Mindnapping (04) – Flutnacht

Titel: Mindnapping (04) – Flutnacht / Verlag: Audionarchie / Spielzeit: ca. 71 min / Sprecher: Udo Schenk, Christian Stark, Marion von Stengel, Reent Reins

Inhalt: Tim Felton nimmt nach dem Unfalltod seiner Freundin den Job als Vogelwächter auf Brooks Island an – eine einsame Insel an der Küste vor Maine. Das beschauliche Forscherleben endet jäh, als Tim Hinweise entdeckt, dass sein Vorgänger unter mysteriösen Umständen verschollen ging und eine geheimnisvolle Schiffbrüchige auf Brooks Island angespült wird. Wenig später weiß Tim nicht mehr, ob er seinen Sinnen trauen kann oder ob er das Schicksal des letzten Vogelwartes teilen wird: Paranoia, Wahnsinn und Tod…


Eine einsame Insel im Meer, ein Mann, der sich nach dem Tod seiner Frau zum Arbeiten dorthin zurückzieht, ein altes Tagebuch mit seltsamen und beängstigenden Einträgen… Gleich von Anfang an herrscht in dieser Geschichte eine bedrückende Atmosphäre, die einen ahnen lässt, dass auf dieser Insel noch Unheil geschehen wird. Das schleicht sich allerdings quasi an. Zunächst wird dem Hörer die Chance gegeben, sich den Schauplatz zu Eigen zu machen, und Forscher Tim „kennenzulernen“. Erst dann nehmen die seltsamen Vorkommnisse ihren Lauf und ehe man es sich versieht, steckt Tim in mächtigen Schwierigkeiten. Und genau wie er weiß man nicht, was auf dieser Insel vor sich geht, stellt Vermutungen an und lässt sich immer wieder auf’s Neue an der Nase herumführen. Mir hat es gefallen, wie allmählich sich die Geschichte entwickelt, wie sich Tims Lage immer mehr zuspitzt und welche Wendungen die Geschichte speziell zum Ende hin nimmt. Allerdings war sie mir doch zu wenig Psychothriller, trotz der bedrückenden Atmosphäre und einer aus einer Anstalt ausgebrochenen Patientin. Das letzte Kapitel hat das dann aber doch noch ein wenig aufgewogen, denn diese Entwicklung kommt wirklich unerwartet, ist sehr offen gehalten, aber dennoch äußerst bedrohlich.

„Flutnacht“ kommt mit nur vier Sprechern aus. In der Rolle des Tim Felton ist Christian Stark zu hören, der mir mit seiner ruhigen, nachdenklichen, aber festen Stimme schnell sympathisch wurde und mit dem ich bald Mitgefühl wegen seiner Situation hatte. Udo Schenks Auftritt als Graham Fenn hat mich überrascht, zumal er hier nicht wie der Vorzeige-Bösewicht klingt, als den man ihn aus vielen Hörspielen kennt. Eine nette Abwechslung und auch dieser Ton liegt ihm gut.
An Marion von Stengel alias Susan,  musste ich mich erst mal gewöhnen. Ihre kühle Stimme, der herrische Tonfall, das hebt sich von den übrigen Sprechern deutlich ab. Womöglich auch, weil sonst nur Männerstimmen zu hören sind. Zu ihrem Part und Charakter passt diese Redweise aber einwandfrei.

Die bedrückende Atmosphäre verdankt das Hörspiel nicht zuletzt auch seiner Untermalung. Häufig sind leise, zwar einfache, aber wirkungsvolle Stücke zu hören, die die Einsamkeit der Insel und die Trostlosigkeit von Tims Situation noch unterstreichen. An Geräuschen gibt es vornehmlich Meeresrauschen und Möwengeschrei zu hören, so dass man sich schnell so fühlt als wäre man ebenfalls auf Brooks Island, aber auch eine ganze Reihe weiterer Geräusche machen das  Geschehen auf der Insel vorstellbar.

Ein kaputtes Boot an einem Strand…selbst dem Covermotiv kann man eine gewisse Trostlosigkeit nicht absprechen. Gut, dass das so gut zur Story passt. Und auch die CD-Gestaltung selber gewährt einen Blick auf Brooks Island.

Fazit: Eine wirklich tolle Atmosphäre und eine spannende Geschichte, die bis zum Ende hin mit Überraschungen aufwartet. Aber für meinen Geschmack etwas zu wenig „Psycho“.

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