Mindnapping (07) – Das Geschwür

Titel: Mindnapping (07) – Das Geschwür / Verlag: Audionarchie / Spielzeit: / Sprecher: Gordon Piedesack, Robert Missler, Julia Fölster, Sylvie Nogler, Wolf Frass, Konrad Halver ua

Inhalt: Der Winter kam früh. Sogar für North Dakota. Der Schnee nahte unaufhaltsam aus nordöstlicher Richtung. Ich konnte ihn bereits spüren.
Himmel und Horizont verschmolzen zu einem diffusen Grau. Die sichtbare Welt schrumpfte auf wenige Quadratkilometer. Ich stand auf meiner Veranda und dachte darüber nach, dass meinem Heimatort Easthope mal wieder eine harte Zeit bevorstand. Ich sollte mich irren: Es würde unerträglich werden. Mit dem Schnee zog das namenlose Grauen in die Stadt ein. Und niemand war da, um uns zu retten.


Dieses Hörspiel nimmt sich keine Minute Anlauf. Alleine schon durch die Musik und Geräusche der ersten Sekunden und die ersten Sätze von Pete Glover wird dem Hörer genau die Atmosphäre vermittelt, die einen bis zum Ende hin nicht mehr loslässt. Düster und bedrückend durch die menschenfeindliche Witterung mit beständigem Schneefall, und mit einer unterschwellig immer vorhandenen Ahnung von Gefahr. Diese ist so aber zunächst sehr griffig. Heftiger Schneefall ist nichts allzu Ungewöhnliches, Stromausfälle sind an sich auch eher nervig als furchteinflößend, und ein Nachbar, der im Garten mit der Flinte den Pfarrer hinrichtet ist -im Verhätnis zu den späteren Ereignissen und für einen Psychothriller- noch durchaus ein „normales“ Ereignis. Nach und nach wandelt sich dieses Bild jedoch. Zunächst sind es nur Kleinigkeiten, die darauf hindeuten, dass in Easthope etwas viel Größeres im Gange ist. Damit poltert irgendwann Ian Glover seinem Bruder ins Haus. Was er berichtet ist dann schon sehr weit weg von normal. Mir hat sehr gut gefallen, dass man kein komplettes Bild des Grauens beschrieben bekommt, das in Easthope eingefallen ist. Es sind nur Andeutungen, teilweise Beschreibungen, die gerade dafür ausreichen, die Phantasie auf Achse zu schicken. Und zumindest, was ich mir da ausgemalt habe, hat für ein schönes Gruseln gesorgt.

Der Löwenanteil der Sprecherarbeit fällt Gordon Piedesack zu, der den Pete Glover spricht. Mit ruhiger und eindringlicher Stimme schildert er die Vorkommnisse in Easthope, was alleine schon dafür sorgt, dass man die Szenerie und die Ereignisse als bedrohlich empfindet. Bei Sylvie Nogler, die Petes Frau Sandy spricht, bin ich hin- und hergerissen. Meist klingt sie so, dass ich mir die Hände darüber gerieben habe, endlich mal kein Dummchen an der Seite des Helden zu erleben. Dann wieder klingt sie so dünn und piesig, dass dieser Eindruck kippte. Durchgängig energisch hätte mir besser gefallen. Robert Missler übernimmt den Part von Petes Bruder Ian. Er ist weniger beherrscht als Pete, und mit einem Schuss Panik in der Stimme, sorgt er auch beim Hörer häufig für eine gewisse Unruhe angesichts der Ereignisse.

Keine Szene, die nicht entweder von düsterer Musik begleitet wird oder von unheilvollen Geräuschen wie Sturm oder Krähengeschrei.  Das erzeugt durchgängig eine bedrückende und bedrohliche Atmosphäre, die der Geschichte sehr gut steht. Diese Klänge für sich haben bereits Gänsehautqualität.

Ein Kreuz und davor ein Gewehr, ein schöner Gegensatz im Covermotiv. Angesichts des Titels darf man hier raten, welche Art von Geschwür damit im Zusammenhang stehen könnte. Die gängige Vorstellung, die man sich unter diesem Begriff macht, dürfte es wohl kaum sein.

Fazit:  Ja, ich wiederhole mich, aber auch diese Folge „Mindnapping“ hat mir wieder prima gefallen. Eine spannende Geschichte mit einem Grauen, das man nur in Ansätzen vorgegeben bekommt und dessen Rest sich die Phantasie zusammenreimen darf. Das ist oft gruseliger als ein fertiges Bild. Dazu eine durchweg dichte und bedrohliche Atmsphäre, Thriller-Herz, was willstdu mehr?

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