Galerie der Phantasten – Unheimliche Geschichten aus Frankreich

Titel: Galerie der Phantasten – Unheimliche Geschichten aus Frankreich / Verlag: Comic Culture Verlag / Spielzeit: ca. 43 min / Sprecher: Iris Artajo, Gundi Eberhardt, Thomas Schmuckert

phantasten01Inhalt: Ähnlich wie in die ursprüngliche Reihe „Galerie der Phantasten“ ist auch die vorliegende Hörbuchserie eine Klammer für Perlen phantastischer Literatur. Der Schwerpunkt liegt auf Frankreich und auf einer Zeit, die fast überall in Europa von fundamentaler Veränderung und Verunsicherung geprägt war: Die Folgen der industriellen Revolution waren längst überdeutlich, und die phantastische Literatur spiegelte ab der Jahrhundertwende die Ängste vor der neuen industriellen Umwelt wider, später kündigte sich das Unheil des ersten Weltkriegs, danach die Weltwirtschaftskrise an. Die Phantastik verarbeitete das Abgründige ihrer Zeit oft in Form von morbiden Untergangs- und Todesentwürfen. Auch die beiden Geschichten dieser CD – „Das Rendezvous“ von Maurice Renard aus dem Jahr 1909 und „Das Haus“ von André Maurois von 1931 – haben den Tod zum Thema.


Die „Galerie der Phantasten“ war für mich eine Neuentdeckung. Von der Reihe hatte ich noch nicht gehört, aber gruselige Geschichten gehen bei mir fast immer. Wobei mit der Titel „Unheimliche Geschichten aus Frankreich“ schon zusetzte, so als total frankophobe Person die ich bin. Aber Bangemachen gilt ja bekanntlich nicht.
Auf der CD sind zwei Geschichten, einmal „Das Rendezvous“ von Maurice Renard und „Das Haus“ von André Maurois.
„Das Rendezvous“ hat mich an die Geschichten aus der Reihe „Gruselkabinett“ erinnert. Eine eher ruhige Schauergeschichte um eine verschmähte Liebe, die schlimme Folgen hat. Dabei konnte ich mich gut in hineinversetzen und ich bin der Geschichte entsprechend neugierig gefolgt. Natürlich wollte ich wissen, was aus dieser gefährlichen Liebe werden würde. Geschmunzelt habe ich darüber, wie leicht man sich  um 1909 als die Geschichte geschrieben wurde, die Sache mit der Hypnose vorstellte. Das ist aber eben dem Alter der Erzählung geschuldet. Gegen Ende erlebt man dann eine Wendung, die mich überrascht hat. Dass man damals bereits die Idee der zurückgekehrten Toten kannte…das hätte ich nicht gedacht. Ein ganz schöner Kontrast zum romantisch-schaurigen Geschehen zuvor, das auch ein paar Längen hat.
„Das Haus“ hat mir allerdings einen Tacken besser gefallen. Es ist wesentlich kürzer und Längen sucht man dementsprechend vergeblich. Außerdem ist es nicht so offensichtlich, dass die Geschichte anno Neunzehnhundert spielt, was ja bekanntlich nicht mein Fall ist. Die Erzählung ist eine zeitlose Spukgeschichte. Sie konnte mich mit ihrer Auflösung zwar nicht überraschen, aber die Idee an sich ist schön, denn sie läst dazu ein, als Hörer vielleicht noch ein wenig daran weiterzuspinnen.

Drei Sprecher teilen sich die Aufgabe, die beiden Geschichten vorzutragen. Iris Artajo und Gundi Eberhard haben mir mit ihren weichen Stimmen und dem gelegentlich verträumten Ton gut gefallen. Das passt für mich gut zu solchen romantisch-schaurigen Geschichten. Und auch die altertümliche Ausdrucksweise bereitet ihnen keinerlei Schwierigkeiten, was ich besonders bewundere. Thomas Schmuckert hat mich damit überrascht, dass er auch so ganz anders klingen als in „Dorian Hunter“. Nach der Reihe hätte ich ihn als letztes in der Rolle eines verzweifelt-verliebten Franzosen erwartet. Doch auch ihm gelingt es spielend, auf einen solchen Part umzusatteln. Eine tolle Ergänzung zu Iris Artjao und Gundi Eberhard.

Den Löwenanteil in Sachen verträumter und schauerlicher Atmosphäre verdanken die beiden Geschichten der begleitenden Klaviermusik von Vera Claus. Sie steht den Erzählungen ganz ausgezeichnet.

Das Cover ist angemessen finster gehalten mit schattenhaften Figuren im Hintergrund. Das sagt zwar über die Geschichten auf der CD nichts aus, aber bei einem geheimnisvollen Titen darf man interessierte Hörer auch mal im Ungewissen lassen.

Fazit:  Zwei romantische Schauergeschichten aus Frankreich um Neunzehnhundert herum, die eine gute Dreiviertelstunde lang zu unterhalten wissen. Vor allem „Das Rendezvous“ hat mich an das „Gruselkabinett“ erinnert.

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