Flattertiere wie Vampire

Titel: Flattertiere wie Vampire / Verlag: Maritim / Spielzeit: ca. 63 min / Sprecher: Sascha Draeger, Alexandra Doerk, Michael Weckler, Gabi Blum, Karin Eckhold u.a.

InhaltVampire in Wokingham – das ganze Dorf ist in heller Aufregung. Zumal die seltsamen Flattertiere nicht nur auf Blut aus sind, sondern sich auch mit Benzin, Strom, Milch und sogar mit dem guten Whisky vollaufen lassen. Und die Gebissenen machen dann Sachen, die ihnen niemand zugetraut hätte.


Heute hat es seit Langem mal wieder ein schon älteres Hörspiel auf diese Seite geschafft, das aber zu meinen All-Time-Favorites zählt. Warum? Weil ich es für ein Kinder-Hörspiel schon sehr gewagt finde. Natürlich, die Hauptcharaktere sind zwei Kinder und an dieser etwas sonderbaren Art von Vampiren, die Strom, Milch und Whiskey saugen, kann man auch erkennen, dass es keine Gruselgeschichte ist. Und doch! Denn auch wenn es die Vampire nicht auf Menschenblut abgesehen haben, sie greifen durchaus Menschen an. Und in dem kleinen Dörfchen werden allerlei Schauergeschichten über die Vampire erzählt, die zwar meist auch eine lustige Seite haben, aber immerhin so eindrucksvoll unheimlich erzählt werden, dass man schon mal eine Gänsehaut bekommen kann. Zudem geht die Geschichte mit dem Thema Tod sehr offen um. Da wird bei einem Kind mit einem aufgeschlagenen Knie pro Forma schon mal Maß für den Sarg genommen. Da droht ein Friedhofsgärtner der Regierung, ihnen Särge mit Leichen drin zu schicken, wenn sie ihm keinen größeren Friedhof zugestehen. Da wird sehr peittävoll für Trauerkleidung  damit geworben, dass es sich beruhigter sterbe, wenn man wisse, dass alle Gäste der Beerdigung mit dieser Kleidung ausgestattet sind, da wird einer Person offen das wohl nahe Ende prophezeit… Trotz einem guten Schuss Humor und dem Wissen, dass die Vampire nicht den Tod, sondern eher wertvolle Fähigkeiten bringen, doch ungewöhnlich für ein Kinderhörspiel.

Mit Sascha Draeger ist eine aus Kinder- und Jugendhörspielen hinlänglich bekannte Stimme in einer der Hauptrollen, als Cedric, zu hören. Da er Dank Serien wie „TKKG“ einer DER Sprecher für jugendliche Rollen ist, passt er auch gut zu diesem Part. Cedrics Freundin Goody wird von Alexandra Doerk gesprochen, ebenfalls aus zahlreichen Europa-Hörspielen bekannt. Ihr nimmt man die gewitzte und mutige Goody sofort ab. Mit u.A. Franz Josef Steffens, Manfred Schermutzki und Karin Eckhold sind noch viele weitere vertraute Hörspiel-Stimmen mit dabei.

Nachdem schon im Abschnitt zu den Sprechern das Wort „Europa“ gefallen ist, geht es hinsichtlich der musikalischen Untermalung gleich damit weiter. Denn die meisten der Melodien, die die Geschichte begleiten, kennt man als Kassetten-Kind bereits: aus zahlreichen Hörspielen von Europa aus den 70ern und 80ern. Sie stehen dieser Maritim-Geschichte ebenfalls sehr gut und lassen schnell das Flair und den Charme dieser alten Hörspiele aufkommen.

Das Bild auf dem Cover passt gut zum Untertitel „Eine unheimlich Geschichte von Othmar Franz Lang“. Gleichzeitig sieht man ihm aber auch an, dass es sich um eine Geschichte für junge Hörer handelt, dafür bürgt der Stil, der an ein Bilderbuch erinnert. Der Rahmen drum herum wirkt reichlich einfallslos. Und dem setzen die Innenseiten des Booklets noch die Krone auf, denn die sind leer. Da hätte es dann auch ein Einleger getan.

Fazit: Eine witzige und -für die angepeilte Altersgruppe- sehr gewagte Geschichte, an der auch Erwachsene ihren Hörspass haben werden. Allerdings klingt sie von den Sprechern bis hin zur Untermalung trotz Maritim-Logo auf dem Cover ganz klar nach Europa.

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