Von Opfern und Tätern

Titel: Von Opfern und Tätern / Verlag: Feaer4Ears / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher:  Dirk Hardegen, Dilara Schröder, Matthias Ziegann, Hans-Henning Stober u.a.

Inhalt: Hamburg zur Weihnachtszeit. Güte und Milde liegen in der Luft die Menschen sind liebevoll und hilfsbereit… oder trügt der Schein? Manchmal lohnt sich der Blick HINTER die Fassade, um das wahre Gesicht eines treuen Gatten, einer braven Schülerin und eines liebevollen Bruders zu erkennen Oder die Motive eines eiskalten Killers zu verstehen.
Das Hörspiel -Von Opfern und Tätern-riskiert diesen zweiten Blick und lauscht in fünf Episoden hinter die Masken von vier Menschen, deren Weg sich schicksalhaft kreuzt. Danach wird nichts so sein wie zuvor…


Nichts ist entweder nur Schwarz oder Weiß. Das beweist dieses Hörspiel, das ein- und denselben Zeitraum und seine Ereignisse aus den Blickwinkeln verschiedener Personen beschreibt, sehr gut. Die Idee eines solchen Ablaufs ist zwar nicht die Neueste, sie wurde schon von verschiedenen Verlagen aufgegriffen. Trotzdem hat mir diese Geschichte gut gefallen, zumal sie anfangs die Charaktere nur oberflächlich beleuchtet, so dass zunächst alles harmlos wirkt. Bewohner einer Hamburger Stadtteils eben. Doch in den folgenden Kapiteln wird hinter die Fassaden geblickt und dabei offenbart sich Erschreckender. Gleichzeitig wird deutlich, dass ein eigentlich im Hintergrund verlaufendes Ereignis, mit ihnen allen im Zusammenhang zu stehen scheint. So wird man schnell neugierig, inwiefern und welche Auswirkungen es haben wird. Und natürlich auch, welcher Anlass ihm zugrunde liegt. Dieser Anlass war mir zwar etwas zu abgenutzt, doch hat mich das anschließende Kapitel mit einer tollen Wendung noch mal überraschen können. Vor allem gibt es Anlass zum Nachdenken, denn so ganz abwegig ist die Überlegung dahinter nicht…oder?

Was die Sprecherbesetzung angeht, hat Fear4Ears sich unüberhörbar gemausert. In „Von Opfern und Tätern“ tanzt kein einziger Sprecher aus der Reihe. Alle liefern eine rundum gute Leistung ab, wobei mir Dialara Schröder schon älter als 16 Jahre klang. Dirk Hardegen als Claas gelingt es gut, zunächst den biederen Saubermann zu geben, nur um ein Kapitel später den Widerling heraushängen zu lassen, der Claas eigentlich ist. Christian Senger alias Frederik bringt die Verzweiflung dieses Charakters beeindruckend und glaubhaft an den Hörer und macht so sein Handeln ein Stück weit durchaus nachvollziehbar.

Aus der Soundtrack kann sich hören lassen, so gemischt er auch daher kommt. Mal sind rockige, laute Stücke zu hören, vornehmlich bei actionreicheren Szenen, dann erklingen aber auch wieder ruhige und leicht düstere Melodien zu dramatsichen und verstörenden Passagen. Auch normale Radiomusiken sind immer wieder in diversen Szenen zu hören. Etwas unentschlossen bin ich darüber, ob ich es gut finden soll, dass keine weihnachtlichen Klänge zum Einsatz kommen. Das Hörspiel spielt einen Tag vor dem Heiligen Abend. Da wäre solche Musik berechtigt gewesen. Zudem hätte sie dem Drama sicher zusätzlichen Schrecken verliehen: ein solches Grauen vor solch friedlichem Hintergrund. Andererseits: Weihnachtsmusik in einem Hörspiel, das im Mai erscheint? So gesehen auch wieder fehl am Platze.
Eine ordentliche Geräuschkulisse rundet diesen Bereich ab. Nur eine Frage: wieso haben alle Charaktere den gleichen Klingelton im Handy? 😉

Das Cover zeigt sich unspektakulär schwarz-weiß. Das passt gut zur Story, doch ein Hingucker wird die CD im Ladenregal so wohl eher nicht sein.

Fazit:  „Von Opfern und Tätern“ hat mir gut gefallen. Diese Art des Verlaufes ist mal etwas anderes und wird hier  für eine interessante Geschichte genutzt, die mit einem gewitzten Ende aufwartet. Eine unterhaltsame Hörspiel-Stunde.

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