Gruselkabinett (75) – Weiß

Titel: Gruselkabinett (75) – Weiß / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 65 min / Sprecher: Niels Clausnitzer, Johannes Raspe, Stephanie Kllner,, Hort Naumann, Wolfgang Welter ua

gk75Inhalt: London 1858: Charles Elveston, ein junger Arzt, wird auf seinem Nachhauseritt auf ein hinter einer hohen Mauer gelegenes Herrenhaus aufmerksam, vor dem äußerst merkwürdige Dinge vorgehen. Die Frage lässt ihn nicht mehr los, warum die neuen Besitzer stets komplett in weiß gekleidet das Grundstück verlassen. Er wittert ein Geheimnis – und liegt damit goldrichtig, wie sich schon bald herausstellt.


Da hätten wir dann auch die zweite Folge im frisch erschienenen Bunde des „Gruselkabinett“. Und damit auch die Folge, die mir wirklich prima gefallen hat. Die Geschichte kommt recht schnell in die Gänge und so bekommt man schon früh die Eigenartigkeiten des Hauses d’Alberville aufgezeigt. Ich muss schon zugeben, dass ich mich darüber ganz schön gewundert habe. Denn der Sinn hinter dieser eigentümlichen Gestaltung eines Hauses wollte und wollte sich mir nicht erschließen. So sehr ich auch gegrübelt hatte. Entsprechend neugierig war ich darauf, wie die Geschichte weitergehen würde. Das war dann zwar keine Überraschung, denn irgendwie ist es klar, dass dem jungen Arzt Zugang zu diesem Haus gewährt wird. Und auch, dass sich zwischen ihm und der dort eingesperrten Blanche eine Liebelei entspinnt. Die Geschichte bleibt aus anderen Gründen spannend bis zum Schluss. Einmal, weil man einfach nicht durchschauen kann, wer hier falsch spielt und lügt. Blanche, oder ihr Onkel? Beide geben sich so glaubhaft ehrlich, dass ich bis zum Ende nicht sicher war. Zweitens, weil ich einfach nicht mit Sicherheit darauf kam, welche Art bösartiger Kreatur im Hause lauert. Da klopft man natürlich erstmal die Geschöpfe ab, die man so kennt und die einem alle naselang begegnen, aber nichts davon wollte passen. Entsprechend überrascht war ich von der Auflösung. Sie hat mir sehr gefallen, eben weil es mal nicht eines der Standard-Wesen ist, das hier umgeht. Und zuletzt war ich gespannt darauf, wie die Geschichte enden würde. Auch das ist keineswegs abzusehen.

Johannes Raspe hat mir als junger Arzt Charles Elverston gefallen. Er hat eine sympathische Stimme, in der stets eine gewisse Neugier mitschwingt. Das passt so natürlich prima zur Geschichte. Stephanie Kellner klingt eine Spur älter als Blanche in meiner Vorstellung war. Dafür trifft sie gut diesen speziellen Ton zwischen der Geziertheit solch reicher Personen zur früheren Zeit und der Verzweiflung, in der sie trotzdem lebt. Niels Clausnitzer hat mir ein gutes Bild von Blanches Onkel vermittelt: bereits älter, nicht mehr so fit, dafür umso verzweifelter darüber, welches Schicksal seine Familie vor einiger Zeit getroffen hat.

Da die Handlung eher rätselhaft ist statt schauerlich, muss die Untermalung für einen gewissen Gänsehautfaktor sorgen. Das tut sie in den entsprechenden Szenen auch sehr gut. Da darf man dann also doch auch mal wohlig schaudern. In Sachen Geräusche ist ebenfalls alles im Grünen Bereich, sofern man die Lautäußerungen der Bestie nicht mitzählt. Die waren das einzige, was mich nicht überzeugen konnte. Doch das fällt schließlich eher in den Bereich der Sprecher.

Ich mag das Helle am Covermotiv. Das ist mal etwas anderes als man es sonst so von Schauergeschichten gewöhnt ist. Allerdings frage ich mich, wieso Blanche so überrascht bis erschrocken dreinschaut. Das tut sie in der Geschichte nämlich nicht ein einziges Mal. Und es vermittelt so einen falschen Eindruck von ihr.

Fazit:  Eine klasse Folge, die einen bis zum Schluss in ungewissheit wiegt, und bei der das Ende entsprechend nur überraschen kann. Zudem treibt hier mal eine Kreatur ihr Unwesen, der man nicht in mindestens jeder zweiten Gruselgeschichte begegnet. „Gruselkabinett“ wie ich es mag!

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