Meister der Angst – Jack the Ripper

Titel: Meister der Angst – Jack the Ripper / Verlag: Random House Audio / Spielzeit: ca. 79 min / Sprecher: Helmut Krauss, Frank Glaubrecht, Kerstin Draeger, Konrad Halver ua

Inhalt: London, 1888: Nachdem Inspektor Abberline sich dem Elend des verhassten East-Ends bereits entkommen sah, ziehen ihn grausame Ritualmorde wieder dorthin zurück. Die Spuren führen bis ins Königshaus…


Ich bin ja an sich kein Fan von Klassikern, doch gibt es ab und zu auch Ausnahmen. Dazu zählt auch die Geschichte um „Jack the Ripper“. Das heißt aber auch, dass ich die Story vom Kern her bereits kannte. Und das dürfte sicher auch auf viele andere Hörer zutreffen. Und vielleicht zweifeln sie genau wie ich, ob sich die soundsovielte Auflage lohnt. Das tut sie aber in jedem Falle. Weniger vom Fall selber her, denn der ist natürlich der gleiche mit dem Rätsel um die Morde an Prostituierten. Doch hinsichtlich des Täters schlägt man hier eine Richtung ein, die ich bislang noch nicht kannte und die einer These des Autoren Stephen Knight folgt und den Arzt William Gull als Täter vorgibt. Und bei der hinter den Morden noch eine ganze Reihe Verschwörungen und Verwicklungen stecken, die letztlich bis ins Königshaus führen. Schön, dass es mal eine nicht so populäre Version der Ripper-Morde ins Hörformat geschafft haben. Das wirkt frisch und nicht minder spannend und schaurig als die bekannten Versionen. Auch wenn man natürlich schnell erfährt, wer der Täter ist. Das ist also nicht der Punkt, aus dem die größte Spannung resultiert. Für mich rührte die vielmehr daher zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht.

Als Sir William Gull ist Helmut Krauss zu hören, der hier einen Killer von der Sorte gibt, die mich noch am meisten schaudern lassen. Keineswegs unüberhörbar irre, sondern bedrohlich ernsthaft und kühl. Wo man heraushört, dass er an seine irren Motive für die Taten wirklich glaubt. Auch Frank Glaubrecht als Inspektor Abberline hat mir gefallen. Anfangs hört man ihm deutlich an, wie ihn die Gegend der Morde anwidert, und wie sehr ihn das gezeichnet hat, was er dort zuvor bereits erlebt hat. Später dann bei den Ermittlungen klingt dann auch der clevere Inspektor durch. Annelie Krügel, Katja Brügger, Charlotta Bjelfvenstam, Ulrike Johannson und Kerstin Draeger geben die Prostituierten, die es nach und nach trifft und finden dafür genau den  schnodderigen Ton. Man hört ihnen an, dass die Frauen zwar bereits sehr heruntergekommen sind, aber immer wieder schwingt auch ein hoffnungsvoller Ton mit, der deutlich macht, dass sie sich noch nicht ganz aufgegeben haben. Diese Balance gelingt den Sprecherinnen wirklich gut.

Musikalisch kommt das Hörspiel sehr dezent daher. Untermalung ist vorhanden und sorgt durchaus für Atmosphäre, allerdings ganz leise und aus dem Hintergrund heraus. Stattdessen wird mehr auf die Geräuschkulisse gesetzt, die einen im Nu ins London des Jahres 1988 versetzt mit dem Hufgetrappel von Pferden, dem Klang von Kutschrädern auf löcherigen Straßen und dem Trubel in verkommenen Kneipen.

Ich weiß es nicht, vermute aber dass das Covermotiv dem Comic von Alan Moore entnommen wurde, in dem er diese Theorie über die Ripper-Morde verarbeitete. Mir gefällt das Motiv vor allem wegen der hauptsächlich blutroten Farbe, was gut zu den Morden passt.

Fazit:   Mir hat diese Version von „Jack the Ripper“ gut gefallen. Sie folgt mal einer Theorie, die nicht ganz so bekannt ist. Damit hat mich das Hörspiel sehr überrascht und ich bin ihm mit neuer Spannung angesichts einer alt-bekannten Geschichte gefolgt.

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