Geisterritter (Hörspiel)

Titel: Geisterritter / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 135 min / 2 CDs / Sprecher: Martin Baltscheit, Leon Alexander Rathje, Carla Sachse, Rainer Strecker, Christine Pappert ua

Inhalt: Geister, Ritter, Abenteuer! Fesselnde Freundschafts- und Internatsgeschichte. Jon Whitcroft ist in ein gruseliges englisches Internat gesteckt worden. Schon in der sechsten Nacht starren drei Geister in sein Fenster. Doch zum Glück findet er jemanden, der sich mit sowas auskennt!


Ich kenne nicht viele Bücher, die es neben dem Hörbuchformat zusätzlich auch noch ins Hörspielformat geschafft haben. Eines davon sind jedenfalls Cornelia Funkes „Geisterritter“. Meine Meinung über die Geschichte kann man sich hier durchlesen. Darauf möchte ich deshalb hier nicht erneut eingehen. Inhaltlich ist es schließlich identisch. Vorweg: mir hat das Hörspiel noch besser gefallen als das Hörbuch.
Ich möchte hier jetzt ein wenig darüber erzählen, wieso das so ist. Und die „Geisterritter“ sind dafür in jeder Hinsicht absolut geeignet. Generell ist zu sagen, dass das Hörspiel einfach dynamischer wirkt. Zwar ist die Handlung nicht langweilig, es geschieht wirklich eine ganze Menge und man hat es auch mit einer Reihe lebender (und toter) Charaktere zu tun, aber es fällt eindeutig leichter, sie sich zu merken. Da ist nicht dieses „von dem habe ich doch zB auf der letzte CD gehört“, sondern man hat eine eindeutige Stimme im Ohr und weiß sofort, wer da gerade in Aktion ist. Und diese Stimmen, die Art wie der Sprecher seinem Charakter Profil verleiht, gibt einem nach und nach auch einen klaren Eindruck vom Wesen der Person mit an die Hand. Ob Rainer Strecker Ella frech und zickig spricht, oder ob da eine junge Sprecherin draufloszickt…das macht bei mir was die Vorstellung von Ella angeht einen ganz klaren Unterschied. Und natürlich gilt dies auch für die übrigen Charaktere, Ella war jetzt nur das auffälligste Beispiel. Weiterhin kann ich mir gut vorstellen, dass durch diese Dynamik, diese Vielseitigkeit das Hörspiel auch eher etwas für junge Hörer ist als das Hörbuch. 5 CDs einem Sprecher zuzuhören, das fällt mir als altersmäßig 😉 nicht mehr Kind schon recht schwer, wie mag es damit einem Kind oder auch Teenager gehen? Das fällt leichter, wenn da auch „im Ohr“ mehr los ist als wenn dort nur eine Stimme am Werke ist. Natürlich muss man klar sagen, was als Hörbuch auf 5 CDs passt, das wurde für das Hörspiel auf 2 CDs gestaucht. Und ja, da fehlt einiges. Meistenteils aber an beschreibenden Passagen, denn die braucht man im Hörspiel nicht unbedingt. Jedenfalls nicht in dieser Fülle. Es sei denn, man will sämtliche Dynamik direkt wieder untergraben. Inhaltlich hat es mir aber auch auf 2 CDs an nichts gefehlt. Die Handlung ist auch so spannend, interessant, gruselig, hier und da auch lustig UND vor allem schlüssig!

Der arme Rainer Strecker! Wie vielen Charakteren musste er beim Hörbuch Stimmen verleihen? Die Sprecher des Hörspiels durften sich diese Mammutaufgabe teilen. Die Freunde Jon und Ella werden von Leon Alexander Rathje und Carla Sachse gesprochen, und ich mochte die beiden auf Anhieb. Beide klingen wunderbar locker. Mir hat Carla Sachses frecher und vorwitziger Unterton sehr gut gefallen. Und bei Leon Alexander Rathje mochte ich es, wie leicht es ihm fällt Jon noch in einem Moment mutig, selbstbewusst, ja fast erwachsen wirken zu lassen, und im nächsten Moment wieder den zehnjährigen Bengel herauszukehren, der wirklich noch nicht erwachsen ist. Rainer Strecker ist aber auch im Hörspiel mit von der Partie, nämlich als William Longspee, dem hilfreichen und kämpferischen Ritter. Ein schönes Augenzwinkern Richtung Hörbuch, ihn auch hier mitwirken zu lassen.

Ob mir ein Erzähler beschreibt, wie unheimlich, donnernd und beängstigend eine Geisterstimme ist, oder ob eine Sprecherstimme mit Hall auf unheimlich getrimmt wurde, das macht schon einen Unterschied. Dieser Effekt hat ausserdem zur Folge, dass die Geisterszenen im Hörspiel noch mal eine ganze Spur unheimlicher klingen. Schon sehr gruselig für eine Geschichte für junge Hörer. Musikalisch wird ebenfalls eine ganze Menge geboten. Finstere und unheimliche Stücke im Hintergrund, zu Schreckmomenten auch mal lautere Klänge…ich möchte das im Falle der „Geisterritter“ schon ziemlich filmreif nennen.

Die Hülle mit den zwei CDs steckt in einem schönen und stabilen Schuber. Nicht selbstverständlich für ein Hörspiel, aber eine schöne Sache, die das Hörspiel auch äußerlich zu etwas Besonderem macht. Allerdings fehlen mir die schönen Motive auf den Papphüllen der Hörbuch-CDs. Sicher, das Covermotiv des Hörspiels ist ebenfalls sehr schön, aber ein etwas umfangreicheres Booklet wäre schon toll gewesen. Mit den so sagenhaft schönen Bilder von den Papphüllen…

Fazit: Mir haben die „Geisterritter“ als Hörspiel noch besser gefallen als in der Hörbuchversion. Die Geschichte ist so noch spannender und vor allem auch noch eine ganze Spur gruseliger. Und es fällt leichter ihr über längere Zeit hinweg zu lauschen, da sie durch die verschiedenen Sprecher, mehr Musik und Effekte dynamischer wirkt.

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