Dark Life (01) – Nowbacks Geheimnisse

Titel: Dark Life (01) – Nowbacks Geheimnisse / Verlag: Bellgatto Audio / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Gordon Piedesack, Tatjana Auster, Götz Schulte, Martin Sabel u.a.

Inhalt: Jede Stadt hat ihre Geheimnisse. Doch in Nowback kann ein neuer Job zum Höllentrip werden. Ben Richards ist auf der Suche nach Arbeit, doch was er findet zeigt ihm die dunkle Seite der Nacht. Mitten unter den Menschen leben Vampire und Dämonen. Die Ermittlerin Julie Barks folgt einer Spur ins Greenham Viertel und findet sich inmitten eines mörderischen Experiments wieder. Hier werden Retter zu Gejagten und Wesen der Nacht zu Opfern. In Nowback ist Nichts wie es scheint. Eine Stadt voller dunkler Geheimnisse. Erlebe Dark Life!


Es ist nicht das beste Zeichen, wenn ich ein Hörspiel viermal hören muss ehe ich mit Fug und Recht behaupten kann, alles soweit durchblickt zu haben. Es hat mir geholfen, mir in Erinnerung zu rufen, dass Bellgattos Serie „Dark Life“ zwar den gleichen Schauplatz hat, sonst aber für sich abgeschlossene Geschichten zu Gehör bringt. Damit war der Druck weg, dass mir etwas entgehen könnte, wenn ich auch nur eine Sekunde weghöre. Und das mit dem Weghören ist leider öfters passiert. Wieso? Weil mich „Nowback“ schlichtweg verwirrt hat. Für mein Empfinden fehlt der Story zunächst so etwas wie ein Fundament. Wenn man eine skurrile Stadt wie Nowback kreiert, dann darf man sich schon eine Folge lang die Zeit nehmen, sie einzuführen, vorzustellen, damit der Hörer sich nicht blindlings hineingeschubst fühlt und so viele Sachen aus dem Stehgreif als Gegeben hinnehmen muss. Der zweite Grund sind die Charaktere. Zugegben, hier hat man es mit einer mächtig bunten Truppe zu tun -ein trotteliger Dämonenjäger, ein haariger, zwielichtiger Clubbesitzer, ein verrückter Wissenschaftler und ein pizzabackender Mafiosi, die unvermeidlichen Vampire- , aber in der Masse ist mir das zu viel des Guten. So als habe man auf Biegen und Brechen versucht, eine Mannschaft ins Rennen zu schicken, wie es sie sonst noch nirgends gibt. Das mag ja stimmen, aber alles zusammenzumischen, was die Welt des Übersinnlichen und die des Verbrechens hergibt, das alleine macht’s nicht und wirkt überladen. Über diesen beiden „Problemen“ ist mir dann nicht nur einfach der roten Faden aus den Augen geraten (den habe ich erst nach mehrmaligem Hören auf die Reihe bekommen), sondern auch die Spannung blieb völlig auf der Strecke. Mir war gar nicht klar, worin das Problem eigentlich besteht, wegen dem die alle in Aufruhr sind. Und sowas wie Flair oder Atmosphäre, wie sie zu einer kriminell-schauerlichen Geschichte, kommt ebenfalls zu keinem Moment auf. Auch nicht nach viermaligem Hören.

Was die Sprecher anlangt könnte man zusammenfassend sagen: wo viel Licht, da viel Schatten. Will heißen mit Sprechern wie Gordon Piedesack als Erzähler, Patrick Bach als Klein-Ganoven Rick, Sascha Rotermund als irrer Wissenschaftler und Robert Missler als Schläger hat man eine ganze Reihe Stimmen am Start, die ihren Job wirklich sehr gut machen, da gibt es nichts. Allerdings fallen daneben die weniger prominenten Stimmen umso mehr auf. So hoffe ich beispielsweise sehr, dass der Charakter des frisch ernannten Dämonenjägers Ben Richards wirklich so deppert angedacht war, wie er bei Thomas Schweins klingt. Tatjana Auster gelingt es leider auch nicht, der Vampirin Julie Profil zu verleihen. Es ist ja okay, wenn man sagt, man wolle keine 0815-Charaktere, aber IRGENDWAS sollte sie schon auszeichnen. Aber die Vampirin klingt weder cool, noch sexy…eben einfach nicht speziell! Und dabei sind Vampire doch speziell! Mensch…

