Gruselkabinett (87) – Alraune

Titel: Gruselkabinett (87) – Alraune / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 89 min / Sprecher: Hans Bayer, Sabine Bohlmann, Johannes Raspe, Gabriele Pietermann, Regina Lemnitz ua

gk87Inhalt: Im Rheinland 1905: Eine kleine Gruppe skrupelloser Menschen nimmt eine künstliche Befruchtung an einer Prostituierten vor und pflanzt ihr dabei den Samen eines gehängten Lustmörders ein. Die auf diese Weise erschaffene, im Erwachsenenalte höchst faszinierende
Alraune ten Brinken ist ein Geschöpf mit sehr besonderen Fähigkeiten.


Mit dem Begriff „Alraune“ verbinde ich etwas anderes als eine schöne Frau, wie sie auf dem Cover zu sehen ist. Daher war ich einerseits zwar neugierig auf die Geschichte, andererseits aber auch skeptisch. Irgendwie ahnte ich bereits, dass da etwas schiefgehen würde.
Etwa die erste Hälfte der Geschichte ging für mich soweit ganz in Ordnung. Die Idee der Wissenschaftler ist schon ganz schön krank, ein Stück weit auch ziemlich eklig, aber mit so etwas kann ich leben. Die weitere Entwicklung der Handlung verlief angenehm geradlinig und allmählich kristallisierte sich heraus, dass Alraune keineswegs eine ganz normale schöne, junge Frau ist, sondern gewisse „Talente“ besitzt. Ich war gespannt, wie sich das weiterentwickeln würde.
Leider entwickelte es sich reichlich konfus. Von geradlinigem Verlauf keine Spur mehr, alle naselang andere Figuren mit ihren jeweiligen Begehrlichkeiten, Intrigen und Boshaftigkeiten. Ich habe die Folge bestimmt siehen- oder achtmal gehört, aber etwa ab der Mitte war ich regelmäßig raus. Zurück blieb lediglich der Eindruck eines Rachefeldzugs Alraunes gegen ihre Schöpfer. Die haben übrigens allesamt in irgendeiner Form mit sexuellen Begierden zu tun. Zwischen Männern, Frauen, Kindern, alles was diese Thema halt so hergibt. Grundsätzlich von mir aus, aber vom „Gruselkabinett“ erwarte ich (wohl nicht ganz unberechtigt) gruselige Geschichten. Und „Alraune“ ist schlichtweg nicht gruselig. Allenfalls abstoßend.

Ich habe durchgezählt, weil mich der Anblick der Sprecherliste nach der von „Die Kreatur“ umgehauen hat. Fast 20 Sprecher sind bei „Alraune“ am Werk! Ich hätte wissen müssen, dass ich da nicht klarkommen würde. Sei’s drum, jetzt ist es zu spät. Alraune selber wird von Sabine Bohlmann gesprochen. Sie leiht ihr eine meist sehr angenehme, liebreizende Stimme, die bei Bedarf allerdings schnell ins genaue Gegenteil umschlägt und energisch und herrisch wird. Hans Bayer übernimmt die Rolle des Jakob ten Brinken. Seine tiefe Stimme habe ich als ganz angenehm empfunden, sodass es für mich unglaublich war, welche Abgründe diese Figur mit der angenehmen Stimme in sich verbirgt. Johannes Raspe ist als Frank Braun zu hören, der natürlich in der Geschichte mitspielt, aber auch als Erzähler fungiert. In seiner Stimme liegt als Erzähler stets eine gewisse Schwermut. Als Frank Braun klingt er recht jung und wesentlich lebendiger.

Auch der Musik gelingt es nicht, dieser Geschichte Gänsehautflair einzuhauchen. Die eingesetzten Stücke sind zwar durchweg leise, zurückhaltend und oft schwermütig, aber schaurig ganz sicher nicht. So verleihen sie der Story lediglich eine gedrückte Stimmung. Das passt zwar zum Geschehen, hat mir aber kein Schaudern verursacht. Immerhin aber wird man bei „Alraune“ nicht durchweg musikalisch beschallt!

Das Cover alleine zeigt eigentlich schon deutlich, wie weit es mit dem Grusel in dieser Folge her ist. Da nützt der Gehängte im Hintergrund auch nicht. Farblich und von den Lichtspielereien ist das Motiv ganz schön und sicher fragt man sich, was diese schöne Frau mit einer hässlichen Pflanzenwurzel zu tun hat, aber schaurig sieht es nicht aus.

Fazit:  Die erste Hälfte von „Alraune“ fand ich wegen der ausgesprochen kranken Idee der Wissenschaftler gar nicht mal übel. Da hätte etwas Gruseliges draus werden können. Stattdessen wurde daraus ein wirren Ränkespiel um diverse sexuelle Begierden und Vorlieben, das alles andere als gruselig war.

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