Der Spiegel im Spiegel – Der erste Buchstabe

Titel: Der Spiegel im Spiegel – Der erste Buchstabe / Verlag: Steinbach Sprechende Bücher / Spielzeit: ca. 155 min / Sprecher: Uwe Friedrichsen, Mario Adorf, Carlo von Tiedemann, Joachim Kerzel u.a.

Inhalt: Michael Ende beschrieb sein Traumlabyrinth aus Kurzgeschichten nicht umsonst als „Welt(innen)raumfahrt“. Themen wie Selbstbestimmung, Freiheit und Individualität umkreisen sich hier, ganz im Sinne einer meditativen Kunst, wie die Gestirne am Firmament. Bilder seines Vaters dienten dem Autor als Vorlage für diese faszinierende Welt voller schillernder Figuren und Ereignisse.


„Bilder seines Vaters dienten dem Autor als Vorlage für diese faszinierende Welt[…]“, diese Aussagen glaube ich nach dem Hören dieses Hörspiels sofort. Denn Michael Endes Vater war Maler, der sich auf surrealistische Bilder spezialisiert hatte. Und auch die Geschichten dieses Hörspiels wirken äußerst surreal. Ausgestattet mit illustren  Charakteren und einer traumartigen Atmosphäre rühren sie die tiefsten Ängste der Menschen an und attackieren zielgenau deren Schwachstellen. Anfangs war ich noch im Glauben, es müsse sich irgendwann ein Zusammenhang zwischen den Erzählungen offenbaren, doch das stimmt so nicht. Zwar tauchen gewisse Motive in verschiedenen Geschichten auf, doch einen inhaltlichen Zusammenhang gibt es so nicht. Dennoch hinterlässt es insgesamt Eindruck: ein bedrücktes Gefühl, dem auch eine gewisse Spur Angst innewohnt, und eine ordentliche Menge an Fragen zum eigenen Wesen, die man sich als Hörer anschließend unweigerlich stellt.

Es ist müßig sich über die Sprecherleistungen groß auszulassen. Bei Namen wie beispielsweise Mario Adorf, Uwe Friedrichsen, Andreas Fröhlich, Frank Glaubrecht, Helmut Krauss und Tobias Meister wird schnell klar, dass quasi die Creme de la Creme diese traumhaften Geschichten zu Gehör bringt. Entsprechend hat man hier nichts zu befürchten. Ganz im Gegenteil hatte ich das Gefühl, dass alle Sprecher -die man ja auch aus zahlreichen anderen Hörspielen kennt- sich hier noch mehr ins Zeug gelegt haben.

Die traumhafte Atmosphäre geht zu einem großen Teil selbstverständlich auf das Konto der Untermalung, die sich zwar stets eher leise im Hintergrund hält, von dort aber ausgezeichnet ihre Wirkung entfaltet. Sie zeigt sich abwechslungsreich, aufwändig und der Stimmung der Geschichten sehr gut angepasst.

Für das Cover wurde Edgar Ende Bild „Der Winter“ gewählt, die CDs werden von seinen Gemälden „Die Mittagsstunde“ und „Am Ufer“ geziert. Interessant und schön anzusehen laden sie dazu ein, zu überlegen, zu welcher Geschichte sie Michael Ende inspiriert haben. Im Booklet finden sich Infos über Michael Ende und seinen Vater Edgar, sowie ein Interview mit den beiden Sprechern Klaus Ude und Annelie Krügel.

Fazit: Sicher nicht jedermanns Sache, aber auf jeden Fall ein im positiven Sinne ausgefallenes Hörvergnügen. 14 traumartige Geschichten, die den Hörer schnell in den Bann ziehen und sie im Innersten anrührt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: