Prof. Sigmund Freud (02) – Familienersatz

Titel: Prof. Sigmund Freud (02) – Familienersatz / Verlag: STIL / Laufzeit: ca. 70 min / Sprecher: Hans Peter Hallwachs, Felicitas Woll, Andreas Fröhlich, Nicolas Artajo, Wanja Mues u.a.

InhaltEin neuer Patient wird kurzfristig bei Sigmund vorstellig. Die Sitzung nimmt jedoch schon frühzeitig einen dramatischen Verlauf, als der Mann eine Waffe zieht: Er habe seinen Vater am Vortag ermordet und verlange vom Professor Absolution. Während Anna Karl herbeizitiert und beide angespannt vor dem Therapiezimmer beratschlagen, was man tun kann, um die Geiselnahme zu beenden, versucht Sigmund mit den Mitteln des Therapeuten, den Mann zur Aufgabe zu überreden, bevor ein Unglück geschieht…


Dass diese neue Serie keine Krimi-Unterhaltung von der Stange bietet, das hat bereits die erste Folge unter Beweis gestellt. „Familienersatz“ schlägt nun aber noch mal einen anderen Weg ein, der noch weniger mit dem gängigen Krimi-Stil gemein hat. Denn der Täter ist hier von Anfang an bekannt und auch der Hergang seiner Tat ist bald geschildert, so dass man als Hörer zumindest oberflächlich schon weiß, womit und mit wem man es zu tun hat. Diese Folge stellt Freuds Analyse des Mörders Harranth in den Mittelpunkt, und es ist sowohl spannend als auch interessant zu verfolgen, wie er nach und nach zum Anlass der Bluttat vordringt. Dabei spielen Ereignisse aus der Kindheit des Mörders eine Rolle, aber auch sein Verhältnis zu seinen Eltern und Geschwistern, was in klanglich vom Rest des Hörspiels abgesetzten Szenen hörbar gemacht wird. Natürlich spielen auch das „Ich“, das „Über-Ich“ und das „Es“  bzw der Disput zwischen diesen drei Freud’schen Seelenelementen in dieser Folge wieder eine wichtige Rolle und sind für mich eines der Highlights der Reihe bisher, zumal sie einfach genial umgesetzt sind.

Auch wenn die Sprecherliste recht umfangreich ausfällt, so bleiben einem nach dem Hören hauptsächlich zwei Sprecher im Gedächtnis. Hans Peter Hallwachs, der in dieser Folge einen großartigen Freud gibt, und Wanja Mues in der Rolle des Mörders Harranth, der die Zerrissenheit und Unberechenbarkeit dieses Charakters sehr gut darstellt.
Natürlich sind Felicitas Woll alias Anna und Andreas Fröhlich als Karl Gruber mit von der Partie, doch spielen sie nur am Rand eine Rolle.

Musikalisch lässt auch diese Folge nichts anbrennen, wobei die Untermalung sich überwiegend im Hintergrund hält und von dort ihre Wirkung entfaltet und der Geschichte die nötige Atmosphäre verleiht. Szenen, in denen die Musik in den Vordergrund drängt, sind selten, dafür aber sehr gut gewählt.

Prinzipiell hat sich an der Gestaltung des Covers nichts geändert. Erneut gruppieren sich Elemente der Geschichte um Freuds Charakterkopf. Im Booklet findet man informative Texte zu den Themen Familienaufteilung, Verschwiegenheitspflicht und Erziehung, die zwar sehr wissenschaftlich klingen, aber immer in Bezug zum Hörspiel stehen.

Fazit:   Mit dieser Folge kann man Freud wunderbar bei seiner Arbeit „über die Schulter schauen“ und verfolgen, wie auf diese Weise die Motive des Täters ans Licht geholt werden. Spannend und erschreckend, und zumindest für mich noch einen Tacken besser als die Einstandfolge.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: