Mein Tag

Titel: Mein Tag / Verlag: Hystereo / Spielzeit: ca. 65 min / Sprecher: Achim Schüle, René Wedeward, Stephan A. Tölle, Martin May, Arja Sharma, Sönke Fahl ua.

Inhalt 250.000 Euro – die Chance des Lebens? Während der Versager Martin Haas aus seinen Drogengeschäften aussteigen möchte, könnte der Videothekar Viktor Thierssen mit ihnen den Pfandkuckuck aus seiner Wohnung vertreiben. Allerdings gibt es da noch den Schläger Dirk Berger, der das Geld seinem Besitzer wiederbringen muss. Und Hauptkommissar Walter hofft kurz vor seiner Pensionierung auf den großen Fahndungserfolg …


Bei diesem Hörspiel muss ich jetzt in gewisser Weise differenzieren. Was den Verlauf anbetrifft, so finde ich es wirklich sehr gelungen und clever erdacht. Dieses Prinzip quasi vier Personen zu nehmen, die anfangs in keinerlei Verbindungen zu einander stehen, die aber Dank eines Ereignisses plötzlich mehr miteinander zu tun haben / bekommen als manchem von ihnen lieb ist, und deren Schicksale an einem Punkt zusammenlaufen…das hat seinen Reiz. Zudem erlebt man gegen Ende, als man die Geschichte schon für abgeschlossen hält, noch mal eine unerwartete und unterhaltsame Wendung. Vom Verlauf her also eine reizvolle Story, ganz ohne Frage. Dass sie mir inhaltlich nicht zugesagt hat, das liegt daran, dass ich mit Geschichten um Dealer, Schläger, Betrüger und andere (klein)kriminelles Volk einfach nichts anfangen kann. Hinzu kommt noch, dass „Mein Tag“ kein Hörspiel für nebenbei ist. Man muss schon gut zuhören um durchzublicken. Nun empfinde ich es aber nicht als unterhaltsam, wenn ich in „Habt Acht-Stellung“ an den Lautsprechern sitzen muss, damit ich alles mitbekomme und durchschaue. Einmal habe ich das dann tatsächlich so durchgezogen, da hat es geklappt, alle Versuche vorher „Mein Tag“ nebenbei zu hören, sind spätestens im 5. Kapitel beim Auftritt des vierten Kerls gescheitert. Ich wusste nicht mehr, wer da gerade zugange ist, wo und weshalb eigentlich.

Der wesentliche Grund dafür, dass ich schnell den Überblick verloren hatte, liegt bei den Sprechern. Nicht was ihre Leistung angeht, die ist nahezu durch die Bank sehr gut. Martin May, Achim Schülke, René Wedeward, Stephan A. Tölle und auch die Sprecher in den kleineren Rollen liefern einen prima Job ab, da gibt es nichts auszusetzen. Leider habe ich aber keine dieser vier Stimmen als besonders markant empfunden, für mich klangen sie alle sehr ähnlich. Da hätte ich mir einen Erzähler gewünscht, der klar macht, wem der Vieren man gerade folgt. Denn nur anhand der Stimmen konnte ich sie nicht unterscheiden, was dazu führte, dass ich im Nu aus der Geschichte raus war.

Der Musik und den Geräuschen habe ich nichts vorzuwerfen. Düstere, getragene Stücke, die für angespannte und bedrohliche Atmosphäre sorgen, untermalen die Geschichte und verleihen ihr Flair. Bei den Geräuschen sind mir speziell die Telefongeräusche wie zB das Klingeln oder Vibrieren in Erinnerung geblieben. Auch wenn mein Telefon / Handy ganz anders klingt, ich habe jedes Mal in ihre Richtung aufgeschaut. Auch die übrigen Geräusche sind gut gewählt und eingesetzt und veranschaulichen die Handlung.

Das Covermotiv macht sofort deutlich, dass hinter dem so harmlos klingenden Titel bei Weitem keine harmlose Geschichte steckt. Und das macht neugierig.

Fazit:   Wie gesagt: der Verlauf ist clever erdacht und hat seinen Reiz. Jemand, der kein Problem damit hat, hochaufmerksam einem Hörspiel zu lauschen, und der obendrein noch Spass an Dealer-Schläger-Erpresser-Storys hat, der ist mit „Mein Tag“ sicher bestens bedient. Da kann ich es empfehlen. Ich gehöre zu keiner der beiden Gruppen, daher war „Mein Tag“ storytechnisch gar nicht mein Fall.

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