Die mit dem Bauch tanzt – Eine ostwestfälische Familiengeschichte (Ella Carina Werner / Mirja Boes)

Titel: Die mit dem Bauch tanzt – Eine ostwestfälische Familiengeschichte / Verlag: Downtown, Hörbuch Hamburg / Spielzeit: ca. 232 min, 3 CDs / Buch: Ella Carina Werner / gelesen von: Mirja Boes

Inhalt: Mit Tempo und Sprachwitz schildert Ella Carina Werner den wundersamen Aufstieg ihrer Mutter zur berühmtesten Bauchtänzerin von Ostwestfalen-Lippe. Mit falschen Fingernägeln, schwarzer Perücke und tonnenweise Tönungscreme erobert Ursula Werner alias „Shahzadi“ die Partykeller und Doppelgaragen der Nachbarschaft und tanzt sich hoch bis ins Rathaus von Bielefeld. Tausendundeine Nacht in der westfälischen Provinz – eine turbulente Landjugend zwischen Säbeltänzen, Schnabelschuhen und eifersüchtigen Ehefrauen.


Manchmal flattern Hörbücher ins Haus, die ich rein vom Titel sehr skeptisch betrachte. Das war bei diesem Hörbuch auch so. Dann aber brach doch tatsächlich sowas wie „Lokalpatriotismus“ durch, von dem ich sonst eigentlich sehr wenig habe, und die erste CD wanderte in den Player. Die beiden anderen folgten umgehend, denn das Hörbuch hatte mich direkt beim ersten Kapitel am Haken. Warum? Erstens weil es schlichtweg zum Totlachen komisch ist, wie Ella vom Werdegang ihrer Mutter von der zurückhaltenden Hausfrau und Mutter zur gefragten Bauchtänzerin erzählt. Das ist solch ein Kontrast zum sonst so total normalen Familienleben, dass es fast bizarr wirkt. Und Ella lässt wirklich kein Detail aus. Ich habe ihr sehr gerne dabei zugehört wie sie vom normalen Familienleben erzählt, in dem sich plötzlich alle mächtig umstellen müssen. Zweitens, weil diese Karriere ja nun nicht bis auf große orientalische Bühnen geführt hat. Nein, Muttern tanzt sich begeistert von der Bauchtanzschule über Feuerwehr- und Familienfeste in Partykellern und Gartenlauben. Das hat einfach Charme und ist gar nicht mal so weit weg. Speziell nicht, wenn man aus der Gegend kommt, in der Familie Werner lebt. Bielefeld, Bad Salzuflen, Bad Oeynhausen, das sind Orte, die ich kenne. Sie sind nicht weit weg. Und sogar Herford wird erwähnt. Und gerade weil ich weiß, dass das nun wirklich keine Glamour-Städte sind, wirkt das in der Geschichte umso goldiger und liebenswerter. Gefallen hat mir auch, dass die Geschichte genau das Flair der späten 80er- und den folgenden 90er-Jahren hat. Ich habe so oft gedacht: ja klar, diese Musik hast du damals auch gehört, diese Sendungen hast du damals auch geschaut, genau so liefen die typischen Abende bei uns auch ab. Einfach herrlich!

Ich bin nur in Maßen begeistert von Mirja Boes. Sehen muss ich sie wirklich nicht. Hören kann ich sie ganz gut, da finde ich sie auch witzig, was bei einem Hörbuch glücklicherweise die halbe Miete bedeutet. Ich habe jedenfalls sehr  darüber gelacht wie sie aus Sicht von Grundschulkind und später Teenie Ella von der Karriere der Mutter erzählt. Und was die für ihre ganze Familie bedeutet hat. Sie trifft den nötigen kindlich-jugendlichen Ton sehr gut, ohne dass es kindisch klingt. Und natürlich bringt sie sämtliche Komik und Ironie zu 100 % rüber. Da macht das Zuhören einfach Spass!

Optisch hat mich das Hörbuch nicht vom Hocker gerissen. Bis auf den roten Farbklecks  sehr farblos. Und irgendwie finde ich in dem schwarzen Schattenriss die Gegend hier auch nicht wieder. Naja, Strommasten haben wir schon. Aber wo ist zB das Wilhelmsdenkmal, das wir hier haben? Ein paar eindeutigere Wahrzeichen der Gegend hätten es gerne sein dürfen.

Fazit:  Ein äußerst charmantes und höchst witzige Hörbuch um die Karriere einer ostwestfälischen Hausfrau zur lokal berühmten Bauchtänzerin. Ich empfehle es speziell Hörern aus der Gegend, weil ich denke, dass es da am besten wirkt.

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