Gruselkabinett (71) – Der Eschenbaum

Titel: Gruselkabinett (71)  – Der Eschenbaum / Verlag: Gruselkabinett / Spielzeit:  ca. 58 min / Sprecher: Frank-Otto Schenk, Peter Weis, Sebastian Schulz, Katharina Tomaschewsky ua

Inhalt: Ost-England im Jahre 1690: Zu seinem grenzenlosen Missfallen sieht Sir Matthew Fell aus den Fenstern seines Anwesens in den Vollmondnächten immer eine unheimliche Frau aus dem Dorf, die sich an einem Eschenbaum zu schaffen macht. Wie er wusste, steht sie in dem Ruf, eine mächtige und sehr gefährliche Hexe zu sein.


Nachdem der Titel nicht gerade für eine gruselige Geschichte bürgt, war ich neugierig, was diese Folge zu bieten hat. Sie ließ sich mit einem Hexenprozess und eine finstere Drohung der verurteilten Frau auch gar nicht übel an. Bald darauf gibt es einen Todesfall. Sir Matthew Fell hat es dahin gerafft. Dank seiner Anklage wurde die angebliche Hexe verurteilt. Von nun an dachte ich eigentlich, die Geschichte würde sich um diesen Todesfall drehen und einen unheimlichen Zusammenhang mit der Hexe offenbaren. Doch das war dann nicht der Fall. Stattdessen macht die Handlung einen Zeitsprung hin zu Fells Enkel Richard, der noch immer auf dem Anwesen lebt und eines Tages beschließt, in dem Zimmer zu schlafen, in dem sein Großvater starb. Prompt kommt es zu sonderbaren Vorkommnissen, die vom Eschenbaum vor dem Fenster auszugehen scheinen. Ich fasste erneut Hoffnung auf Szenen spannender und gruseliger Art, doch auch dieses Mal wurde ich ziemlich enttäuscht. Irgendwie wird in dieser Geschichte nichts beim Namen genannt und nichts wirklich aufgelöst. Und so fehlt es ihr für mich an Höhepunkten. Mehrbeinige Krabbeltiere in der Größe von Eichhörnchen haben das Zeug zum Gruseln, aber dafür muss man näher darauf eingehen und erklären, was sie Schreckliches tun. Schwarze Flecken an Leichen sind ebenfalls gut für ein Schaudern, aber mit einer Erklärung, woher sie kommen, wäre das noch wirkungsvoller. Um Richards Vorhaben im alten Schlafzimmer zu nächtigen, wird von mehreren Personen mit Entsetzen aufgenommen. Doch sein Ende kommt äußerst unspektakulär daher. Es sind also Ansätze da, die das Zeug zum Gruseln haben, aber keiner wird ausgereizt.

Frank-Otto Schenk macht dem Hörer mit harter Stimme und unnachgiebigem Ton schnell klar, wie seine Einstellung zu Hexen ist. Sein Enkel Richard, gesprochen von Sebastian Schulz, dagegen klingt wesentlich sympathischer. Zwar ebenfalls energisch und ein wenig aristokratisch, aber auf keinen Fall so hart wie sein Großvater. Gefallen hat mir auch Sonja Deutsch als Richards Dienerin Mrs. Chiddock. Sie lässt die Frau sehr liebenswert und rührig klingen und mit ihr konnte ich noch am ehesten mitfühlen.

Musikalisch hält man sich erneut zurück. Es sind leise, feine Melodien im Hintergrund zu hören, die der an sich wenig schaurigen Geschichte doch noch etwas Unheimliches verleiht.

Selbstverständlich zeigt das Cover den Eschenbaum aus der Erzählung. Mit der Frau, die mit dem Stamm verschmolzen zu sein scheint, und den Grabsteinen daneben wirkt das schön schauerlich. Wie diese Äste allerdings die Fenster des Hauses im Hintergrund erreichen soll, kann ich mir nicht vorstellen.

Fazit:  Es sind genügend Ansätze für gruselige Unterhaltung vorhanden, aber es braucht doch etwas mehr als nur Andeutungen um eine Gänsehaut zu erzeugen. Deshalb wirkte die Geschichte auf mich „unfertig“ und ließ mich nicht ein einziges Mal schaudern.

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