Grabesgrün

Titel: Grabesgrün / Verlag: Argon Verlag / Spielzeit: 155 min / Sprecher: Benjamin Sadler, Luise Helm, Christian Tasche, Natalie Spinell

Inhalt:  Er ist ein erfolgreicher Ermittler. Man vertraut ihm schwierige Fälle an. Er löst sie alle. Bis eine Leiche gefunden wird – an dem Ort, der seine tiefsten Ängste weckt … In der Ausgrabungsstätte Knocknaree bei Dublin wird ein Mädchen tot aufgefunden, aufgebahrt auf einem Opferaltar. Der junge Ermittler Rob Ryan und seine Partnerin Cassie Maddox übernehmen den Fall. Doch alle Spuren führen nur tiefer in ein unergründliches Dickicht. Und niemand darf erfahren, was mit Ryan vor zwanzig Jahren im Wald von Knocknaree geschehen ist.


Beim ersten Hören ist es „Grabesgrün“ zwar gelungen, mich mit der ersten Szene mit den Kindern im Wald zu packen, als die Handlung dann aber mehrere Jahre voran ins Heute sprang, erschien sie mir zunächst wenig interessant. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich „Grabsgrün“ dann doch noch eine weitere Chance eingeräumt habe, denn es dauert nach diesem Sprung in der Zeit wirklich nicht lange bis einen die Geschichte wieder am Schlafittchen hat. „Grabesgrün“ ist ein vielschichtiger Krimi. Da ist natürlich der Fall um die Mädchenleiche, ebenso interessant sind aber auch die Charaktere, vor allem die Hauptprotagonisten, die Ermittler Robert und Cassie. Beide haben ihre Geheimnisse, beide tragen ein trauriges Erlebnis in ihrem Leben mit sich herum, beide haben ein sehr spezielles Verhältnis zum anderen. Und dann haben wir da noch Roberts Kindheitstrauma, das sich in Einschüben immer wieder in die Handlung mischt, so dass einem bald der Verdacht kommt, dass diese Ereignisse auf irgendeine Art mit dem aktuellen Fall in Verbindung steht. Zunächst füttert einen „Grabesgrün“ mit massig Fragen, dann überrascht es einen mit Auflösungen und Zusammenhängen, die sich auftun, jedoch ohne jemals die Spannung auszubremsen. Es ist kein Hörspiel, das man sich mal so nebenbei anhören kann, man muss schon aufmerksam dabei sein, sonst verliert man schnell der Überblick. Aber diese Aufmerksamkeit hat die Geschichte sich auch verdient. Ein großes Lob geht vor allem an die düstere, bedrückende Atmosphäre, die mir sehr gut gefallen hat.

Ich muss zugeben, dass mir von der Sprecherliste lediglich Luise Helm etwas sagte, wenn auch nicht viel. Sie übernimmt den Part der Emittlerin Cassie und bringt die verschiedenen Facetten dieser Person sehr gut zum Ausdruck. Mal burschikos, aber auch mal verletzlich, aber stets undurchschaubar. Ihr zur Seite steht Ermittler Robert, gesprochen von Benjamin Sadler, der mir speziell in den Passagen gefallen hat, in denen er von den Erlebnissen aus Roberts Kindheit erzählt. Dumpf, betroffen mit einer gewissen Distanz, die er dazu aufgebaut hat, die man ihm aber trotzdem nicht so richtig abnimmt.

Seine düstere Atmosphäre verdankt „Grabesgrün“ natürlich in erster Linie, der Untermalung, der es nicht nur gelingt, spannende Szenen gekonnt zu begleiten, sondern die nahezu durchweg für eine unwirkliche Stimmung sorgt. Viele Szenen wirken dadurch fast wie Träume während sie oft erschreckende Ereignisse schildern.

Die schwarzen Vögel auf dem Cover passen gut zum Titel, ebenso die Bäume, die wie Schattenrisse wirken. Zusammen mit den nur angedeuteten Farben ergibt sich eine interessante Mischung, die für mein Empfinden ebenso unwirklich wirkt wie Teile des Hörspiels.

Fazit:  Der zweite Anlauf mit „Grabesgrün“ hat sich gelohnt. Ein auf verschiedenen Ebenen interessanter und spannender Krimi. Mal etwas anderes aus diesem Genre!

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