Prof. Sigmund Freud (01) – Das zweite Gesicht

Titel: Prof. Sigmund Freud (01) – Das zweite Gesicht / Verlag: STIL / Laufzeit: ca. 70 min / Sprecher: Hans Peter Hallwachs, Felicitas Woll, Andreas Fröhlich, Nicolas Artajo, Sascha Rotermund u.a.

InhaltEin mysteriöser Mordfall treibt den Gendarmen Karl Gruber erstmalig dazu, den Psychoanalytiker Sigmund Freud aufzusuchen. Die Tochter des Leiters des Wiener Burgtheaters wurde ermordet und die Umstände ihres Todes sind grausig: Die Leiche ist blutleer. Der Ermittler Gruber hegt einen Verdacht: In Wien treibt ein Vampir sein Unwesen. Sigmund Freud ist mehr als herausgefordert, dem Aberglauben ein Ende zu setzen und den wahren Täter zu überführen…


Mit ihrer ersten eigenen Hörspielserie begibt sich STIL in ganz neue Gefilde des Krimi-Hörspiels. Denn hier steht zwar ein Kriminalfall im Mittelpunkt, doch zur Gruppe der „Ermittler“ gehört niemand anderer als der berühmte Prof. Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse. Aus seinem Blickwinkel gelingt der Geschichte eine außergewöhnliche, aber dafür umso interessantere Sicht auf den mysteriösen Mord, für den offenbar ein Vampir verantwortlich ist. Denn bekanntlich splittet sich die menschliche Seele nach Freud in die drei Elemente „Ich“, „Über-Ich“ und „Es“ auf, und auf diese Art betrachtet er auch den Fall bzw den Täter. Sicher nicht einfachste Art der Betrachtung, doch werden die drei Faktoren im Hörspiel durch den Einsatz verschiedener Sprecher zugänglich und verständlich gemacht. Spannung verheißt außerdem die Tatsache, dass sich  ausgerechnet Freuds eigensinnige Tochter Anna in den Kreis der verdächtigen Personen begibt um bei den Ermittlungen zu helfen, sich so aber auch in höchste Gefahr bringt.

Hinsichtlich der Sprecher hat man sich nicht lumpen lassen, hier geht es durchweg hochkarätig zu. Hans Peter Hallwachs gibt einen erstklassigen Freud ab. Er klingt ruhig und sehr weise, was gut zu diesem Charakter passt. Felicitas Woll sorgt in der Rolle der sturköpfigen, aber gerade deshalb so sympathischen Anna, für einen gewissen Schwung in der Geschichte. Andreas Fröhlich übernimmt den Part des Gendarmen Gruber und machte ihn mir von Anfang an damit sympathisch, dass er zwar clever, aber durchaus auch sehr menschlich, manchmal gar ein wenig unsicher klingt.
Wie erwähnt sind auch das Über-Ich und Es stimmlich vertreten, und zwar durch Nicolas Artajo und Ctahleen Gawlich, die ihre „Rollen“ sehr eindruckvoll sprechen.

Die Musik wurde exklusiv für die Hörspiele komponiert  und vom Berliner Filmorchester eingespielt, was man auch mit jedem noch so kleinen Stück, noch so leisen Klang hört. Hier wird zu jedem Moment für eine passende und überaus dichte Atmosphäre gesorgt, die -ähnlich wie das menschliche Seelenleben- mal ruhig ausfällt, dann aber wieder aufgewühlt und unstet. Zudem greift die Untermalung die Zeit der Geschichte auf und lässt so die beginnenden 20er-Jahre aus den Lautsprechern klingen.

Auf dem Cover gruppieren sich Elemente der Geschichte um Freuds Konterfei, was die CDs im Regal zu einem echten Hingucker macht. Im Booklet findet man eine Reihe von Informationen über Freud, seine These vom „Ich“, „Über-Ich“ und „Es“ und einem seiner interessantesten Patienten. Das ist spannend und informativ. Ich hätte mir allerdings eine etwas besser lesbare Schrift dafür gewünscht, so viel Verständnis ich auch für die Auswahl dieser altmodischen Schreibmaschinen-Schrift habe.

Fazit:  Ein gelungener Start in eine neue Krimi-Hörspielreihe. Mit Freuds Sichtweise aus den drei Ebenen der menschlichen Seele erlebt man hier eine neuartige Herangehensweise an das Verbrechen, die deutlich verstörender wirkt als die „gängige“ Form der Ermittlungen, wie man sie aus klassischen Krimis kennt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: