Lula

Titel: Lula / Verlag: True Blue Media / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Arja Sharma, Antje Otterson, Liza Ohm, Helmut Krauss, Henning Kindler, Heidi Schaffrath ua

lulaInhalt: Nach fast zehn Jahren kehrt Ella Langenkamp in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. Dort hat nach dem Tod der Eltern ihre Schwester Edith die Leitung der väterlichen Firma und der familiären Belange übernommen. Edith will die Weltenbummelei Ellas unterbinden und sperrt ihr Konto – seit jeher hatten die beiden Schwestern ein schwieriges Verhältnis.
Doch sie hat keine Ahnung, dass Ella ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit mit nach Hamburg bringt.
Als die beiden Schwestern durch ein Missgeschick im Keller des elterlichen Anwesens eingesperrt werden und auf Hilfe warten, spitzt sich die Lage zu und lang unterdrückte Gefühle brechen hervor.


Wenn es irgendwo heißt „Psychothriller“, dann hüpfe ich immer sofort fingerschnipsend auf und ab. Es ist und bliebt eines meiner Lieblingsgenres und entsprechend gespannt war ich, was sich hinter diesem Titel verbirgt. Dass zwischen den Schwestern Edith und Ella ein -freundlich ausgedrückt- gespanntes Verhältnis besteht, das wird schon in den ersten Minuten des Hörspiels klar. Bereits da wittert man, dass Unheil in der Luft liegt. Und als die beiden sich später versehentlich in einem alten Tresorraum einschließen, wird die Stimmung schnell explosiv.
Nun beschränkt sich „Lula“ nicht darauf zu erzählen, wie sich die Situation im Tresorraum zuspitzt. Gleich von Anfang an bekommt man als Hörer in Rückblenden auch einen Einblick in das Familienleben der Langenkamps. Schon früher als Kinder waren die beiden Schwestern sich alles andere als grün. Und es blickt auch gleich durch, dass mit Ella bereits damals etwas nicht stimmte. Das wird in einer Reihe recht drastischer Szenen deutlich. Über viele konnte ich nur entgeistert den Kopf schütteln, weil ich den Umgang der Familie mit Ella unmöglich fand. Was genau dahintersteckt, wird erst später genau beschrieben, und dann wird es wirklich schaurig. Speziell als das Grauen von damals den Weg zurück in’s Haus und direkt zu den beiden Schwestern findet. Womit mal wieder klar bewiesen wäre, dass das Grauen aus den Tiefen des menschlichen Geistes mindestens ebenso wirkungsvoll ist wie die übliche Gruselkost.
Mir war schon klar, dass die Situation von Edith und Ella kein gutes Ende finden würde und ich hatte mir auch bald eine Theorie zurechtgelegt, wie sie ausgehen würde. Doch dann *schwupp* ein Dreh gegen Ende und ich konnte diese Theorie begraben. Mit einer solchen Wendung hatte ich nicht gerechnet. Ich mag es, wenn mich eine Geschichte so spät nochmal überrascht.

Arja Sharma und Antje Otterson bringen die Gegensätzlichkeit der beiden Schwestern gekonnt rüber. Antje Otterson  lässt Edith ganz schön eingebildet und verächtlich klingen. Bei Arja Sharma alias Ella klingt dagegen immer mit durch, dass sie in ihrem Leben durch eine harte Schule gegangen ist. Sie schwankt stetig zwischen einer resignierten Ruhe und Wut auf Edith und die Eltern. Auch eine gewisse Bedrohlichkeit ist ab und zu gut rauszuhören. Marlena und Marijke Kemper leihen in den Rückblenden den Kindern Edith und Ella ihre Stimmen. Und ich muss sagen: sie meistern diese Aufgabe mit Bravour! Mein Favorit war aber Liza Ohm als Lula…so süß und doch so…aber das muss man selber gehört haben. Lediglich Lars Broderson konnte mich nicht überzeugen. Er übertreibt es mit dem hamburger Dialekt und seine Ruhe und Brummigkeit klingen zu gewollt.

Die Untermalung hält sich vornehm zurück und kommt eher leise daher. Aber es sind wirklich schöne Stücke zu hören, die sofort ins Ohr gehen. Sie unterstreichen gekonnt die Stimmungen der einzelnen Szenen und lassen sie umso eindringlicher wirken. Mir haben besonders diese Melodien gefallen, die an eine Spieluhr erinnern. Das passt für mich zu Lula wie die Faust auf’s Auge.

Über Lula bin ich ausnahmsweise mit Edith absolut einer Meinung. Ich mag sie auch nicht.  Aber natürlich gehört nur sie auf das Cover dieses Hörspiel.

Fazit:  Eine vom Anfang bis zum Ende spannende Geschichte, die einen das Schaudern lehrt und mit einer Wendung am Ende nochmal richtig überrascht. Obwohl ich sonst kein Fan davon bin, hat es mir hier gefallen, wie die Story aus Szenen im Heute und Szenen im Früher zusammengepuzzelt wird. Da das Geschehen in beiden Zeiten fesselnd ist, bleibt man bei der Sache und es besteht nicht die Gefahr, sich in dem Wechsel zu verfransen. Top!

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