Gruselkabinett (79) – Lodoiska

Titel: Gruselkabinett (79) – Lodoiska / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 79 min / Sprecher: Sascha Wussow, Susanne Uhlen, Jana Nagyova, Arianne Borbach ua

gk79Inhalt: Wer ist die mysteriöse Frau in Trauerkleidung, die mit ihrem furchteinflößenden Diener in das einsam gelegene, verfallene Haus im Wald gezogen ist und es stets nur tief verschleiert und mit Handschuhen verlässt…?


Nachdem mich die Vorgängerfolge nicht überzeugen konnte, habe ich diese hier mit verhaltenen Erwartungen in den Player geschoben. Hier ist man sofort mitten im Geschehen. Eines Tages erklärt Oberst Lobenthal seiner Frau, dass sie überraschend weit weg ziehen müssten. Seine Frau kauft ihm das sofort ab, als Hörer kommt man bereits hier in’s Zweifeln, ob da nicht doch mehr dahinter steckt. So richtig warm bin ich mit dem Ehepaar Lobenthal allerdings nicht geworden. Dafür waren sie mir einfach zu harmonisch. Der Mann, der am liebsten nur für sie leben würde, und die Frau, deren Glück alleine aus ihrem Angetrauten, den Kindern, der Harfe und den Pinseln besteht. Na klar! Erstaunlich nur, dass bei so viel Harmonie so wenig Gefühl in ihren Unterhaltungen liegt?! Dazu aber später mehr!
Als Lodoiska auf der Bildfläche erscheint, kommt immerhin etwas Schwung in die Geschichte. Denn der Diener der Lobenthals hat eine unheilvolle Ahnung, wer sie ist und unternimmt sein Möglichstes um die Familie zu schützen. Vor allem, wo das Familienoberhaupt gerade nicht bei Frau und Kindern ist. Ich fand, seine Verzweiflung kam dabei gut rüber. Außerdem laden die Andeutungen zwischen Diener Werner und Lodoiska zum Knobeln ein, in welcher Verbindung sie zur Familie Lobenthal steht. Um zu erahnen, wer bzw was Lodoiska ist, muss man dagegen weniger detektivisch zu Werke gehen. Das stellt einen gruselerprobten Hörer kaum vor ein Rätsel. Dabei halte ich der Geschichte zugute, dass Lodoiska ein wenig anders gestaltet ist als ihre „Artgenossen“ sonst.
Schließlich wird dann in einer Rückblende erklärt, was Lodoiska von der Familie will. Und ganz ehrlich: nachdem ich das gehört hatte, konnte ich sie vollkommen verstehen. Männer! Aber wirklich!
Und sie geht sehr rücksichtslos und skrupellos zu Werke, was ganz spannend und teilweise erschreckend ist. Zwischen diesen Szenen zog es sich für mich aber auch mal. Einfach weil ich mehrmals dachte, nun könnte die Geschichte eigentlich vorbei sein, und dann ging sie dank einer neuen Wendung doch noch weiter. Weil ich aber schon neugierig war, wie das Ende dieser Geschichte aussehen würde, habe ich darüber hinweggesehen.

In der Rolle des Lobenthaler Ehepaars sind Susanne Uhlen und Sascha Wussow zu hören. Beide sind mir anfangs vor allem durch ihre ach-so-sanften Stimmen und den gleichförmigen Tonfall aufgefallen. Bei Susanne Uhlen ändert sich daran auch später kaum etwas. Waren die Frauen damals wirklich so drauf? In Sascha Wussows Darbietung kommt dagegen im weiteren Verlauf doch noch ein guter Schuss Emotionalität. Alles andere wäre auch wenig glaubhaft gewesen. Jana Nagyova ist in der Rolle der Lodoiska zu hören und dank ihrer Herkunft nimmt man ihr den Akzent sofort ab. Das finde ich immer sehr wichtig. Sie bringt aber auch die verschiedenen Gefühlslagen der geheimnisvollen Frau gut rüber. Das kann einem mitunter schon eine Gänsehaut bescheren.

Wie schon bei der vorigen Folge gibt es auch hier kaum eine Szene, die nicht von Musik begleitet wird. Und einmal mehr war es mir zu viel damit. Die Melodien sind gut gewählt, angemessen geheimnisvoll und düster, aber das nutzt sich ab, wenn sie ständig zu hören sind. Da hat das Ende dann eine Überraschung bereitgehalten. Als es in die Schlosskapelle geht und auch als eine Tochter der Familie in eine Klosterschule wechselt. Da sind imposante kirchliche Klänge zu hören, was eine echte Abwechslung ist, bei der man sofort aufhorcht.

Das Covermotiv zeigt Lodoiska. Sie wirkt vornehm und geheimnisvoll und diesem verhangenen Blick unter dem Schleier hervor mag man einfach nicht trauen. Das stimmt so mit der Figur der Lodoiska in der Geschichte überein.

Fazit: Ich dachte einige Male, dass die Geschichte nun gut zuende sein könnte, und dann kam wieder ein neuer Dreh und es ging doch noch weiter. Dadurch hat sie sich für mich ein wenig gezogen. Trotzdem fand ich sie insgesamt ganz spannend, weil ich mir lange kein Ende dafür vorstellen konnte. Außerdem war es mal neu, Verständnis für eine böse Hauptfigur zu empfinden.

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