Heiliger Zorn – Mordsgschicht’n aus Oberbayern (div. Autoren / div. Sprecher)

Titel: Heiliger Zorn – Mordsgschicht’n aus Oberbayern  / Verlag: Audiomedia / Spielzeit: ca. 255 min / Buch: Jörg Maurer, Nicola Förg ua. / gelesen von: Michael Schwarzmaier, Philipp Moog ua

heiligerzornInhalt: Trügerische Idylle in Oberbayern: Ungewöhnliche und überraschende Morde erschüttern das Voralpenland. In bitterbösen, spannenden, beklemmenden, literarischen, aber auch witzigen und skurrilen Kurzgeschichten beleuchten die Autoren Deutschlands beliebteste Urlaubsregion aus einem mörderischen Blickwinkel.


Bekanntlich bin ich ein großer Fan von Regionalkrimis. Da führte an dieser Sammlung natürlich kein Weg vorbei. Zumal darin auch Krimis  von einigen meiner Lieblingsautoren zu finden sind.

„Heiliger Zorn“ (Oliver Pötzsch / Hans Jürgen Stockerl)

Dieser Krimi spielt leider anno Schnee (1692), weshalb er bei mir schon nach wenigen Sekunden einen Minuspunkt kassiert hat. Ich mag Geschichten aus dem Heute einfach lieber. Davon abgesehen ist es aber ein ganz spannender Krimi, bei dem man gut miträtseln kann. Und mit einem Maler ist mal ein erfreulich außergewöhnlicher Ermittler am Werk.

„Tegernseer Wasserleichen für Anfänger“ (Tatjana Kruse / Solveig Duda)

Da ist auch schon der erste Krimi von einem meiner Lieblingsautoren. Die Geschichte ist zwar außer vom Schauplatz her wenig bayerisch, dafür aber auf ihre ganz eigene Art spannend und voll bösen Humors. Speziell das Ende hat es in dieser Hinsicht ordentlich in sich.

„Die Leitlinie“ (Jörg Maurer / gelesen vom Autor)

Der nächste Lieblingsautor! Und obendrein noch mit einem meiner Lieblingsgkrimis in dieser Sammlung! Erzählt wird dieser Krimi aus einer wirklich ungewöhnlichen Perspektive. Das ist einserseits herrlich schräg, andererseits geht es oft direkt philosophisch zu. Eine rundum tolle Idee!

„Keep Smiling“ (Jochen Senf / Michael Schwarzmaier)

Bei diesem Krimi weiß man zwar sofort, wohin der Hase läuft, aber es ist dennoch spannend zu verfolgen, wie es dazu kommt. Und die bisherigen Taten des Mörders sind für ein Schaudern gut. Michael Schwarzmaier liest mit einem unüberhörbaren, breiten Grinsen, was toll zur Story passt. Auch, weil es durchaus irre klingt.

„Tegernseer Breitmaul“ (Jörg Maurer / gelesen vom Autor)

In diesem Krimi geht es um einen Mord, der mit einem wirklich außergewöhnlichen Instrument verübt wurde. Man ahnt zwar bald, welches es sein könnte, aber es wirkt so abwegig, dass man nicht recht dran glauben will. Eine witzige Idee, gespickt mit Seitenhieben an Tierfreunde.

„Traumhochzeit“ (Sabine Thomas / gelesen von der Autorin)

Die Idee dieses Krimis ist zwar ganz schön schräg und hier und da musste ich auch mal schmunzeln, aber so richtig überzeugen konnte er mich nicht. Das Motiv der Täterin erschien mir einfach zu dünn für das, was sie deshalb anrichtet.

„Der Kopist“ (Nicola Förg / Philipp Moog)

In diesem Krimi treffen Fans von Nicola Förg zwei der Hauptcharaktere aus ihren Alpenkrimis wieder. Das hat mir gut gefallen. Der Fall an sich dagegen war nicht so mein Ding. Mit Agatha Christie habe ich es nicht. Deshalb habe ich mich mit der Kombination aus Christie und Gerhard Weinzierl schwer getan.

