Horror an der Leine

Titel: Horror an der Leine / Verlag: Aurem Dolor / Spielzeit: ca. 67 min / Sprecher: Frank Kindermann, Michael Beier, Jean Coppong, Carsten Benjamin Horchelhahn

leinehorrorInhalt: Verstorbene Musiker, die sich dem Markt der Popmusik entgegenstellen. Gebeutelte Mieter im Kampf gegen die Gentrifizierung. Ein Germanenheer in einem Naturschutzgebiet im Zentrum Hannovers. Ein einsamer Ghoul auf der Suche nach einer neuen Heimat.


Insgesamt fünf mal mehr, mal weniger gruselige Kurzgeschichten zum Hören erwarten den Hörer auf dieser CD.

„Tote Talente“ – Dieser Geschichte liegt eine ungewöhnliche Idee zugrunde, die mir aber ganz gut gefallen hat. Nach dem ersten Vorfall weiß man zwar, was einen beim zweiten Vorfall erwartet, doch dafür steht am Ende eine durchaus gewitzte Auflösung.

„Die Masch“ – Platz 2 in meinem persönlichen Ranking unter den Titeln. Mir gefällt der Schauplatz sehr gut. Schön klassisch, so ein See am Abend mit Nebel, viel Wald und Buschwerk. Da kann man sich schon Schauerliches vorstellen. Ich denke, wenn ich mal in solch eine Gegend komme, werde ich mich wohlig schaudernd an diese Geschichte erinnern.

„Zollfreies Einschreiben“ –  Diese Geschichte wäre mein 3. Platz. Hach, ist die schön böse! Und die ganze Zeit kann man die Bedrohung, die über dem Geschehen liegt, förmlich spüren.

„Die Leiden des Ghoul“ – Da ist er, mein Favorit der Sammlung: Platz 1! Gruselig ist anders, obwohl ein Ghoul von Hause aus eigentlich gruselig ist. Und auch der hier hat eine Vorliebe für tote Menschen. Aber er ist eben auch einsam und hat Humor…ich habe ich sofort lieb gewonnen. Schön außerdem, dass man bei dieser Geschichte auch mal lachen kann. Gestoßen habe ich mich an ein paar sonderbaren Formulierungen wie „…bis ihnen ein faulig-modriger Geruch beißend in die Nase biss.“ Doppelt hält besser, oder wie? Oder „Claudia war fest überzeugt, dieser Kreatur zu helfen.“ Irgendwie fände ich „fest entschlossen“ in dem Zusammenhang sinniger. „Angeweste Augen“ sind auch so eine Sache…

„Talentfreie Tour“ – Knüpft in gewisser Weise an die erste Geschichte an. Eine schöne Idee, den Kreis so zu schließen. Ansonsten wartet man aber und wartet und wartet und wartet…bis sich mal etwas Eigenartiges tut. Zumindest sehr kurz. Gruselig fand ich diese Story leider nicht, dafür ziemlich langatmig. Und das bei nur 15 Minuten Laufzeit.

Die Sprecher, die in dieser Sammlung am Werk sind, sind allesamt keine Profis. Mich stört sowas im Allgemeinen nicht, aber wissen sollte man es ehe man die CD einlegt. Trotzdem hatte ich vor allem mit Michael Beier meine Probleme. Erstens liest er mir viel zu schnell. Dadurch wollte bei mir einfach kein gruseliges Flair aufkommen. Zweitens versäumt er es in dieser Hektik, seinen Figuren auch nur ansatzweise markante Stimmen zu verleihen. Am meisten haben mich aber die sonderbaren Wortschöpfungen gestört. Da werden aus Roadies plötzlich Rowdys, ein Star ist ein Schtar und bis ich raus hatte, was „Kapp Di“ heißen soll hat es zwei Anläufe gebraucht.
Ähnlich ging es mir mit Carsten Benjamin Horchelhahn. Auch er liest mir oft zu schnell, was zu Lasten der Atmosphäre geht. Und das bei einer Geschichte, die davon an sich wirklich reichlich hergibt! Und wenn eine Figur in einer Aussage ein leises Lachen hat, dann sollte es auch dort zu hören sein. Nicht im vorausgehenden „Sandra lachte.“ In Sachen interessanter Wortschöpfungen möchte ich kurz erwähnen, dass die Dinger nicht „Tambongs“ heißen… 😉
Ich weiß nicht, ob Niedersachsen solch einen markanten Dialekt hat, kann sein, aber das hat für mich mit Lokalkolorit nichts mehr zu tun.
Frank Kindermann macht seinen Job im Vergleich sehr viel besser. Es gelingt ihm, schaurige Atmosphäre heraufzubeschwören und sein Hamburger Dialekt für den Ghoul ist zum Schießen!
Jean Coppong hat mir sehr gut gefallen! Es ist in erster Linie ihm zu verdanken, dass „Zollfreies Einschreiben“ so herrlich grausig und bedrohlich rüberkommt.

Eine Reihe von Geräuschen verdeutlichen hier und da die Szenerie der Geschichten. Gelegentlich sind auch Musikstücke zu hören, die den Geschichten gut stehen.
Diese dezente Begleitung fand ich gut gewählt. Bei Hörbüchern sollte nun mal das Gelesene im Vordergrund stehen.

Fazit:  Die Geschichten haben mir bis auf eine Ausnahme durch die Bank gefallen. Einige orientieren sich am eher klassischen Grusel, andere schlagen modernere und ungewöhnliche Wege sein. Eine feine Mischung. Knackpunkt sind für mich die Sprecher, allen voran Michael Beier, der mich leider gar nicht überzeugen konnte. Frank Kindermann habe ich gerne zugehört, weil es ihm gelingt, die Stimmungen seiner Storys an den Hörer zu vermitteln. Und Jean Coppong würde ich gerne nochmal hören. Vielleicht als Sprecher bei einem Psychothriller-Hörbuch…

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