Geschichten zur Mitternacht (02) – Das Bild im Haus

Titel: Geschichten zur Mitternacht (02) – Das Bild im Haus / Verlag: Audioton / Spielzeit: ca. 132 min / Buch: H.P. Lovecraft / gelesen von: Oliver Rohrbeck, Ernst Meincke

geschichtenmitternachtFazit: Auf der Suche nach dem wahrhaft Grauenvollen, halten Forscher sich meistens an den ungewöhnlichsten und abgeschiedensten Orten auf. Orte, deren Vergangenheit so finster und geheimnisumwittert sind, daß sie einem unbedarften einsamen Wanderer, der sie all zu achtlos betritt, für den Rest seines Lebens schlaflose Nächte zu bescheren vermögen. Sie interessieren sich für die Katakomben des Ptolemäus und für uralte tief in den Fels gemeißelte Mausoleen. Sie besteigen die mondbeschienenen Türme alter Burgruinen am Rhein, um dann als bald schmierige schwarz glänzende, mit Spinnweben verhangenen Stufen unter den verstreuten Steinen längst vergessener Städte in Asien hinab zu taumeln.


Ich habe das Gefühl, momentan überall auf Geschichten von H.P. Lovecraft zu stoßen. Mir sind sie schlicht zu alt. Deshalb teile ich die allgemeine Begeisterung nicht. Es kommt immer auf die Geschichte an. Auf diesen beiden CDs bekommt man zwei von Lovecrafts Erzählungen zu hören. Mit etwa 30 Minuten Spielzeit ist „Das Bild im Haus“ die kürzere von beiden. Sie beginnt vielversprechend und stimmt mit einer schaurigen Einleitung gut auf die folgenden Geschichte ein. Mir hat die Szenerie prima gefallen mit dem Sturm und Gewitter und dem verfallenen Haus. Und auch der unheimliche Alte, der später auftaucht, ist für eine Gänsehaut gut. Vor allem, weil man immer ahnt, dass er nicht so harmlos schräg ist wie es scheint. Es ist schön zu verfolgen, wie sich das Grauen langsam in das Geschehen einschleicht. Allerdings kam mir das Ende zu abrupt. Beim ersten Hören dachte ich glatt, da fehle ein Track. Natürlich lässt das der Phantasie so viel Raum, aber für mich war es eben kein richtiges Ende. Zudem ist die Geschichte bis dahin zwar schaurig, aber nicht richtig gruselig. Das hätte ein erklärenderes Ende bestimmt ändern können. Audioton trifft dabei natürlich keine Schuld. Die Vorlage gibt eben nur dieses plötzliche Ende her.
Da hat mir „Die Farbe aus dem All“ deutlich besser gefallen. Ich mag es, wenn sich Grusel und Science Fiction (soweit man davon bei einer Geschichte aus den 1880er Jahren sprechen kann)  wie hier vermischen. Die Geschichte ist mit mehr als 100 Minuten deutlich länger als „Das Bild im Haus“. Ich fand sie spannend vom Anfang bis zum Ende. Zunächst wird man quasi in die Gegend der „Verfluchten Heide“ entführt, die schon mal schön schauerlich beschrieben wird. Das weitere Geschehen legt dann noch ein Schippchen Grusel nach und ich habe mit wohligem Schaudern verfolgt, welch gruselige Folgen der Meteoriteneinschlag hat. Gleichzeitig habe ich natürlich gerätselt, was es mit dem sonderbaren Stein auf sich hat, wie weit seine Wirkung noch reichen würde und ob die Menschen ihm würden entgehen können. Im Ganzen wirkte diese Geschichte sehr viel moderner auf mich als zB „Das Bild im Haus“, was ihr ebenfalls einen großen Pluspunkt einbrachte.

„Das Bild im Haus“ wird von Oliver Rohrbeck gelesen, der die düstere Stimmung der Geschichte gut einfängt und an den Hörer vermittelt. Etwas weniger getragen hätte es für mich aber doch sein dürfen, mir kam das so oft zu zäh rüber. Dafür hat mir die Stimme gefallen, mit der er den sonderbaren Alten zum Leben erweckt. Ernst Meincke liest „Die Farbe aus dem All“ dagegen deutlich lebendiger, was mir das Zuhören sehr viel leichter gemacht hat. Und trotzdem kommen die schaurige Atmosphäre und das Gruselige der Geschichte dabei nicht zu kurz. Es muss nicht immer eine Grabesstimme sein, die solche Storys zu Gehör bringt.

Beide Geschichte werden von leiser Musik begleitet, die die düstere Stimmung gekonnt unterstreicht. Einige Geräusche wurden ebenfalls eingesetzt, beispielsweise Regen, Wind und das Knarren von Holz. Typische Geräusche für gruselige Erzählungen eben, die auch hier ihre Wirkung nicht verfehlen.

Das Cover gefällt mir mit den Lichtspielereien und dem kleinen Haus, das sich in die Schatten der schwarzen Bäume duckt. Das sieht schön gruselig und geheimnisvoll aus.

Fazit:  „Das Bild im Haus“ lässt sich gut und vielversprechend an, wird dann auch schaurig, endete mir dann aber zu plötzlich um wirklichen Grusel zu entfalten. Da hat mir die Mischung aus Science Fiction und Grusel bei „Die Farbe aus dem All“ sehr viel besser gefallen. Speziell im Dunklen angehört, sorgt sie für eine schöne Gänsehaut. Oliver Rohrbeck und Ernst Meincke tragen die Geschichten sehr unterschiedlich vor, wobei Ernst Meincke mit seiner lebendigen Erzählweise bei mir mehr punkten konnte.

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