Der Titelsong kommt rockig daher, das gefällt mir, die leise, geheimnisvolle Stimme darin kann sich ebenfalls hören lassen. Wieso konnte nicht auch der Song im Abspann diesen Stil haben? Da habe ich mich ganz im Gegensatz in einen Musical-Saal versetzt gefühlt. Nichts gegen Musicals, im Leben nicht, aber doch nicht bei einem Dark Mystery Krimi!
Die sontige Untermalung geht unterm Strich in Ordnung, manche Stücke hätten gern leiser ausfallen dürfen, das hätte eventuell etwas Atmosphäre reingebracht, und kürzer wäre hier und da auch nicht schlecht gewesen. Es braucht kein halbes italienisches Lied um das Flair einer Pizzeria aufkommen zu lassen. Gleiches gilt für die Geräusche. Oft können sie überzeugen, oft genug aber auch nicht. So ist es z.B. reichlich viel Getippe für die kurzen Chat-Sätze, und die Schlägereien klingen so authentisch wie bei Bud Spencer.

Das Cover gefällt mir. Schlicht aber wirkungsvoll mit der scheinbar in Blut getauchten Skyline und darüber die Monster-Fratze. Auch das Innere des Booklets ist schön gestaltet und bietet in diesen Bildern einen Einblick in die Geschichte.

Fazit:  Ich muss es leider sagen: mich hat der Start der Reihe nicht überzeugen können. Mangels besagtem Fundament verwirrend, unspannend, von den Charakteren her zu sehr auf „sowas gab’s noch nie“ getrimmt, was in Summe überladen wirkt  und ein zu großes Gefälle zwischen Profi-Sprechern und solchen, die noch nicht so trainiert sind.

 

 

 

 

1 Comment

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  1. Hallo Pelznase,

    ich muss dir in allen Punkten zustimmen und auch sofort wieder in allen Punkten widersprechen.

    Die „Überladung der ersten Folge“ ist ein Fluch in Serie, den man als Produzent egal welcher Serie auch immer als gegeben hinnehmen muss. Nimmt man sich die Zeit erstmal alles ausführlich darzustellen und den Knopfannäher des dritten Vampirs in der letzten Reihe hinten links ein Gesicht zu verleihen das man auch als Hörer in Erinnerung behält, so ist das „falsch“. Nimmt man sich nicht die Zeit sondern läßt den Zuhörer erstmal kopfüber in die Geschichte platschen um ihm dann nach und nach so alles zu erklären, so ist das „falsch. Egal wie, „falsch“ ist es 50/50 eh!

    Ich höre nicht mehr viele deutsche Hörspiele, gerade weil mir die meisten Geschichte zu verworren, also zu deutsch, und auch teilweise mit einem erzieherischen Zweck versehen („Wir sind Radio, wir haben einen sozialen Auftrag!“), sind. DARK LIFE 1 habe ich mehrfach gehört und dies gerade aus dem Aspekt heraus, das es eben eine Art „Easy Listening“ auf nichtdeutschen Wegen ist. Hörspiele bei denen man, ob der Verworrenheit der Geschichte, eine Hirnblutung beim hören bekommt, sind ja nicht wirklich gute Unterhaltung. Hier machen uns Deutschen die Briten und Amerikaner vor, wie es gehen kann OHNE zu viel Aufgeblähe und OHNE zu viel Krampf beim Setting und Acting. Diese Länder unterscheiden auch nicht E- und U-Musik, so wie wir, welches sich an sich schon ad absurdum führt und den Grad der Wichtigkeit solcher Schulbladen für uns erkennen läßt.

    Das der Mix aus Profis und Nichtprofisprechern vielen nicht bekommt, ist mir klar, und ich gebe gerne zu das auch ich ein paar „Nu, mach aber mal ein bisschen Druck auf die Luftröhre!“ hatte – das ist der Deutsche in mir *lol*. Doch hat mich das nicht heftigst gestört, denn ich habe es als das angesehen, als das es eigentlich dienen sollte: Unterhaltung…nicht Gehirnchirurgie.

    Sicher, Rezis müssen sein, aber evtl. kann man auch mal die ganze Sache als das betrachten, was sie sein sollte: Triviales zur Unterhaltung und keine hörbaren goetesken Werke die sich der schwere einer deutschen Existenz bemächtigen um dan so zu unterhalte das man nach de hören bedrückter ist als vorher.

    Just my 2 Cents…keep it up! 😉

    Gruß – Thomas

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