Grrrimm (Karen Duve /Ina Müller, Karen Duve, Bastian Pastewka)

Titel: Grrrimm / Verlag: tacheles! / Spielzeit: ca. 159 min / Buch: Karen Duve / gelesen von: Ina Müller, Karen Duve, Bastian Pastewka

Inhalt:  „Rotkäppchen wohnte in Vifor, einem der höher gelegenen Bergdörfer. Ihr Vater war Kimi Topolov, der Gemeindediener, und ihre Mutter hatte angeblich schon einmal im Gefängnis gesessen. Ich weiß nicht, wie das woanders läuft, aber hier bei uns in den Bergen ist es der soziale Tod, wenn jemand als Einziger auf dem Schulhof eine rote Kappe trägt, während alle anderen schwarze haben!“

Von hinterhältigen Zwergen, unerzogenen Wölfenm enttäuschten Prinzen und gefühlskalten Prinzessinnen – Karen Duves bissige Hommage an die Brüder Grimm.


Das Grimm-Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu und mit diesem Hörbuch dürfte sich die letzte Märchenabwandlung in meinem Player gedreht haben. Ganz sicher aber die erwachsenste! Karen Duve hat sich hier die Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, „Der Froschkönig“, „Dornröschen“ und „Rotkäppchen“ vorgenommen, ins Heute geholt und von Grund auf renoviert und realistischer gemacht. Es ist ja beispielsweise doch schon sehr zweifelhaft, dass sich keiner der sieben Zwerge je an das schöne Schneewittchen rangemacht hat, oder? Genau mit solcher Unlogik nehmen es Karen Duves moderne Interpretationen der klassischen Märchen auf. Und nein, was dabei herausgekommen ist, sollte besser keinem Kind zu Ohren kommen. Von wüsten Beschimpfungen bis geradezu schockierend dargestelltem Fieberwahn ist alles dabei. Es gibt unheimlich Szenen in finsteren Wäldern und abscheulichen Schilderungen von Amphibien in Betten feiner junger Mädchen. Es sind eben ganz erwachsene Märchen geworden. Und die halten auch eine gute Schippe bissigen und oft auch bösen Humor bereit, über den ich oft geschmunzelt und noch öfter wirklich gelacht habe.
Ich hätte nur lieber noch zwei kürzere Märchen gehabt, statt des wirklich ausführlichen „Rotkäppchens“. Das zog sich für meinen Geschmack ab einem Punkt doch sehr. Da haben mich die drei kürzeren Geschichten zuvor besser und auch bis zum Schluss unterhalten.

Die drei Sprecher machen ihre Sache wirklich gut. Zwar hört man bei jedem natürlich die Komik der Geschichten heraus, aber dennoch tragen sie sie auch mit einem gewissen Ernst vor. Mir hat diese Mischung prima gefallen, da es so zwar oft lustig ist, aber niemals albern oder platt wirkt. Besonders neugierig war ich auf Ina Müller, die ich noch in keinem Hörbuch gehört habe, deren Stimme ich aber sehr mag. Ich kann nur sagen, die sollte häufiger mal bei Hörbüchern und Hörspielen mitwirken. Der unverkennbare Hamburger Dialekt verleiht ihrem „Dornröschen“ einen ganz besonderen Charme.

Das Covermotiv ist ein echter Hingucker und signalisiert klar, dass dies kein Kinderhörbuch ist. Ich mag die Wolfsfratze und überhaupt die düstere Gestaltung des Hörbuchs. Im Booklet findet man Informationen zu Karen Duve und den Sprechern.

Fazit:   Vier sehr erwachsene Märcheninterpretationen, die endlich mal mit all der Unlogik aufräumen, die in den klassischen Märchen steckt. Das ist spannend, manchmal sogar schaurig, aber auch auf bissige Art witzig, was mir besonders gefallen hat.

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