„Der Fall Ludwig“ (Oliver Pötzsch / Hans Jürgen Stockerl)

Oliver Pötzschs Krimi spielt im Jahre 1911. Damit ist er der zweite Krimi in dieser Sammlung, der nicht unebdingt meinen Geschmack trifft. Jedenfalls nicht von der Zeit her, in der er spielt. Das macht viel aus bei mir. Wer damit besser klarkommt, der findet hier einen recht spannenden Krimi mit klassisch detektivischem Verlauf an.

„Gmundener Alibi“ (Henrike Heiland / Marisa Burger & Marina Köhler)

Mein zweites Highlight in dieser Sammlung. Ein ganz böser Krimi, in denen zwei Damen versuchen, den Mord zu vertuschen, den eines von ihnen begangen hat. Beziehungsweise, ihn jemand anderem in die Schuhe zu schieben. Das ist auf fiese Art sehr böse, aber dank des polnischen (oder russischen?) Akzents einer der Sprecherinnen auch unglaublich witzig.

„Toter Mann“ (Philipp Mog / gelesen vom Autor)

Ein weiterer Krimi, erzählt aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Nämlich von dem, der dem Krimi seinen Titel gab. Die Idee hat mir gefallen. Außerdem liegt eine unglaubliche Ruhe über den Geschehen. Da fragt man sich leicht, ob man in der Situation des Mannes tatsächlich eine solche Ruhe empfindet.

„Die stille Nacht“ (Andreas Föhr / gelesen von Michael Schwarzmaier)

Hier treffen Fans von Andreas Föhr das Original seiner „großen“ Krimis an: Kreuthner. Das bürgt für eine äußerst unterhaltsame Geschichte. Er hat allerdings erst spät seinen Auftritt. Zuvor entwickelt sich ein feiner Krimi mit gewitzten Wendungen und einer Prise bösen Humors. Sehr schön!

„Mörderwinkel“ (Jörg Steinleitner / gelesen vom Autor)

Wer die Krimis um Anne Loop mag, der wird sich freuen, sie hier wiederzutreffen. Ich werde nach diesem Krimi-Snack sicher mal einen ihrer „großen“ Fälle lesen. „Mörderwinkel“ ist spannend, humorvoll und man kann gut mitknobeln. Das hat mir gefallen! Und Jörg Steinleitner liest toll! Der bayerische Dialekt sorgt für Flair.

„Kreuthner Geschnetzeltes“ (Harry Luck / gelesen von Alexander Duda)

Ein weitere Krimi, bei dem mir die Idee gefallen hat. Ein ordentlicher Seitenhieb auf „Bauer sucht Frau“ mit ganz, ganz bösem Verlauf. Da sieht man gewisse Kandidaten sofort vor sich. Die Story ist zwar vorhersehbar, aber Spass macht sie auf jeden Fall.

Bei den Sprechern kannte ich bisher nur Michael Schwarzmaier und Jörg Maurer. Insgesamt haben mir die Sprecher aber durch die Bank ganz gut gefallen. Einigen hätte ein deutlicherer bayerischer Akzent allerdings nicht geschadet. Das hätte noch mehr Flair riengebracht.

Ein Covermotiv ganz nach meinem Geschmack. Mit Filzhut, Lebkuchenherz und dem Blick in die Berge herrlich urig. Ein blutiges Messer weist aber doch ganz deutlich darauf hin, dass die Idylle trügt. Und der Hund ist sowieso goldig.

Fazit: Insgesamt eine schöne Bayernkrimi-Sammlung, mal mehr, mal weniger bayerisch. Dafür aber fast ausnahmslos voller schräger und witziger Ideen. Wer Regionalkrimis mag, sollte bei dieser Sammlung ein Ohr riskieren.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: