Stichkopf und der Scheusalsfinder ( Guy Bass / Katharina Thalbach)

Titel: Stichkopf und der Scheusalsfinder / Verlag: Argon Verlag / Spielzeit: ca. 163 min / Buch: Guy Bass / gelesen von: Katharina Thalbach

stichkopfInhalt: Nahe dem abgelegenen Örtchen Rafferskaff liegt Burg Grottenow. Dort gehen merkwürdige Dinge vor: Professor Erasmus erschafft Monster! Der kleine Stichkopf ist seine erste Kreatur, wurde aber von neuen Monstern immer mehr zur Seite gedrängt. Seit Jahren fristet er nun in den Schatten der Festung ein vergessenes Dasein und hält dem Professor heimlich den Rücken frei. Als eines Tages eine Freakshow in das Örtchen kommt und der Zirkusdirektor ihn entdeckt, wird ihm eine große Karriere im Rampenlicht angeboten. Doch Stichkopf hat Professor Erasmus ewige Treue geschworen.


Ein solch niedliches, aber doch schauriges Cover und dahinter ein Hörbuch für Hörer ab 7 Jahren? Das machte mich schnell neugierig.
Die Geschichte nimmt sich alle Zeit der Welt, zunächst das Örtchen Rafferskaff, den Zirkus des Scheusalsfinder, die Burg Grottenow und natürlich deren Bewohner vorzustellen: den verrückten Professor und die Monster, die er am wie am Fließband zu Fast-Leben erweckt, und natürlich den kleinen Stichkopf. Er war das erste Scheusal des Professors, geriet dann in Vergessenheit und sorgt seither dafür, dass die Monster friedliche Monster sind. Den Kleinen schließt man schnell ins Herz und es wird geradezu rührend als man erfährt, wie sein „Meister“ einst mit ihm umsprang. Da ist es dann nachvollziehbar, dass die Freakshow des Scheusalfinders einen großen Reiz auf ihn ausübt, endlich doch zu etwas Besonderem zu werden. Ich hätte es ihm wirklich gegönnt, auch wenn er dafür seinen absolut knuffigen bestesten Monsterfreund hätte verlassen müssen.
Im Verhältnis zum Rest der Geschichte nahm mir dieser Part allerdings zu viel Zeit ein und plötscherte teilweise ziemlich unaufgeregt vor sich hin. So drollig und schräg die Gesellschaft auf Burg Grottenow auch sein mag, das hätte gerne etwas kürzer gefasst werden können. Denn so kommt die Geschichte erst zum Ende hin richtig in Schwung, und dieses Ende wirkt dann wie hektisch abgehandelt.

Ein riesig großes Lob geht an Sprecherin Katharina Thalbach. Ihre markante, kratzige Stimme passt hervorragend zu Stichkopf und seiner Geschichte. Bei ihr klingt jedes Scheusal und jeder Mensch anders. Da fällt es gar nicht schwer, den Überblick zu behalten. Und sie tobt sich dabei so richtig aus. Sie krächzt, lispelt, schreit, klingt mal tieftraurig, dann wieder liebenswert-dösig und als nächstes hinterhältig und gemein. Es ist eine reine Freude, ihr zuzuhören.

Genauso gelungen ist die Musikkulisse dieses Hörbuchs. Die Stücke präsentieren sich zwar meist leise, fallen einem aber dennoch auf. Sie klingen nach einer Mischung aus Grusel und Märchen, was der Geschichte prima steht. So sorgen sie für eine dezent schaurige Atmosphäre. Ich musste bei einigen Melodien an Filme wie „Edward mit den Scherenhänden“ denken.

Das Cover sprach mich auf Anhieb an. Stichkopf ist wirklich goldig geraten. Und die Fangarme (?) um ihn herum lassen durchblicken, dass es in der Geschichte ein wenig gruselig zugeht. Im Booklet und auf den CDs findet man noch einige weitere schöne Illustrationen. Da habe ich direkt Lust bekommen, mir das Buch bei Gelegenheit näher anzusehen.

Fazit:  „Stichkopf und der Scheusalsfinder“ ist eine phantasievolle Geschichte, bevölkert von liebenswert schrägen Monstern, die man schnell ins Herz schließt. Allerdings kommt die Geschichte an sich schwer und spät in die Gänge, wodurch das Ende zu schnell abgehandelt wird. Das hätte man für mich gerne straffen dürfen. Katharina Thalbach liest genial und der feine Soundtrack sorgt für einen leicht schaurigen Anstrich.

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