Mindnapping (15) – Einsamer Anruf

Titel: Mindnapping (15) – Einsamer Anruf / Verlag: Audionarchie / Spielzeit: ca. 58 min / Sprecher: Anja Topf, Gabi Libbach, Michael von Rospatt, Martin Sabel ua

mindnapping15Inhalt: „Haben Sie Skrupel, Melanie? Dann sollten Sie sich überlegen, ob Sie nicht besser belegte Brötchen beim Stadtbäcker verkaufen sollten.“
„Ich kenne keine Skrupel, Viola. Ich dachte ja nur, dass es vielleicht besser wäre, wenn wir…“
„Wir arbeiten hier nicht im Kindergarten! Obwohl sich in unserer Kartei auch Liebhaber von Windeln und Schnullern herumtollen. Aber zu Demonstrationszwecken ist dieser ‚Gummi-Teddy‘ ein ideales Paradebeispiel menschlicher Abgründe und eine Vorschau auf das, was Sie hier erwartet. Erwarten kann…“


Nach dem Klappentext hatte ich bereits eine deutliche Ahnung, was mich in dieser Folge erwartet. Jedenfalls was die Rahmenhandlung bzw den hauptsächlichen Schauplatz anbetrifft. Damit lag ich dann auch völlig richtig. Das Thema Sex scheint jgerade recht beliebt im Hörspielbereich zu sein.
Wer Action sucht, der guckt bei „Einsamer Anruf“ allerdings bitterlich in die Röhre. Hier muss man damit leben können, dass die Dialoge im Mittelpunkt stehen. Das hat mich gar nicht gestört, denn die beiden Hauptsprecherinnen übertrumpfen sich quasi gegenseitig darin, den Hörer im Unklaren darüber zu lassen, wem weniger zu trauen ist. Irgendwie habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass eine von beiden plötzlich die Maske fallen lässt. Das sorgt für Spannung.
Die Gänsehaut steuert Melanies erster Kunde bei. Noch nicht einmal durch seine Phantasien -sowas ist Fans sicher schon mal in anderen (Psycho)thrillern untergekommen-, dafür aber umso mehr mit seiner Stimme und seinem Tonfall. Widerlich, mehr kann man dazu nicht sagen. Und was mag erst passieren, wenn ihm Melanie in die schwarz behandschuhten Finger gerät? Das mag man sich gar nicht auszumalen.
Der Dreh am Ende weiß zu überraschen, ist aber nicht unbedingt der Hammer, den ich erwartet hatte. Da ist man Komplexeres von der Serie gewöhnt. Trotzdem habe ich im ersten Moment ziemlich baff dagesessen und anschließend hämisch gegrinst. Ganz ehrlich, ich fand das so auch mal ganz schön. Eine Überraschung, die sich sofort zeigt, die man sich nicht erst aus dem vorigen Geschehen herleiten muss, oder für die man in die verquasten Gedanken eines Irren eintauchen muss.

Mit Anja Topfs Stimme konnte ich zunächst überhaupt nicht. Aber ich muss ihr zugute halten, dass sie sämtliche Tonlagen in petto hat. Die der finanziell nicht so gut dastehenden, jobsuchenden und anfangs eher zurückhaltende Studentin, die der Telefonistin mit ordentlich Erotik in der Stimme, die der panischen jungen Frau und abschließend noch…nein, das verrate ich hier mal nicht. Gabi Libbach habe ich dagegen sofort gerne gelauscht. Sie gibt eine sehr hochmütige und aalglatte Chefin, der ich keinen Meter über den Weg getraut habe. Und Michael von Rospatt schafft es mit wenigen Worten, dass man sich vor seiner Figur ekelt und fürchtet.

Die Untermalung hält sich bei dieser Episode dezent zurück. Sie trennt hauptsächlich die Szenen voneinander, wird aber nicht groß dafür eingesetzt, um der Spannung auf die Sprünge zu helfen. Mir hat es vor allem gefallen, wie gut die Anrufe des Verrückten in Szene gesetzt wurden. Mit diesem Telefonklang kommen seine Worte gleich nochmal bedrohlicher rüber.

Im Covermotiv vereinen sich gleich mehrere Elemente der Geschichte. Wobei ich den Vogel auf der Telefondrehscheibe besonders pfiffig finde. Schöne Idee. Trotzdem wird über die Handlung nichts weiter verraten. Mann kann allenfalls schließen, dass einen auf der CD nichts Gutes erwartet. So vom Handschuh und der Strick her.

Fazit:  Eine spannende Folge, die einen lange im Ungewissen lässt, wer was zu verbergen hat. Action sucht man hier allerdings vergebens, was mich aber nicht gestört hat. Die Auflösung lässt einen baff und hämisch zurück, ist aber nicht annähernd so komplex wie man es in anderen Episoden schon erlebt hat. Aber warum nicht, wo es doch genauso gut wirkt? Eben!

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