883: Amelia und George Price, ein junges Paar in den Flitterwochen, macht während seiner Reise durch das romantische DEutschland die Bekanntschaft von Elias P. Hutcheson, einem verwegenen Abenteurer aus Nebraska. Die Drei planen eine gemeinsame Besichtigung der Burg zu Nürnberg, in der die berühmte „Eiserne Jungfrau“, eines der grauenvollsten Folterwerkzeuge, dass die Menschheit je ersonnen hat, ausgestellt wird…


Der erste Eindruck von dieser Folge war bei mir sehr zwiegespalten. Bram Stoker, das klang gut. Man kennt ja seinen „Dracula“. Allerdings: „Die Squaw“…ich mag Indianergeschichten einfach nicht. Es war dann aber schon bald klar, dass ich eine solche auch nicht zu erwarten hatte. Diese Geschichte ist zweifellos sehr stimmungsvoll und atmosphärisch, da läuft es einem bei mancher Szene kalt den Rücken hinunter. Ich fand sie aber andererseits auch sehr vorausschaubar und in die Länge gezogen. Es ist ja gut und schön, wenn besondere Szenen voll ausgekostet werden um dem Hörer eine Gänsehaut zu verursachen, aber man kann es dabei auch leicht mal übertreiben, was bei „Die Squaw“ vor allem vor der Besichtigung der Burg der Fall ist. So rechtes Mitgefühl am Ende wollte in mir dann auch nicht aufkommen…wer wirft schon Kieselsteine um Katzen zu bespaßen?! Eine angemessene Vergeltung also. Dem Hörpiel kann man aus alldem allerdings keinen Vorwurf machen. Die Vorlage gibt diese Handlung halt vor und so müsste man eher sagen, dass Bram Stoker hier nicht gerade sein Meisterstück abgefasst hat.

Sechs Sprecher bringen „Die Squaw“ zu Gehör, von denen allerdings zwei direkt im -wenn man so will- Prolog ihren Einsatz haben und einer von ihnen in erster Linie schreiend zum Hörspiel beiträgt. Viktor Neumann als Erzähler und frisch gebackener Ehemann George hat mir sehr gut gefallen. Er hat eine ruhige, eindringliche Stimme, der ich gerne zugehört habe. Mit Reinhilt Schneider dagegen hatte ich zum ersten Mal überhaupt so meine Probleme. Ich mag ihre markante Stimme eigentlich sehr gerne, weil damit so viele Kindheitshörspiele verknüpft sind. Jetzt weiß ich aber, dass sie auch ziemlich nerven kann. Gut, sicher waren die Damen von 1883 deutlich zarter besaitet als sie es heute sind, aber dieses ständige Gejammere, Geheule und Klagen, da zerrt auch die tollste Stimme an den Nerven.
Ein großes Kompliment geht dafür an Axel Lutter, der den Museumsbesitzer so irre und unheimlich spricht. Mit dem wäre ich niemals auf eine Führung durch eine Folterkammer gegangen.

Die Untermaung fällt ruhig und dezent aus und wirkt so wirklich erstklassig. Es braucht eben nicht immer bombastische Stücke um ein Hörspiel wirkungsvoll zu machen, dafür liefert „Die Squaw“ den besten Beweis.

Die Eiserne Jungfrau, die in der Geschichte eine zentrale Rolle spielt, findet sich auf dem Cover ebenso wieder wie die schwarze Katze, die ja ebenfalls eine geradezu schicksalhafte Rolle einnimmt. Ein Museum in einem Burgkeller hätte ich allerdings in diesem Motiv nicht erkannt, dafür hätte es gerne etwas düsterer ausfallen dürfen.

Fazit:   Die Geschichte war mir -wie gesagt- teilweise zu sehr in die Länge gezogen und zu voraussehbar, was an der Erzählung von Stoker liegt. Titania hat hier mit den Sprechern und der düsteren Atmosphäre aber wieder Boden gutgemacht. Nicht die beste Folge, die mir im „Gruselkabinett“ bislang untergekommen ist, aber immerhin unterhaltsame  51 Minuten Hörspiel.

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