Gruselkabinett (78) – Das Ding auf der Schwelle

Titel: Gruselkabinett (78) – Das Ding auf der Schwelle / Verlag: Titania Medien / Spielzeit:  ca. 83 min / Sprecher: Stefan Krause,  Helmut Winkelmann, Jürgen Thormann, Marius Clarén ua

gk78Inhalt: „Es ist wahr, ich habe meinem besten Freund in jener regnerischen Nacht Anfang Februar des Jahres 1933 sechs Kugeln durch den Kopf gejagt und doch hoffe ich, beweisen zu können, dass ich nicht sein Mörder bin. Sicherlich werden manche denken, dass ich bloß ein Verrückter bin – sogar noch verrückter als der Mann, den ich in seiner Zelle im Arkham Sanatorium erschossen habe. Andere hingegen werden, wenn sie meinen Bericht gehört haben, anerkennen, dass ich gar keine andere Wahl hatte, nachdem ich das grauenhafte Beweisstück gesehen hatte … dieses Ding auf der Schwelle.“


Ich hatte es kürzlich schon einmal geschrieben: Lovecraft wohin man hört im Moment. Inzwischen fühle ich mich in und um Arkham bereits fast heimisch. Diese Geschichte beginnt sehr vielversprechend mit einem dramatischen Mord an einem Ort, der -für mich- wie gemacht für eine gruselige Geschichte ist: in einem Sanatorium für Geisteskranke. Somit war ich äußerst guter Dinge was das weitere Geschehen anging.
Nach diesem Start macht die Erzählung einen Sprung. Von nun an ist man in Daniel Uptons Zelle, wohin ihn der Mord natürlich schnell gebracht hat. Bei ihm ist sein Sohn, der ihn als Anwalt vertritt und dem er die ganze Wahrheit über den Mord erzählt. Das klingt zunächst eher nach einem Hörbuch als nach einem Hörspiel, was meine Begeisterung schon mal ein Stück weit dämpfte. Es dauert eine Weile bis Uptons Schilderungen in gespielten Szenen widergegeben werden. Da ich eben ein Hörspiel erwartet hatte, war ich froh als es dann soweit war. Zunächst fand ich die Geschichte noch ganz in Ordnung. Man erfährt einiges über Edward Pickman Derby, was zumindest bei mir ein leicht unheimliches Bild von diesem Mann hervorgerufen hat. Und als er sich mit Asenath Waite einlässt, über die die schaurigsten Gerüchte kursieren, sind die Weichen für eine Schauergeschichte eigentlich bestens gestellt.
Eigentlich! Wenn sich der weitere Verlauf der Geschichte nicht dermaßen hinziehen würde! Über Asenaths fragwürdige Talente gibt es lange nur Andeutungen, zB dass sie hypnotische Fähigkeiten habe. Aha! Und? Was heißt das nun genau? Diese Frage wird so schnell nicht beantwortet, sodass man bestenfalls raten kann. Daran ändern auch Edwards irre Phasen nichts, die damit irgendwie im Zusammenhang zu stehen scheinen. Die sind im ersten Moment vielleicht noch erschreckend, aber dann fragt man sich doch, wieso er sie hat. Und das wird nicht dadurch beantwortet, dass er alle naselang herumjammert, wenn er von diesem Grauen heimgesucht wird! Irgendwann sieht er dann ein, dass seine Angetraute ihm nicht gut tut und will sich von ihr befreien. Zum ersten von ich weiß gar nicht mehr wie vielen Malen. Einmal „ich muss sie loswerden“, dann wieder „ich will zurück zu ihr nach Hause“. Ich hätte ihn schütteln können!
Schließlich wird dann aufgelöst, was mit Asenath los ist und was hinter Edwards Anfällen steckt. Bis dahin war ich allerdings schon so gelangweilt und genervt vom Hin und Her zuvor, dass diese Erklärung auch nichts mehr rausreißen konnte. Das Ende selbst (als ich schon fast die Hoffnung begraben hatte, dem Ding auf der Schwelle noch zu begegnen) hat mir aber ganz gut gefallen. Die Szene mit dem „Ding“ hat es schon in sich.

Die Sprecher trifft keine Schuld daran, dass ich mich mit dem Hörspiel so schwer getan habe. Dank der ungewöhnlich hellen und weichen Stimme, die Stefan Krause Eward Pickman Derby verleiht, war mir diese Figur von Anfang an etwas unheimlich. Und wenn er später bei Derbys Anfällen hysterisch schreit und japst, dann ist das -wenigstens beim ersten Mal- ein herber Kontrast und durchaus erschreckend. Derbys bester Freund ist Daniel Upton. Gesprochen wird er von Helmut Winkelmann, der ihn mit tiefer und ruhiger Stimme zu Derbys vernünftigem Gegenpol macht, bei dem aber auch immer mal die Verzweiflung angesichts der Situation seines Freundes durchklingt.

Es gibt kaum eine Minute in diesem Hörspiel, in der keine Musik im Hintergrund zu hören ist. Anfangs ging das für mich noch in Ordnung, da die Stücke einer solchen Schauergeschichte wirklich gut stehen und gewissen Szenen zusätzlich Flair verleihen. Doch wenn im Hintergrund -selbst während der Dialoge- ständig Musik zu hören ist, dann hört man darüber irgendwann hinweg und schon ist die Atmosphäre, die sie eigentlich unterstreichen sollte, schlichtweg flöten.

Das dunkle unheimliche Haus und das Gittertor mit dem Schriftzug darüber gefällt mir soweit ganz gut. Allerdings macht Daniel Upton auf mich eher den Eindruck eines Gangsters wie er sich mit seiner Pistole vor dem Tor versteckt, und das geht meilenweit an der Situation zu Beginn der Geschichte vorbei.

Fazit:  Ein vielversprechender Anfang und ein schauerliches Ende als „Das Ding auf der Schwelle“ endlich seinen Auftritt hat. Dazwischen allerdings zieht sich die Geschichte wie Kaugummi hin, was mich letztlich ganz schön genervt hat. Irgendwann war das Maß an Andeutungen einfach voll und auch Derbys Anfälle konnten mich nicht mehr beeindrucken.

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